Wie gezielte Maßnahmen den akuten Cyber-Fachkräftemangel mindern und die Cybersicherheit in Deutschland stärken
Lucas Sy und Andreas M. Lang
Die Cyber-Bedrohung in Deutschland verschärft sich: Mehr Angriffe und höhere Effektivität führten im vergangenen Jahr laut Branchenverband Bitkom zu Schäden in Rekordhöhe von 178,6 Milliarden Euro. Ein effektiver Schutz vor Cyberangriffen erfordert eine schnelle und gezielte Stärkung aller Ebenen der Abwehrkette. Doch der Aufbau der nötigen Fähigkeiten wird oft durch den Fachkräftemangel ausgebremst. Laut unserer Studie haben 9 von 10 Organisationen akute Schwierigkeiten, Cyber-Fachkräfte zu rekrutieren.
Die Analyse basiert auf der Befragung von insgesamt 1.200 Teilnehmer:innen aus dem öffentlichen und privaten Sektor und untersucht die Ursachen des Fachkräftemangels. Darüber hinaus schlagen die Autoren konkrete Maßnahmen vor, um die Widerstandsfähigkeit im Cyberraum zu sichern.
| 1. Geringe Anzahl an Bewerber:innen |
2. Mangelnde Qualifikation |
3. Ablehnung von Stellenangeboten |
4. Abgang von Fachkräften |
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| ...im öffentlichen Sektor | Insgesamt bleiben ausgeschriebene Stellen im öffentlichen Sektor häufig unbesetzt, da nur wenige Bewerbungen eingehen. Besonders stark betroffen sind sicherheitskritische Fachrollen, weniger Führung und Management oder neue Technologiefelder. | Qualifikationslücken bei den Themen Cybersecurity-Standards und Datenschutz verschärfen den Mangel im öffentlichen Sektor. | Im öffentlichen Sektor schrecken vor allem vergleichbar niedrige Gehälter viele Bewerber:innen ab – nach Zusage an geeignete Kandidat:innen können insbesondere administrative Verzögerungen eine Rolle spielen, dass es am Ende trotzdem nicht zur Einstellung kommt. | Vergütung und Karrierechancen entscheiden im öffentlichen Sektor über die langfristige Bindung von Cyber-Fachkräften. Beim Branchenwechsel zieht es über die Hälfte der IT-Fachkräfte in die Tech-Industrie – aufgrund höherer Gehälter und besserer Entwicklungsperspektiven. |
| ...im privaten Sektor | Der Fachkräftemangel zeigt sich auch im privaten Sektor. Dort mangelt es an Expert:innen für Cybersicherheit in mehreren Bereichen. Gegenüber dem öffentlichen Sektor fällt der Mangel jedoch geringer aus: Es gibt mehr Stellenausschreibungen, eine höhere Anzahl an Bewerbungen pro Stelle und weniger Engpässe in sicherheitskritischen Rollen. | Die Befragten aus der Wirtschaft bestätigen weitestgehend die aufgezeigten Herausforderungen des Fachkräftemangels im öffentlichen Sektor, heben jedoch Defizite der Bewerber:innen in deren Soft Skills hervor. | Im privaten Sektor bemängeln Bewerber:innen neben ungenügender Vergütung auch unflexible Arbeitsmodelle sowie wenig attraktive Standorte. | Nach der Einstellung bleibt die Vergütung der wichtigste Fluktuationsgrund im privaten Sektor. Beim Branchenwechsel festigt die Tech-Industrie ihren Status als attraktive Exit-Option; der öffentliche Sektor ist für Arbeitnehmer:innen aus dem privaten Sektor unattraktiv. |
Insgesamt ähneln sich die Hauptursachen des Fachkräftemangels in beiden Sektoren: ein Mangel an geeigneten Bewerber:innen und die hohe Konkurrenz durch die Tech-Industrie. Während die Vergütung als Hauptgrund für die Ablehnung von Stellenangeboten und mögliche Arbeitgeberwechsel gilt, fehlen in beiden Sektoren Fachkräfte besonders in den Bereichen Risiko- und Compliance-Management und Operational Security.
Ob attraktive Gehälter, gezielte Qualifizierung oder mehr Diversität – zahlreiche Maßnahmen zielen darauf ab, den Cyber-Fachkräftemangel zu mindern. Im Rahmen der Studie wurden folgende fünf Maßnahmen priorisiert und eingehend beleuchtet:
Der Fachkräftemangel im Bereich Cybersicherheit stellt eine akute Herausforderung dar, die sowohl den öffentlichen als auch den privaten Sektor betrifft. 90% der Organisationen berichten von Rekrutierungsproblemen. Besonders der öffentliche Sektor leidet unter dem Mix aus wenigen Bewerbungen und häufigen Qualifikationslücken. Hinzu kommt, dass geeignete Kandidat:innen Stellen wegen zu niedriger Vergütung ablehnen. Und auch wer bereits als Cyber-Fachkraft im öffentlichen oder privaten Sektor arbeitet, hält sich Karriereoptionen außerhalb der Branche offen. Hauptursache für einen Wechselwunsch ist insbesondere im öffentlichen Sektor die Vergütung.
Insgesamt zeigt die Analyse, dass wirksame Hebel, um neue Fachkräfte zu gewinnen und bestehendes Personal langfristig zu binden, untergenutzt bleiben. Es wird kaum Geld in Weiterbildung investiert, wenige Organisationen nutzen KI, Vergütungsspielräume und internationale Rekrutierung werden selten ausgeschöpft.
Die Umfrageergebnisse verdeutlichen, dass klassische Personalinstrumente allein nicht ausreichen. Erforderlich ist ein kombiniertes Vorgehen aus Personalmaßnahmen, Technologieeinsatz und Betriebsmodell. Andernfalls drohen bei stagnierender Bewerber:innenzahl und steigenden Outsourcing-Bedarfen Engpässe in sicherheitskritischen Funktionen und damit Einbußen der digitalen Handlungsfähigkeit zentraler Institutionen in Deutschland.
Lukas David Hoffmann, Robin Grözinger, Malien Zehnpfenning und Marius Schmidt waren an der Erstellung der Studie beteiligt.