Wachstumsperspektive Autozulieferer: Die Akkus sind geladen – doch wohin führt der Weg?

von Richard Viereckl, Henning Rennert | Veröffentlicht am 04.07.2018

Management Summary

  • Die globale Automobilzulieferindustrie ist nach Jahren des Wachstums kerngesund.
  • Deutsche Automobilzulieferer haben in der Vergangenheit überproportional vom Wachstum profitiert, seit 2015 jedoch stagniert diese Erfolgsgeschichte.
  • Die internationale Konkurrenz setzt zum Sprung an, häufig befeuert durch M&A.
  • Auch die Deutschen betreiben intensiv M&A, nutzen dies aber weniger zum aggressiven Umsatzwachstum sondern vielmehr zur gezielten Portfolioergänzung, häufig im Bereich Software.
  • Bei der Software stellt sich die Automobilzulieferindustrie aber nicht nur in den Wettbewerb mit ihren eigenen Kunden, den OEM´s, sondern auch mit den amerikanischen Softwaregiganten.

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Wer hier zukünftig als Sieger vom Platz geht und was Strategien zum Erfolg sind – das ist noch nicht entschieden und wird eine der wichtigen Fragen unserer Arbeit der nächsten Jahre sein.

Ein Ergebnis der Studie ist: Die deutschen Zulieferer sind gut aufgestellt – aber sie haben Hausaufgaben zu machen, damit das so bleibt.

Ziel und Aufbau der Studie

Auch in diesem Jahr untersucht Strategy&, die Strategieberatung von PwC, in einer Studie die Branche der Automobilzulieferer. Sie umfasst wieder jene Unternehmen der Top 100 globalen Zulieferer, die mehr als 50% ihrer Umsätze im Automotive-Bereich erzielen. Dabei wurde der Fokus jedoch erweitert: Dieses Mal analysierte Strategy& neben den Bilanzkennzahlen auch die M&A-Aktivitäten der Branche. Diese wurden sowohl nach regionaler Verteilung als auch nach den unterschiedlichen Produktgruppen unter die Lupe genommen. Ziel der Studie ist es, Wachstumsstrategien für die Zukunft zu erkennen.

Analyseumfang und -inhalt der Studie 2018

M&A – der Wachstumstreiber

Im Kampf um Marktanteile und Kostendegression wird das Umsatzwachstum der Zulieferer häufig durch M&A beschleunigt – trotz des soliden organischen Branchenwachstums. Strategisch viel bedeutender als Umsatzwachstum durch M&A ist jedoch eine gezielte Ergänzung des Produktportfolios, um sich fit für die Zukunft zu machen. Ein gutes Beispiel dafür ist die französische VALEO S.A., die systematisch neue Geschäftsfelder durch Zukäufe erschließt.

Auswahl einiger Top Deals der Top 10 in Veränderung des Umsatzwachstums zwischen 2010 – 2015 und 2015 – 2017

Einige Automobilzulieferer erweitern aktuell gezielt ihr Produktportfolio durch M&A, um strategisch wichtige Geschäftsfelder aufzubauen – ein wesentlicher Umsatzbeschleuniger.

Übersicht Käufe zwischen 2015 und 1. Quartal 2018 nach Regionen

Think global, buy local

Auch deutsche Zulieferer haben zahlreiche, aber überwiegend kleinere Deals abgeschlossen: Nahezu jeder der deutschen Top-Zulieferer übernahm im untersuchten Zeitraum andere Unternehmen. Interessant ist die regionale Verteilung: Auch die Global Player – egal von welchem Kontinent – kaufen bevorzugt vor der eigenen Haustür.

“Mehr als 1/3 aller Akquisitionen werden in der eigenen Region getätigt – in Asien sind es sogar mehr als 2/3.”

Wie geht es weiter?

Das eascy-Geschäft bestimmt immer mehr die Zukunft der Branche. Die Frage für die Zulieferer ist nun, wie sich daraus für das eigene Unternehmen Kapital schlagen lässt. Dabei wählen die Zulieferer sehr unterschiedliche Strategien: Von der aktiven, frühzeitigen Portfolioanpassung über die Positionierung als Last-Man-Standing bis hin zu Business as usual sind alle Varianten vertreten. Welche Strategien am Ende erfolgreich sein werden, lässt sich nicht pauschal prognostizieren. Entscheidend ist vielmehr, dass die jeweilige Strategie auf einer realistischen Analyse der eigenen Stärken und Marktpositionierung aufbaut.

Abschließende Perspektiven

Nach Jahren des Erfolgs für die Deutschen Automobilzulieferer ist der Akku geladen und das Ziel Richtung eascy eingegeben – nur die Routenführung zum Ziel ist noch nicht klar erkennbar.

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