Konkrete Handlungsempfehlungen für technologische und kommerzielle Wettbewerbsfähigkeit
Henning Rennert und Dr. Raimund Wolf
Der bewährte Wertschöpfungszyklus europäischer, besonders deutscher Automobilzulieferer, kommt durch die rasant wachsende Konkurrenz aus Asien an seine Grenzen. Entscheidend ist jetzt schnelles Handeln bei Restrukturierung und Kapazitätsanpassungen für mehr Effizienz sowie Partnerschaften für erfolgreiche Innovation.
1 Einleitung
Die europäische und insbesondere die deutsche Automobilindustrie verharrt im Krisenmodus. Der Wertschöpfungszyklus, der die deutsche Zulieferindustrie über Jahrzehnte an die Weltspitze gebracht hat, trägt nicht mehr. Daraus ist eine Abwärtsspirale entstanden, die nur schwer zu durchbrechen ist.
Dahinter steht ein tiefer Strukturwandel. Über Jahrzehnte sicherten die hohen Volumina europäischer OEMs den Zulieferern eine Spitzenposition mit breitem Produktportfolio. Gleichzeitig war das Wachstum der Zulieferer häufig anorganisch und kreditfinanziert. Bei heute rückläufigen OEM-Volumina und einem neuen, vor allem chinesischen Wettbewerb gerät die Industrie durch zu hohe Zinslasten und zu wenig Innovationskapital bei den entscheidenden Zukunftstrends ins Hintertreffen.
Eine tragfähige Antwort gelingt nur kooperativ, im Schulterschluss der Zulieferer untereinander und mit den Herstellern. So lässt sich die technologische und kommerzielle Wettbewerbsfähigkeit in Zukunftsfeldern wie Batterie, Software und Infotainment zurückgewinnen oder beim autonomen Fahren ausbauen. Genau hier liegt die Chance der deutschen Industrie, die im Zusammenspiel etablierter Akteure, Forschungseinrichtungen und Start-ups traditionell stark ist.
2 Marktanteile
Das Zuliefergeschäft ist mit nahezu 50% mittlerweile fast mehrheitlich asiatisch, während traditionelle Automobilregionen spürbar weiter an Boden verlieren.
Besonders bemerkenswert ist der Aufstieg chinesischer Zulieferer. Ihren Vorsprung haben sie zuerst in der Batterietechnologie aufgebaut, wodurch sich ihr Marktanteil zwischen 2015 und 2025 nahezu verdreifacht hat. Inzwischen greifen sie westliche Anbieter in allen relevanten Domänen an, etwa beim Antriebsstrang (Powertrain), Software, Elektrik/Elektronik-Architektur (E/E-Architektur) und Advanced Driver Assistance Systems (ADAS).
Deutsche Zulieferer sind davon besonders hart getroffen und verlieren massiv Marktanteile, vor allem bei Batterietechnologie und elektrischen Antriebssträngen. Technologische Führungspositionen müssen hier vielfach neu erschlossen werden, um dem reinen Preiswettbewerb zu entkommen.
Umsatzanteil der 8 größten Automobilzulieferer aus Nord- und Südamerika (Americas) am globalen Gesamtumsatz, in den Jahren 2005, 2015 und 2025.
| Jahr | Umsatzanteil |
|---|---|
| 2005 | 16% |
| 2015 | 15% |
| 2025 | 15% |
Umsatzanteil der 9 größten Automobilzulieferer aus Europa am globalen Gesamtumsatz, in den Jahren 2005, 2015 und 2025.
| Jahr | Umsatzanteil |
|---|---|
| 2005 | 16% |
| 2015 | 14% |
| 2025 | 13% |
Umsatzanteil der 8 größten Automobilzulieferer aus Deutschland am globalen Gesamtumsatz, in den Jahren 2005, 2015 und 2025.
| Jahr | Umsatzanteil |
|---|---|
| 2005 | 23% |
| 2015 | 26% |
| 2025 | 23% |
Umsatzanteil der 24 größten Automobilzulieferer aus Asien am globalen Gesamtumsatz, in den Jahren 2005, 2015 und 2025. Zusätzlich ausgewiesen: der Anteil des Umsatzes, der auf batterieelektrische Antriebe (BEV) entfällt.
| Jahr | Gesamtanteil | Davon batterieelektrisch |
|---|---|---|
| 2005 | 44% | 2,4% |
| 2015 | 41% | 1,1% |
| 2025 | 36% | 1,4% |