Das Ruder in der Hand behalten

Wie Automobilzulieferer in der elektromobilen Zukunft bestehen können

In der globalen Automobilindustrie findet mit dem wachsenden Trend zur E-Mobilität ein fundamentaler Wandel statt. Dieser wird durch strengere Abgasvorschriften und ein stärkeres Bewusstsein der Öffentlichkeit für den Klimawandel befördert. Zudem finden immer mehr batteriebetriebene Elektrofahrzeuge Zugang zum Markt. Nahe dem Epizentrum dieses automobilen Erdbebens liegt die Zulieferindustrie, in der drei Viertel der Wertschöpfungsleistungen und -prozesse im Automobilbau entstehen. Ein Großteil davon betrifft den Antriebsstrang - den wertvollsten Teil eines Fahrzeugs.

Wenn sich E-Mobilität durchsetzt, könnte der Verbrennungsmotor in wenigen Jahrzehnten veraltet sein. Von den Auswirkungen sind Antriebsstranglieferanten direkt betroffen. Andere Zulieferer, wie z.B. Hersteller von Interieur-Teilen, können hoffen, weniger von dem sich abzeichnenden Wandel berührt zu werden. Nur wenige Zulieferer, wie z.B. Innenausbauer, können hoffen, sich dem sich abzeichnenden Wandel weitestgehend zu entziehen.

Schätzungen zur Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und zum Wachstum des Marktes sind sehr unterschiedlich, weil deren Kosten und ihre Reichweite die Attraktivität für die Fahrer immer noch einschränken. Je nach Umweltauflagen, Optimierung der Reichweite und Erschwinglichkeit könnten Elektrofahrzeuge unseren Schätzungen zufolge bis zum Jahr 2030 22-43% des weltweiten Absatzmarktes ausmachen. Infolgedessen werden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und Elektrobetrieb in naher Zukunft nebeneinander bestehen, wobei Komponentenhersteller für brennstoffzellenbetriebene Autos in einem schrumpfenden Markt tätig sein werden.

Da eine präzise Vorhersage zur voraussichtlichen Koexistenz beider Antriebssysteme schwierig ist, sind die Wertschöpfungsstrategien von Automobilherstellern oft zögerlich und unentschlossen. Des Weiteren sind Führungskräfte zunehmend unsicher, wie sie darauf reagieren sollen. Aus diesem Grund müssen Lieferanten ihre Produktportfolios auf Anfälligkeiten prüfen und klare Handlungsstrategien entwickeln.

Dafür hat Strategy& ein Modell ausgearbeitet, das Lieferanten bei der strategischen Orientierung unterstützt. Unter Berücksichtigung aller Faktoren, die Zulieferer anfällig machen können, kann bewertet werden, wie flexibel Unternehmen für einen technologischen Wandel sind und wie reaktionsfähig sie sind. Unser Modell bietet eine Reihe von strategischen Handlungsoptionen für diejenigen Lieferanten, die bereit sind, jetzt zu handeln. Die Zukunft der Automobilzulieferindustrie ist noch nicht in Stein gemeißelt. Mit der richtigen Strategie können Zulieferer ihre Position stärken und ausbauen, um auch zukünftig nachhaltig relevant und erfolgreich zu bleiben.

Die Elektrifizierung wirkt sich bereits heute auf die Automobilindustrie aus, aber die kommenden Jahre werden zeigen, ob die erwarteten Mengen erreicht werden.

Axel Borowski Partner, Strategy& Germany

Wir haben drei Szenarien entwickelt, die Zulieferern bei der Festlegung von Handlungsoptionen unterstützen

Szenario 1: Schnelle Elektrifizierung und hohe Anfälligkeit
Die am stärksten von einer schnellen Marktumstellung auf E-Mobilität betroffene Gruppe sind traditionelle Hersteller von Motor- oder Abgaskomponenten oder Getriebesystemen. Fast ebenso stark betroffen sind Lieferanten wie Achshersteller. Diese sind allerdings etwas anders betroffen, denn während ihre Teile nicht durch Elektromobilität ersetzt werden, hat der Untergang des Verbrennungsmotors einen negativen Einfluss darauf, wie andere Teile eines Fahrzeugs hergestellt werden.
Wenn ein Anbieter, der zu dieser Gruppe gehört, wenig technologischen oder finanziellen Spielraum hat, um in der verbleibenden Zeit ein neues Portfolio von E-Mobilitätsprodukten zu entwickeln oder andere Märkte von Grund auf neu zu erschließen, kann es notwendig sein, einen zügigen Verkauf der unrentablen Produktion in Betracht zu ziehen.

Szenario 2: Langsame Elektrifizierung und hohe oder mittlere bis hohe Anfälligkeit
Potenziell betroffene Lieferanten haben mehr Zeit, ihre strategische Reaktion zu planen, je nachdem, ob die Unternehmen über technologische, finanzielle und strategische Spielräume verfügen.
Wenn ein Unternehmen vielversprechende Produktsegmente nicht identifiziert, könnte eine Alternative darin bestehen, eine "last man standing"-Strategie zu verfolgen. Dies setzt voraus, dass die Nachfrage nach dem aktuellen Produktportfolio langsamer sinken wird als das Angebot, da viele Anbieter nach vorzeitigen Ausstiegsmöglichkeiten suchen. Insbesondere die Nachfrage nach Ersatzteilen könnte noch lange nach dem Ausrollen des letzten Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor aus der Produktion anhalten. Infolgedessen könnte ein Lieferant in diesem Szenario seinen finanziellen Spielraum nutzen, um alleiniger Lieferant bestimmter Produkte zu werden, nachdem er Wettbewerber aufgekauft oder aus dem Geschäft gedrängt hat.

Szenario 3: Schnelle oder langsame Elektrifizierung und geringe Anfälligkeit
Obwohl die Elektrifizierung für Unternehmen, die mit einer geringen oder moderaten Portfolio-Schwachstelle konfrontiert sind, keine existenzielle Bedrohung darstellt, sollten Lieferanten dieser Kategorie ihre strategische Positionierung dennoch gründlich prüfen.
Der zeitliche Spielraum sollte groß genug sein, um eine Strategie zur Gestaltung des Zukunftsmarktes zu entwickeln. Dazu könnten F&E-Initiativen gehören, indem in Wachstum investiert oder nach einem frühen Kostenvorteil gesucht wird.

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Axel Borowski

Axel Borowski

Partner, PwC Strategy& (Germany) GmbH

Dr. Raimund Wolf

Dr. Raimund Wolf

Director, PwC Strategy& (Germany) GmbH

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