Person hält ein Tablet, das eine digitale Steuerung für Industrieroboter anzeigt, im Hintergrund gelbe Roboterarme.

Deutscher Maschinen- und Anlagenbau muss sich neu erfinden

54% kämpfen mit schrumpfenden Märkten. Eine Strategy&-Studie zeigt, wie der deutsche Maschinenbau mit neuen Geschäftsmodellen seine Zukunft sichern kann.

Ergebnisse im Überblick

  • Mehr als die Hälfte der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer kämpft mit stagnierenden oder sogar schrumpfenden Märkten
  • Traditionelle Stärken bei Produktentwicklung, Qualität und Verlässlichkeit sind nach wie vor wichtig, aber kein Differenzierungskriterium mehr im internationalen Wettbewerb
  • Zudem kaufen Industriekunden immer seltener Maschinen und verlangen stattdessen nutzungsbasierte As-a-Service-Modelle
  • Der deutsche Maschinenbau verdient jedoch noch immer einen Großteil seines Umsatzes im traditionellen Verkauf von Maschinen und Anlagen
  • Digitale Services, Plattformen und outputbasierte Angebote machen hingegen maximal 4% des Umsatzes aus
  • Um im Wettbewerb zu bestehen, muss die Branche systematisch neue Geschäftsmodelle entwickeln, Technologien proaktiv einsetzen und agile Prozesse etablieren

Zur Studienseite

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau, eine der wichtigsten Branchen des Landes, steckt in einer Zwickmühle. 54% der Unternehmen kämpfen mit stagnierenden oder schrumpfenden Märkten, 74% berichten von Margendruck.

Gleichzeitig ändern sich die Wünsche der Abnehmer: Immer weniger Industriekunden wollen Maschinen selbst besitzen und verlangen outputbasierte As-a-Service-Modelle. Das geht aus der aktuellen Studie „How we make – Reinvention in the machinery and equipment industry“ von Strategy&, der globalen Strategieberatung von PwC, hervor. Dafür wurden 189 Führungskräfte aus dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau zur Zukunftsfähigkeit ihrer Branche befragt.

Allerdings sind solche nutzungsbasierten Angebote noch nicht umfassend etabliert, obwohl innovative Technologien bereits neue Geschäftsmodelle in diesem Bereich ermöglichen. Der Verkauf von Anlagen macht weiterhin einen Großteil des Kerngeschäfts der Branche aus.

Deutscher Maschinenbau von mehreren Seiten unter Druck

Zusätzlich zum massiven wirtschaftlichen Druck im Maschinen- und Anlagenbau drängen neue Wettbewerber von mehreren Seiten in den Markt: einerseits aus angrenzenden Bereichen wie dem Automobilsektor, der Luftfahrt oder der Verteidigungsindustrie (54%), andererseits aus dem nicht-europäischen Ausland (59%). Vor allem die Importe chinesischer Industriegüter in die EU sind im vergangenen Jahrzehnt viermal schneller gewachsen als die EU-Exporte nach China. Auch bei Patentanmeldungen in Relation zum BIP liegt China inzwischen rund viermal vor Deutschland, vor allem in zentralen Zukunftsbereichen wie Digitalisierung, Automatisierung und KI-Technologien.

Für die deutsche Branche bedeutet das: Wettbewerbsvorteile ergeben sich nicht mehr aus dem Produkt allein, sondern aus einem ganzheitlichen Angebot, das über Industriegrenzen hinweg in ein Ökosystem eingeflochten ist. Das Bewusstsein für Handlungsbedarf ist in der Branche zwar vorhanden: 79% der Befragten nennen Markt- und Wettbewerbsdynamik als zentralen Veränderungstreiber, 72% technologische Umbrüche. Doch aus dieser Erkenntnis folgen bislang zu selten Konsequenzen.

„Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau ist wie eh und je ein Garant für Qualität und Zuverlässigkeit. Doch die langjährige Basis des Erfolgs schmilzt: Kosten steigen, Margen schrumpfen, Innovation stockt. Hinzu kommt, dass Kunden zunehmend lieber für Ergebnisse statt Eigentum zahlen. Reine Exzellenz beim Produkt und in der Fertigung reicht nicht mehr aus. Die Branche steht vor einem fundamentalen Wandel – den Unternehmen jedoch strategisch für sich nutzen können, wenn sie die transformativen Kräfte in ein neues Geschäftsmodell übersetzen.“

Bernd Jung,Senior Partner bei Strategy& Deutschland

„Die gute Nachricht ist: Deutsche Hersteller haben weltweit Maschinen im Einsatz, sie verfügen über jahrzehntelange Geschäftsbeziehungen und verstehen die Produktionsprozesse ihrer Kunden wie kaum ein anderer. Diesen Vorsprung können neue Wettbewerber nur nach und nach aufholen. Umso drängender müssen die hiesigen Unternehmen das verbleibende Zeitfenster nutzen, um sich neu zu erfinden”, sagt Bernd Jung, Senior Partner bei Strategy& Deutschland.

Wo der deutsche Maschinenbau seine Zukunft sieht

Die große Mehrheit der Unternehmen verdient ihr Geld immer noch fast ausschließlich mit dem Verkauf physischer Produkte, nämlich über 66 %. Digitale Angebote und Plattformen oder As-a-Service-Modelle machen dagegen nur zwischen 1 % und 4 % des Umsatzes aus. Es klafft also eine deutliche Lücke zwischen dem Angebot der Branche und den Wünschen der Kunden.

Doch es beginnt ein Umdenken: Zwar bleibt für 65 % der Befragten die klassische Produkt- und Materialinnovation das wichtigste Wachstumsfeld der Zukunft, doch gleichzeitig sieht jeder Zweite (48 %) die digitale Vernetzung und Steuerung ganzer Wertschöpfungsketten als zentrale Zukunftschance.

Ein ebenfalls hohes Potenzial identifizieren die Befragten darin, Kunden beim effizienteren Betrieb ihrer Anlagen zu unterstützen, etwa durch intelligentes Energiemanagement (40 %) oder digitale und intelligente Lösungen für den optimierten Betrieb von Maschinen (35 %).

Etwas verhaltener blickt die Branche dagegen auf neue As-a-Service-Modelle für Maschinen, outputbasierte Preismodelle sowie neue Formen der Kundeninteraktion. Nur rund ein Drittel sieht hier Wachstumspotenzial.

„Unvermindert wachsender Wettbewerbsdruck und neue Kundenbedürfnisse verlangen von der Branche, ihr Kerngeschäft grundlegend zu überprüfen und anzupassen. Dafür braucht es agile Organisationsstrukturen, die schnelle Entscheidungen und unternehmerische Freiheit ermöglichen – und im Zweifel auch den Mut, neue Geschäftsmodelle bewusst außerhalb des Kerngeschäfts zu entwickeln.“

Georg Krubasik,Director bei Strategy& Deutschland

„Es gilt, vom Ende her zu denken und die veränderten Kundenwünsche als Ausgangspunkt für Innovation zu nehmen statt des eigenen Produktportfolios – und vorhandene Stärken damit abzugleichen. Wer sich jetzt neu erfindet, kann die neuen Industrie-Ökosysteme und deren Spielregeln maßgeblich mitbestimmen und die profitablen Geschäftsfelder der Zukunft besetzen”, sagt Georg Krubasik, Director bei Strategy& Deutschland.

How we make – Reinvention in the machinery and equipment industry

Über Strategy&

Strategy& ist die globale Strategieberatung von PwC. Wir entwickeln individuelle Geschäftsstrategien für weltweit führende Unternehmen, basierend auf differenzierenden Wettbewerbsfähigkeiten. Wir sind die einzige Strategieberatung als Teil eines globalen Professional Services Netzwerks. Unsere Expertise kombinieren wir mit Technologie und erarbeiten daraus eine passende Strategie, die effizient umsetzbar ist. "Strategy, made real" heißt für uns, den digitalen Wandel voranzutreiben, die Zukunft mitzugestalten und Visionen Wirklichkeit werden zu lassen. 4.500 Strategieberater:innen und mehr als 365.000 PwC Mitarbeiter:innen in 136 Ländern tragen hierzu mit hochwertigen, branchenspezifischen Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Unternehmensberatung bei.

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Annabelle Kliesing
Annabelle Kliesing

Senior Manager Communications and Thought Leadership, Strategy& Deutschland