Industrie 4.0: Investitionen in neue Technologien ermöglichen Umsatzplus von 276 Mrd. Euro bis 2023 in Deutschland

Frankfurt, 10.04.2018

PwC Strategy& Studie zeigt: Nur 1% der deutschen Firmen sind Digital Champions / Asien und Amerika hängen EMEA und Deutschland bei der Implementierung neuer Technologien und digitaler Ökosysteme ab / Umsatzanteil digitaler sowie digital erweiterter Produkte in Deutschland steigt von aktuell 16% auf 22% im Jahr 2023

Industrie 4.0-Projekte haben bei Produktionsunternehmen Priorität, doch der Weg zur vollständigen digitalen Transformation ist in Deutschland noch weit. Das zeigt die zweite Auflage der weltweiten PwC Strategy& „Global Digital Operations Study 2018“, für die über 1.100 deutsche und internationale Entscheider aus dem produzierenden Gewerbe befragt wurden. Der Digitalisierungsgrad deutscher Unternehmen ist im internationalen Vergleich ausbaufähig: Gemessen an der Implementierung neuer Technologien, der Reife digitaler Ökosysteme und der Digitalkultur erreicht lediglich 1% den Status eines „Digital Operations Champion“, auf globaler Ebene sind es 10% und in der Region Asien-Pazifik (APAC) sogar 19%.

Von den Investitionen in Digitaltechnologien versprechen sich Manager weltweit vor allem höhere Einnahmen und Kosteneinsparungen. In den nächsten fünf Jahren sind allein auf dem deutschen Markt Umsatzzuwächse in Höhe von rund 276 Mrd. Euro (+16,7%) sowie Effizienzsteigerungen von ca. 186 Mrd. Euro (+13,4%) möglich. Während digitale bzw. digital erweiterte Produkte und Services aktuell 16% des Umsatzes deutscher Unternehmen ausmachen, steigt dieser Anteil bis 2023 auf durchschnittlich 22% an, bei digitalen Vorreitern im globalen Vergleich sogar auf über 50%.

„Digital Champions sind ihrer Konkurrenz einen Schritt voraus: Sie haben verschiedene Ökosysteme über Unternehmensgrenzen hinaus miteinander verknüpft und verfügen neben digitalen Operations-Prozessen auch über digitale Kundenlösungen. Mehr als zwei Drittel von ihnen haben eine klare digitale Vision und Strategie, die sie konsequent verfolgen“, erläutert Studienautor Dr. Reinhard Geissbauer, Partner bei Strategy& Deutschland. „Asien hat gegenüber Amerika und Europa einen klaren Vorteil und kann Digitalstrukturen neu aufbauen. Dadurch müssen Firmen aus dieser Region weniger in die Transformation von Altsystemen bei Produktionsanlagen, IT-Systemen oder der traditionellen Belegschaft investieren.“

Deutsche Firmen sind im internationalen Vergleich in einigen Bereichen erst am Anfang, was die Umsetzung neuer Technologien angeht. So haben erst 24% Robotik-Anwendungen implementiert. Integrierte End-to-End-Supply-Chain-Planung nutzt ein Drittel (37%) der deutschen Firmen, in Amerika und der Region APAC bereits jeweils über die Hälfte. Auf vorausschauende Wartungssysteme und das industrielle Internet der Dinge setzen 47% der Unternehmen. Künstliche Intelligenz ist bei 7% im Einsatz, während es in Amerika und in der Region APAC bereits 12% bzw. 15% sind. Allein bei der Implementierung von Fertigungsmanagementsystemen liegt Deutschland (56%) vor Amerika (45%) und der Region APAC (48%).

Implementierungsgrad von Industrie 4.0-Technologien*
Implementierungsgrad von Industrie 4.0-Technologien
*Inwieweit sind die folgenden Technologien in Ihrem Unternehmen bereits implementiert?

Für die Zukunft setzen viele deutsche Unternehmen (32%) auf vorausschauende Wartungssysteme und haben in diesem Bereich ein laufendes oder geplantes Projekt. Künstliche Intelligenz wird zwar aktuell eher zurückhaltend eingesetzt, könnte aber die operative Entscheidungsfindung revolutionieren und deren Qualität verbessern. 14% der Firmen haben daher KI-Projekte pilotiert oder geplant.

Die Herausforderung bei der Einführung technologischer Innovationen liegt häufig bei den Mitarbeitern: 41% der deutschen Manager geben an, dass in ihrer Firma noch die Fähigkeiten fehlen, KI-Lösungen zu implementieren und zu managen. Daher glaubt auch die Hälfte (49%) der Befragten, dass der Bedarf an Fachkräften mit entsprechenden Kenntnissen in den kommenden fünf Jahren steigt – im globalen Vergleich sind es sogar 58%. Die Automatisierung könnte außerdem dazu führen, dass reife Märkte eine Rückverlagerung von Produktionsprozessen erleben. Von den deutschen Befragten geht die Mehrheit (67%) davon aus, dass zukünftig wieder mehr Produkte im eigenen Land produziert werden. Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands könnte also von stärkerer Automatisierung profitieren, wenn die Herstellungskosten konkurrenzfähig mit der Lohnarbitrage von Billiglohnländern werden und Firmen wieder Vorteile darin sehen, vor Ort oder in der Nähe ihrer Absatzmärkte zu produzieren. Dennoch muss Deutschland bei Technologieimplementierung, digitalen Ökosystemen und Digitalkultur aufholen.

„Das Silicon Valley ist in Sachen neue Geschäftsmodelle schon lange an Deutschland vorbeigezogen. Bislang haben deutsche Firmen viele digitale Geschäftsmodelle einfach aus den USA übernommen – für eine wettbewerbsfähige Zukunft muss Deutschland aber am Aufbau einer eigenen Digitalkultur arbeiten. Wir haben eine gute Basis als Industriestandort, deshalb bleibt Industrie 4.0 eine große Chance. Deutschland muss aber schnell einen Gang hochschalten und das Know-how als traditionsreicher Fertigungsstandort in die vernetzte Gegenwart übertragen und entsprechend umsetzen“, schließt Dr. Peter Gassmann, Chef von Strategy& Europe.

Die Ergebnisse der Industrie 4.0 Studie für Deutschland finden Sie unter: www.strategyand.pwc.com/de/industry4-0.

Die globalen Ergebnisse der Industrie 4.0 Studie finden Sie unter: www.strategyand.pwc.com/industry4-0.

Methodik
Für die Studie wurden 1.155 Unternehmen aus 26 Ländern und sechs Branchen (Automotive, Konsumgüter, Elektronik, Industrieanlagen und -technik, industrielle Fertigung und Prozessindustrie) zwischen September und Dezember 2017 befragt. Die Umsatz- und Effizienzsteigerung durch Investitionen in digitale Technologien basieren auf den Umsatzzahlen und der Kostenbasis der sechs beteiligten Industrien laut IHS Markit für 2016 und 2017 und einer darauf basierenden Strategy&-Analyse zu den erwarteten ökonomischen Effekten bis 2023.

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