Bargeldloses Bezahlen in Corona-Zeiten: Bankomatkarte weiterhin klare Nummer 1 in Österreich

14 Sept 2020

COVID-19 erhöht Beliebtheit bargeldloser Zahlungsmethoden in Österreich / Open Banking wartet noch auf den Durchbruch: Nur rund ein Fünftel der Österreicher würde Finanzdaten mit Banken oder Drittanbietern teilen / Finanzbranche mit Nachholbedarf bei Vertrauen und Angeboten

Ein Jahr Open Banking: Mit der Einführung der PSD2-Richtlinie sollte sich in Europa der Datenaustausch zwischen Banken und Drittanbietern etablieren eine Welt neuer Bezahlmöglichkeiten und digitaler Finanzdienstleistungen eröffnen. Doch sowohl in Österreich als auch auf europäischer Ebene sind die Vorbehalte gegenüber Open Banking-Angeboten noch immer groß: Lediglich 22% der österreichischen Befragten sind dazu bereit, ihre Finanzdaten mit Banken oder Drittanbietern zu teilen. Damit liegt Österreich im europäischen Durchschnitt (20%). Am ehesten ließen sich die österreichischen Verbraucher mit Einkaufsrabatten (11%), einer automatisierten Steuererklärung (11%) oder der kostenlosen Nutzung von Bankdienstleistungen (5%) davon überzeugen, ihre Bankdaten zu teilen, wie die neue Ausgabe der „European Payments“-Studie von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, zeigt. Dabei vertrauen die österreichischen Befragten nach wie vor am meisten traditionellen Banken und Kartenanbietern, um ihnen persönliche Informationen zu überlassen (19%). Einzelhändler (9%) und Zahlungsdienstleister (8%) konnten sich vor Neobanken und FinTechs behaupten, die weit abgeschlagen nur von 2% der Verbraucher Daten erhalten würden. Im Vergleich zur vergangenen Umfrage mussten aber vor allem Zahlungsdienstleister Vertrauen einbüßen (2018: 13%).

Bargeldloses Bezahlen: Bankomatkarte in Österreich am beliebtesten
Auch wenn mit der Zurückhaltung bei der Weitergabe persönlicher Daten eine der Grundlagen für Open Banking bislang noch gehemmt ist, zeigen sich an einer anderen Front erste Fortschritte: Der Anteil der österreichischen Konsumenten, die aktuell bereits ihr Smartphone zum Bezahlen nutzen, hat sich von 11% (2018) auf 12% (2020) leicht erhöht (Europa: 14%). Debitkarten steigen ebenfalls weiter in der Beliebtheit und werden von 27% der österreichischen Befragten präferiert (2018: 22%). Hingegen können Kreditkarten nicht von diesem Trend profitieren, ihr Anteil bei den beliebtesten Zahlungsmitteln sank von 8% (2018) auf 6% (2020). Auch europaweit liegen Debitkarten mit 31% (2018: 27%) bei den bargeldlosen Bezahlmethoden vorne. Zudem stehen Kreditkarten mit 19% (2018: 19%) auf europäischer Ebene höher im Kurs als in Österreich.

Pandemie fördert digitale Zahlungsmethoden in Österreich
Die COVID-19-Pandemie führt zu einem zusätzlichen Anstieg bei bargeldlosen Zahlungen: 39% der österreichischen Befragten geben an, momentan häufiger mit der Karte zu bezahlen als vor der Krise (Europa: 44%). Zusätzlich gibt die Mehrheit der Verbraucher in Österreich (54%) an, ihr geändertes Bezahlverhalten auch nach der Krise ganz oder größtenteils beibehalten zu wollen (Europa: 47%).

„Zum Jahrestag des Inkrafttretens von PSD2 wird deutlich, dass der Weg zum Open Banking in Österreich wie auch in anderen europäischen Ländern noch weit ist. Allerdings hat die COVID-19-Pandemie offensichtlich dazu beigetragen, das Zahlungsverhalten zugunsten digitaler Alternativen zu verändern – eine der Voraussetzungen für eine funktionierende Open Banking-Infrastruktur. Banken und FinTechs sollten das aktuelle Momentum zum Anlass nehmen, um weiter in attraktive und integrierende Services zu investieren und so skeptische Verbraucher vom Mehrwert durch Datenaustausch zu überzeugen“, kommentiert Hendrik Bremer, Partner bei Strategy& Österreich.

In anderen Lebensbereichen sind Konsumenten in Österreich mittlerweile durchaus bereit, für bestimmte Services ihre Daten zu teilen. Weit verbreitete Messenger (53%) oder Social Media-Apps (35%) werden häufig genutzt, ebenso wie Bonussysteme von Einzelhändlern (35%). „Die Beispiele für erfolgreiche datenintensive Anwendungen außerhalb der Finanzwelt zeigen, welches Potential in Open Banking schlummert. Dieses muss nun über entsprechende Angebote weiter geweckt werden: Banken und FinTechs können ihren Kunden beispielsweise mit der übergreifenden Kontrolle über sämtliche Konten, Abbuchungen und Verträge die Vorteile von Open Banking aufzeigen. Da jedoch selbst der Vertrauensvorschuss von Banken im Hinblick auf die Weitergabe von Daten langsam schwindet, ist hier rasches Handeln gefragt“, so Hendrik Bremer.

Gründe für Bargeldzahlungen in Österreich ändern sich
Gleichzeitig scheint die Abkehr vom Bargeld nun auch immer mehr in Österreich anzukommen: Bevorzugten hierzulande 2018 noch 61% der Befragten Scheine und Münzen als Zahlungsmittel, verringert sich ihre Zahl auf nunmehr 57%. In Europa liegt dieser Wert allerdings nur noch bei 36% (2018: 43%). Die Beweggründe hinter der noch immer großen Bargeldleidenschaft in Österreich haben sich in den letzten beiden Jahren jedoch deutlich geändert. Während vor zwei Jahren 41% der Befragten angaben, Bargeld sei oft die einzig akzeptierte Zahlmethode, sagen dies aktuell lediglich noch 35%. Auch Bequemlichkeit (2020: 23%; 2018: 32%) oder Sicherheitsbedenken (2020: 18%; 2018: 21%) spielen eine immer geringere Rolle. Gleichzeitig bezahlen allerdings mehr Personen bevorzugt bar, um leichter die Kontrolle über ihre Ausgaben zu behalten (2020: 27%; 2018: 24%).

Methodik
Für die Studie wurden im August und September 2020 rund 3.500 Verbraucher aus 12 europäischen Ländern online befragt: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Österreich, Polen, Schweden, Schweiz, Spanien und Türkei. In Österreich wurden 303 Personen befragt. Europäische Vergleiche zwischen 2018 und 2020 beziehen sich auf die Länderauswahl 2018 (ohne Irland und Türkei).

Contact us

Sebastian Mayer

Business Director, Ketchum Publico

Tel: +43 664 808 69 134