Die chemische Industrie: Branche im Wandel

01.02.2015

Executive summary

Die globale Chemieindustrie ist in den letzten zehn Jahren erheblich gewachsen. Ihre kurzfristigen Zukunftsaussichten werden jedoch getrübt von den generell gedämpften Prognosen für wichtige Wirtschaftsräume und Kundenbranchen. Gleichzeitig werden Anforderungen von Kunden vielfältiger und anspruchsvoller. Um in einem veränderten Umfeld erfolgreich bestehen zu können, müssen Chemieunternehmen neue Pfade beschreiten. Dazu gehört, Geschäftsmodelle neu zu durchdenken, das Augenmerk auf Wettbewerbsvorteile in Schwellenmärkten zu legen, Innovation neu zu definieren sowie das Potential digitaler Technologien zu nutzen. All das erfordert den Aufbau neuer Fähigkeiten, Investition in Talente und ein Veränderungsmanagement, das die gesamte Organisation mitnimmt.

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Die chemische Industrie – eine Branche im Wandel

Die Chemieindustrie wurde schon immer besonders durch übergreifende bzw. Mega-Trends beeinflusst. Die Branche hat dabei sicherlich mehr als viele andere Industrien die Notwendigkeit zu immer neuen Veränderungen verstanden. Abbildung 1 illustriert, welche übergreifenden Trends die Chemiebranche in den letzten drei Jahrzehnten maßgeblich verändert haben.

Übergreifende Trends der Chemieindustrie

Dennoch ist die Chemie in den kommenden zehn Jahren offensichtlich noch mehr als bisher gefordert, neue Wege zu gehen, die die meisten Unternehmen noch zu zögerlich beschreiten. Denn die Branche durchlebt derzeit erhebliche Veränderungen, die die Industrielandschaft nachhaltig beeinflussen werden: In den Fokus von Innovation rücken maßgeschneiderte Lösungen an Stelle von Produktverbesserungen; die Verlagerung der Nachfrage in neue Märkte hält an; alternative Fertigungstechnologien entstehen; und die Rohstoff-Dynamik ist kaum vorhersehbar.

Strategy& beobachtet bei vielen Chemieunternehmen häufig tradierte Reaktionen auf veränderte Marktbedingungen: Investition in Wachstum durch höhere Ausgaben in Forschung und Entwicklung, Aufbau regionaler Präsenz in neuen Märkten und Neuauflage von Verbesserungsprogrammen, die auf Portfoliobereinigung, verbesserte Anlagenproduktivität, Optimierung von Wertschöpfungsketten und Verschlankung der Organisation abzielen. Trotz dieser Bemühungen bleibt das erhoffte Resultat oft aus: Nachhaltig profitables Wachstum des bestehenden Geschäftes. Unternehmen wuchsen durch Übernahmen, die oft nicht die gewünschten Synergieeffekte brachten. Etablierte Strukturen schränken das organische Wachstum ein, auch weil übergreifende Ideengenerierung oft nicht systematisch gefördert und das Potenzial von Geschäftsmodellinnovationen nicht wahrgenommen wird. Investitionen in Wachstumsmärkte berücksichtigen zu häufig nicht in ausreichendem Maße spezielle regionale und lokale Herausforderungen und die damit verbundene Wettbewerbsbedrohung.

Chemieunternehmen müssen angesichts der veränderten Rahmen-bedingungen neue Wege gehen. Zum einen müssen sie ihre Geschäfts-modelle dahingehend neu durchdenken, das passende Angebot für verschiedene regionale Märkte und Kundensegmente zu definieren. Zum anderen muss die Bearbeitung von Schwellenmärkten besondere Aufmerksamkeit erfahren. Auch das Thema Innovation muss über reine Produkt- oder Technologieinnovation hinaus gedacht werden, und die Möglichkeiten der Digitalisierung durchdacht und ergriffen werden. All das erfordert den Aufbau neuer Fähigkeiten, Investition in Talente und ein Veränderungsmanagement, das die gesamte Organisation mitnimmt, indem es – aufbauend auf Stärken der Unternehmenskultur – die gesamte organisatorische DNA (OrgDNA®) verändert11.

Trotz vielfältiger Bemühungen verzeichnen viele Chemieunternehmen kein nachhaltig profitables Wachstum.

Fazit

Zusammenfassend kann die Chemieindustrie bezeichnet werden als eine „Branche im Wandel“, die mehr als andere die Chance für sich nutzen kann, durch die Veränderungen in den Märkten stärker zu wachsen als ihre Kundenindustrien.

Dies erfordert jedoch, bestehende Geschäftsansätze zu hinterfragen, stärker zu differenzieren, Transformationskosten konsequent als Investition zu betrachten und das immer noch stark produktgetriebene Innovations-modell stärker auf Marktbedürfnisse auszurichten.

Die größten Herausforderungen für die Unternehmen werden darin liegen, die unterschiedlichen Veränderungsgeschwindigkeiten der Kunden-industrien abzufedern und dabei die eigene Organisation mitzunehmen, so dass Veränderung als Chance betrachtet wird. Die Chemiebranche ist dazu befähigt, mit ihrer Innovationskraft neuartige Bedürfnisse ihrer Kundenindustrien zu erfüllen und damit der Wirtschaft insgesamt zu mehr Wachstum und Nachhaltigkeit zu verhelfen.

  1. Organisatorische DNA“ ist ein Ausdruck für Faktoren, die zusammen die “Persönlichkeit” einer Organisation definieren und helfen, ihre Leistungsfähigkeit zu erklären. Vergleichbar den Nukleotiden der menschlichen DNA gibt es in jeder organisatorischen DNA vier Bausteine mit formalen und informalen Elementen: Entscheidungen und Normen, Motivatoren und Verpflichtung, Information und Identität, Strukturen und Netzwerke. Mehr unter www.strategyand.pwc.com/orgdna.

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