Künstliche Intelligenz (KI) und darauf basierende Dienste wie ChatGPT drängen in die Mitte der Gesellschaft und sind inzwischen einem Großteil der Deutschen bekannt. Das geht aus der Studie „ChatGPT: KI Hype oder Game Changer?“ von Strategy&, der globalen Strategieberatung von PwC, hervor. Drei von vier Deutschen wissen demnach, was ChatGPT und Künstliche Intelligenz sind oder haben zumindest von ChatGPT gehört. Während 40% der Bürger:innen bereits mit einer KI wie ChatGPT experimentiert haben, nutzen nur 8% entsprechende Anwendungen auch in ihrem Alltag.
Am liebsten setzen sie ChatGPT für Recherchen, zur Unterhaltung oder bei der Texterstellung ein. Die unter 25-Jährigen lassen sich zudem gerne beim Lernen oder den Hausaufgaben von KI unterstützen. Acht von zehn Deutschen befürchten eine mögliche Gefährdung der Demokratie, wenn KI unkontrolliert angewendet und Falsch- bzw. Desinformationen gestreut werden.
Hohe Zustimmung für KI-Einsatz gegen Kriminalität
Grundsätzlich können sich die Deutschen den Einsatz von KI in vielen Bereichen vorstellen. Den größten Nutzen versprechen sie sich in der Übersetzung und Kommunikation, gefolgt vom Einsatz in der Kriminalitätsbekämpfung und Überwachung. 77% der Befragten vertreten die Meinung, dass der Einsatz von KI in der Verbrechensbekämpfung ethisch vertretbar ist, solange Datenschutz und Grundrechte gewahrt bleiben. Auch bei der Automatisierung bürokratischer Prozesse sowie bei medizinischen Diagnosen und Behandlungsempfehlungen sehen die Befragten hohes Potenzial für KI. Allerdings vertrauen 75% der Befragten weiterhin eher einer Fachärztin oder eines Facharztes als einer KI.
Eher wenig Zuspruch findet der Einsatz von KI in den Bereichen autonomes Fahren und persönliche Finanzplanung und -beratung. Nur etwa mehr als ein Drittel der Bürger:innen würde in ein autonom fahrenden Fahrzeug auf KI-Basis einsteigen und einer KI-gestützten Finanzberatung würden nur 9% der Befragten ihr gesamtes Kapital anvertrauen. Beim Thema KI in der Politik sind die Deutschen gespalten: die Hälfte befürwortet den Einsatz von KI in politischen Entscheidungsprozessen, die andere lehnt dies ab.
„Künstliche Intelligenz dringt derzeit in etliche Bereiche unseres Lebens vor und hat das Potenzial, enorme Produktivitätsschübe auszulösen, Arbeitsprozesse effizienter zu machen und unser Leben insgesamt ein gutes Stück zu erleichtern. Gleichzeitig stellt uns die Technologie vor vollkommen neue Herausforderungen“, sagt Andreas Späne, Europachef bei Strategy&.
„Für Unternehmen kommt es nun darauf an, geeignete Anwendungsbereiche und Chancen für den Einsatz von KI zu identifizieren und die Technologie möglichst reibungslos in ihre Abläufe zu integrieren. Ein Schlüssel dafür sind ausreichend große und vor allem qualitativ hochwertige Daten. Unternehmen, die jetzt in diesem Bereich vorpreschen, werden sich in Zukunft vom Wettbewerb absetzen können, weil sie ihre Wertschöpfung mithilfe der KI kontinuierlich steigern können.“
Deutsche fürchten soziale Ungleichheit durch KI und fordern Regulierung
Trotz ihrer grundsätzlichen Offenheit und Neugierde gegenüber KI ist sich die deutsche Bevölkerung auch der Risiken von KI bewusst. So sind die meisten Bürger:innen zwar überzeugt, dass KI tiefgreifende Veränderungen in ihrem Leben auslösen und neue Chancen ermöglichen wird, aber nur jede:r Zweite glaubt, dass sich die eigene Lebensqualität dadurch automatisch erhöht.
Knapp zwei Drittel befürchten, dass KI soziale Ungleichheiten und Machtstrukturen verstärkt; 58 Prozent gehen davon aus, dass KI in den nächsten zehn Jahren mehr Arbeitsplätze vernichtet als schafft. Um die negativen Auswirkungen der Technologie einzudämmen, fordern 87% der Deutschen eine wirksame Regulierung der Technologie. In der Verantwortung sehen sie dabei sowohl die Regierung, unabhängige Organisationen als auch Unternehmen.
„Um in unserer global vernetzten Ökonomie wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die deutsche Politik und Wirtschaft die richtigen Rahmenbedingungen schaffen für den breiten Einsatz von KI. Dabei gilt es, eine regulative Balance zu finden, die einerseits Experimentierräume eröffnet, in denen Start-ups, Unternehmen und Wissenschaft die Potenziale von KI ausloten können, andererseits aber klare Grenzen zieht, etwa im Bereich Datenschutz“, sagt Caroline Mükusch, Director und KI-Expertin bei Strategy& Deutschland.
„Gerade wenn Technologien solch enorme Veränderungen auslösen wie KI, müssen alle Akteur:innen eingebunden und mitgenommen werden. Dafür braucht es absolute Transparenz und Aufklärung, aber natürlich auch ethisch verantwortungsvolles Unternehmertum. Wir benötigen also weder eine Carte Blanche für KI noch eine Überregulierung. Gerade wenn wir diesen Mittelweg gehen, können daraus langfristige Wettbewerbsvorteile für Deutschland und Europa entstehen.“