Industrie 4.0: Chancen und Herausforderungen der vierten industriellen Revolution

Industrie 4.0 – die vierte industrielle Revolution

Die vierte industrielle Revolution – gekennzeichnet durch eine zunehmende Digitalisierung und Vernetzung von Produkten, Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodellen – ist in der deutschen Industrie angekommen. Die vorliegende Studie Industrie 4.0 – Chancen und Herausforderungen der vierten industriellen Revolution basiert auf einer Befragung von 235 deutschen Industrieunternehmen durch das Marktforschungsinstitut TNS Emnid und stellt die wesentlichen Merkmale, Chancen und Herausforderungen dieser Entwicklung vor. Befragt wurden Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, der Prozessindustrie, der Elektrotechnikund Elektronikindustrie, der Informations- und Kommunikationsindustrie sowie Automobilzulieferer.

Als Ergebnis des digitalen Wandels erwarten die Befragten einerseits eine nahezu vollständige Transformation ihrer Unternehmen und andererseits die Notwendigkeit erheblicher Investitionen. Nach ihrer Einschätzung wird der Anteil der Investitionen in Industrie 4.0-Lösungen bei über 50% der geplanten Ausrüstungsinvestitionen der nächsten fünf Jahre liegen. Hochgerechnet wird die deutsche Industrie somit bis 2020 jährlich 40 Milliarden Euro in solche Lösungen investieren.

Ein erster wesentlicher Treiber für den Vormarsch von Industrie 4.0 - Lösungen liegt in der Möglichkeit zur besseren Steuerung von horizontalen und vertikalen Wertschöpfungsketten, für die die befragten Unternehmen Produktivitätsverbesserungen von mehr als 18% in den nächsten fünf Jahren erwarten. Knapp ein Fünftel der Industrieunternehmen hat bereits die Schlüsselprozesse entlang der Wertschöpfungskette digitalisiert; in fünf Jahren werden 85% der Unternehmen Industrie 4.0-Lösungen in allen wichtigen Unternehmensbereichen implementiert haben.

Ein zweiter wichtiger Treiber ist die Digitalisierung und Vernetzung der eigenen Produkte und Dienstleistungen, die zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit beiträgt und zusätzliche Umsatzsteigerungen von durchschnittlich 2 % bis 3 % pro Jahr erwarten lässt. Hochgerechnet auf die deutsche Industrielandschaft insgesamt ergeben sich hier Mehrumsätze von bis zu 30 Milliarden Euro pro Jahr.

Als dritter zentraler Treiber entstehen schließlich neue, oftmals disruptive digitale Geschäftsmodelle, die dem Kunden dank der auf ihn zugeschnittenen Lösungen einen signifikanten Zusatznutzen bieten. Diese Entwicklung ist eng verbunden mit einer erheblichen Zunahme von Kooperationen über die Wertschöpfungsketten hinweg sowie mit einer integrierten Nutzung und Analyse von Daten, die zur besseren Erfüllung von Kundenbedürfnissen beitragen und die neuen Geschäftsmodelle oftmals erst ermöglichen.

Die vielfältigen Chancen, der erhebliche Umfang der Veränderungen wie auch die Höhe des Investitionsbedarfs machen das Thema Industrie 4.0 zu einem wichtigen Anliegen für die Führungsebenen der Unternehmen. Im Fokus stehen jedoch auch die zahlreichen Herausforderungen, die der Wandel mit sich bringt. Neben den zum Teil noch unklaren Business Cases für Industrie 4.0 müssen vor allem Industriestandards definiert und offene Fragen etwa im Bereich der Datensicherheit beantwortet werden. Auch eine zukunftsfeste Qualifizierung der Mitarbeiter von zunehmend digitalisierten Unternehmen betrachten die Befragten als eine zentrale Hürde. Bei diesen Themen können Politik und Industrieverbände wichtige Unterstützung leisten.

Die vierte industrielle Revolution hat begonnen und bietet den deutschen Industrieunternehmen attraktive Chancen. Dabei ist Industrie 4.0 für die Unternehmen alles andere als ein Selbstzweck. Industrie 4.0 ist eng verbunden mit klaren wirtschaftlichen Zielen und Nutzenpotenzialen und bietet die Chance für eine bessere Differenzierung im globalen Wettbewerb. Unsere Untersuchung soll dazu beitragen, die zentralen Chancen und Herausforderungen zu erkennen und Lösungsansätze für die erfolgreiche Umsetzung aufzuzeigen. Die Zeit zu handeln ist jetzt!

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