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Automobilzulieferer im Krisenmodus: COVID-19 macht 2020 Umsatzeinbrüche von bis zu -24% möglich

München, 31. August 2020

Pressemitteilung

  • Deutsche Lieferanten verzeichnen bereits 2019 Umsatzrückgang um 2 Mrd. Euro
  • Weltmarktanteil deutscher Lieferanten steigt gleichzeitig auf 25%
  • Umsätze im globalen Zulieferermarkt reduzieren sich um 3%
  • Krise verschärft kostenstrukturelle Probleme deutscher Zulieferer

Nach Jahren stabilen Wachstums erlebten die globalen Top-Zulieferer für die Automobilbranche 2019 einen Umsatzrückgang um 3%, während die weltweit größten Autohersteller im gleichen Jahr ihre Umsätze um 3% steigern konnten. Insgesamt setzten die globalen Zulieferer 2019 nur noch 893 Mrd. Euro um, im Vergleich zu 922 Mrd. Euro im Vorjahr 2018. Die Umsätze der deutschen Lieferanten sanken im vergangenen Jahr ebenfalls und erreichten mit 223 Mrd. Euro nicht das Vorjahresergebnis von 225 Mrd. Euro, wie die aktuelle Automobilzulieferer-Studie von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, zeigt. Die Weltmarktanteile deutscher Zulieferer erhöhten sich hingegen leicht von 24% (2018) auf 25%. Abhängig vom weiteren Verlauf der COVID-19-Krise und ihren Auswirkungen auf den Automotive-Sektor werden für 2020 weitere Umsatzrückgänge für globale Zulieferer zwischen 13% (mildes Szenario) und 24% (schweres Szenario) prognostiziert.

Die aktuelle Krise wirkt wie ein Brennglas für kostenstrukturelle Probleme der Zuliefererindustrie. So sank etwa in Deutschland der Gewinnanteil am Umsatz von 6,3% (2018) auf 2,6% (2019), während andere Regionen im vergangenen Jahr zwar ebenfalls Rückgänge verzeichneten, aber ein höheres Niveau halten konnten (Americas: 5,0%; Europa ohne Deutschland: 7,4%; Asien: 4,8%). Gleichzeitig stieg der Anteil der Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten (VVGK) am Umsatz in Deutschland von 77,9% auf 80,2%, und der Anteil der Vertriebsgemeinkosten am Umsatz erreichte 2019 mit 11,4% sogar einen globalen Spitzenwert.

„Nachdem die deutsche Zuliefererindustrie über mehrere Jahre hinweg ein kontinuierliches Wachstum gezeigt hat, wird nun deutlich, wie viele Unternehmen tatsächlich Restrukturierungsbedarf haben – der teilweise bereits einige Jahre überfällig ist. Nun ist umso mehr ein klarer Fokus auf Kostenexzellenz gefragt – einerseits, um die Margen zu steigern, aber andererseits auch, um die in den letzten Jahren rückläufige preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Zuliefererbranche wieder zu steigern. Vor allem bei der regionalen Beschaffung wurde Deutschland zuletzt immer unattraktiver“, erläutert Henning Rennert, Studienautor und Partner bei Strategy&.

Top-15 Automobilzulieferer in der DACH-Region*

Rang Unternehmen Land Umsatz 2019 in Mrd. Euro Umsatzanteil Automotive in % EBIT-Marge in %
1 Robert Bosch DE 77,7 60 3,7
2 Continental DE 44,5 93 -0,6
3 ZF Friedrichshafen DE 36,5 92 2,5
4 Schaeffler DE 14,4 76 5,5
5 Mahle DE 12,1 100 0,8
6 Hella DE 6,6 94 8,1
7 Brose DE 6,2 100 n.a.
8 Benteler AT 5,8 75 n.a.
9 Eberspächer DE 5,0 100 2,7
10 Dräxlmaier DE 4,9 100 n.a.
11 Leoni DE 4,9 82 -7,9
12 MANN+HUMMEL DE 4,2 90 3,6
13 Webasto DE 3,7 100 2,9
14 Garrett Motion CH 2,9 100 13,0
15 Rheinmetall Automotive DE 2,7 100 6,8

*mit Umsatzanteil Automotive ≥ 50%

Trotz der angespannten Kostenstruktur steigerten deutsche Zulieferer jedoch ihre F&E-Quote (Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung am Umsatz) weiter. 2016 bis 2019 gaben sie pro Jahr im Schnitt 14,8 Mrd. Euro für F&E-Projekte aus und investierten damit 5,9% ihres Umsatzes (Americas: 3,0%; Europa ohne Deutschland: 4,0%; Asien 3,9%). Trotz der hohen Investitionen konnten die deutschen Lieferanten ihre Forschungsprojekte allerdings nicht immer in Geschäft übersetzen und verfehlten in den letzten Jahren regelmäßig F&E-bezogene Umsatzziele.

„Selbstverständlich bleibt Innovation ein zentraler differenzierender Faktor für die Zuliefererbranche, doch sie ist kein Selbstzweck. Unternehmen müssen ihre F&E-Portfolios kritisch auf Umsatzpotenzial prüfen und unnötigen Ballast abwerfen. Ein Blick auf die frühen 2010er-Jahre zeigt, dass auch in Deutschland deutlich mehr Marge möglich ist, bei gleichzeitig niedrigeren Ausgaben für Forschung und Entwicklung“, kommentiert Henning Rennert.

Methodik
Für die Studie wurden 83 internationale Top-Zuliefererunternehmen untersucht. In die Analyse flossen die Finanzkennzahlen der Zulieferer ein (Bilanzkennzahlen, GuV-Kennzahlen und weitere Kennzahlen wie die F&E-Quote). Der Betrachtungszeitraum der Studie umfasst die Jahre 2010 bis 2020 mit Fokus auf 2018 und 2019.

Über Strategy&

Strategy& ist die globale Strategieberatung von PwC. Wir entwickeln individuelle Geschäftsstrategien für weltweit führende Unternehmen, basierend auf differenzierenden Wettbewerbsfähigkeiten. Wir sind die einzige Strategieberatung als Teil eines globalen Professional Services Netzwerks. Unsere Expertise kombinieren wir mit Technologie und erarbeiten daraus eine passende Strategie, die effizient umsetzbar ist. "Strategy, made real" heißt für uns, den digitalen Wandel voranzutreiben, die Zukunft mitzugestalten und Visionen Wirklichkeit werden zu lassen. 3.000 Strategieberater:innen und mehr als 295.000 PwC-Mitarbeiter:innen in 156 Ländern tragen hierzu mit hochwertigen, branchenspezifischen Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Unternehmensberatung bei.

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Jan-Philipp Loch

Jan-Philipp Loch

Senior Communications Expert, Strategy& Deutschland

Tel: +49 (89) 545 25 579

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