Furcht vor Fernost: 53% der Automobilmanager sehen chinesische Beteiligungsoffensive als Gefahr für die Branche

Zürich, 04.03.2019

Handelskonflikte, Regulierung und autonomes, elektrisches Fahren fordern Hersteller und Zulieferer heraus / 54% der deutschen Automobilmanager bewerten Dieselfahrverbote kritisch / Nur 48% der Unternehmen fühlen sich mit Blick auf Batterietechnologie gerüstet / Männerdomäne Autobranche: 30% lehnen höheren Frauenanteil in der Führungsetage ab

Neben dem Wandel hin zum elektrischen Fahren stellen auch Regulierungen die Automobilbranche 2019 vor große Herausforderungen. Politische und ökonomische Entwicklungen auf nationaler wie internationaler Ebene bremsen die Euphorie der Branche, wie eine aktuelle Umfrage von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, ergibt. So zeigt sich die Mehrheit der etwa 200 deutschen Befragten etwa im Verhältnis zu China gespalten. Zum einen bereitet der schwächelnde Absatz in Fernost Sorgen: Der seit 20 Jahren zum ersten Mal geschrumpfte chinesische Automarkt führt bei 40% der Befragten zu Angst vor drohenden Umsatzrückgängen von mehr als 10%. Zum anderen sorgt Chinas Wandel vom reinen Absatzmarkt zum wirtschaftlichen Rivalen für Beunruhigung. So bewerten 53% der Manager die offensiven Investitionsaktivitäten chinesischer Kapitalgeber bei deutschen Unternehmen als Gefahr für die Branche. Neben weiteren internationalen Konfliktpunkten wie einem drohenden harten Brexit (62%) betrachten die Befragten auch nationale Regulierungsvorhaben kritisch. Drohende Dieselfahrverbote halten 54% der Führungskräfte für einen Risikofaktor, während ein Drittel darin neue Potentiale erkennt.

„Internationale Krisen, schwächelnde Kernmärkte und neue Konkurrenten machen der Branche gerade in einer Phase zu schaffen, in der große Investitionen in Zukunftsthemen wie das autonome Fahren oder auch vernetzte Mobilitätsdienstleistungen gefragt wären. Bei rückläufigen Absatzzahlen und einer hohen Innovationsgeschwindigkeit der Tech-Branche steigt der Kooperationsdruck vor allem bei Herstellern und großen Zulieferunternehmen, um sich im unbeständigen Handelsklima zu behaupten“, erläutert Felix Kuhnert, Partner und Global Automotive Leader von PwC.

Auch die Elektrifizierung sorgt für Unsicherheit: Unter den Automotive-Führungskräften geben 77% an, besonders bei der Entwicklung von Batterietechnologie unter enormem Innovationsdruck zu stehen. Weniger als die Hälfte der deutschen Unternehmen aus der Branche (48%) fühlt sich in diesem Zukunftsfeld gut vorbereitet. Dabei messen die befragten Manager der Elektromobilität für die kommenden Jahre ein großes Umsatzpotential zu. 43% gehen davon aus, dass die Zulassungen von E-Autos bis 2020 zwischen 10-20% steigen werden und ein Fünftel der Befragten erwartet sogar Zuwächse von über 20%. Der Markteintritt zahlreicher Start-ups aus dem Bereich Elektromobilität spaltet die Branche – 53% der Führungskräfte räumen ihnen gute Erfolgsaussichten ein, 45% schätzen die Chancen der Neugründungen als gering ein.

„Statt Start-ups, die Elektromobilität ideenreich auf die Straße bringen, skeptisch zu beäugen, sollten Hersteller und Zulieferer strategische Kooperationen eingehen oder von agilen Geschäftsmodellen profitieren. So bauen sie Kompetenzen in diesem Bereich aus und können sich auch zukünftig gegen Wettbewerber sowie neue Akteure behaupten“, kommentiert Heiko Weber, Partner und Automotive-Experte bei Strategy& Deutschland.

Die Frage, ob mehr Geschlechterdiversität in den Chefetagen einen positiven Effekt auf die strategische Ausrichtung ihres Unternehmens hätte, polarisiert die Branche: Zwar sagen 48% der Manager, dass mehr Frauen in der Führungsetage eine Chance für die zukünftige Strategieentwicklung wären. Gleichzeitig empfinden 30% einen höheren Frauenanteil als Hemmnis, das künftige Weichenstellungen negativ beeinflussen würde.

Die Ergebnisse des Automotive-Trendbarometers finden Sie unter:
https://www.strategyand.pwc.com/de/studie/stimmungsbarometer-automotive-2019

Methodik
Für die B2B-Onlinebefragung „Stimmungsbarometer Automotive“ wurden 203 Manager der Automobilbranche (Hersteller, Zulieferer, Handel) in Unternehmen mit mindestens 500.000 Euro Jahresumsatz in Deutschland im Februar 2019 befragt.

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