Industrie 4.0: Schweizer Unternehmen haben Aufholbedarf

Zürich, 10.04.2018

Nur 1% der Schweizer Firmen sind digitale Vorreiter. Asien und Amerika lassen EMEA und die Schweiz bei der Nutzung neuer Technologien und digitalen Ökosystemen hinter sich. Während global 15% der Unternehmen mit künstlicher Intelligenz arbeiten, sind es in der Schweiz lediglich 1%. Einzig in Sachen Digitalkultur sind Schweizer Unternehmen führend. Zudem lässt sich ein Trend zur Rückverlagerung gewisser Produktionsprozesse in die Schweiz erkennen.

Industrie 4.0-Projekte haben bei Produktionsunternehmen Priorität, doch der Weg zur vollständigen digitalen Transformation ist noch weit, wie die zweite Auflage der weltweiten PwC Strategy& „Global Digital Operations Study 2018“ zeigt. Hierfür wurden über 1.100 Schweizer und internationale Entscheider aus dem produzierenden Gewerbe befragt. Der Digitalisierungsgrad Schweizer Unternehmen ist im internationalen Vergleich ausbaufähig: Total – gemessen an der Implementierung neuer Technologien, der Reife digitaler Ökosysteme und Digitalkultur – erreicht lediglich 1% der Schweizer Unternehmen den Status eines „Digital Operations Champions“. Einzig in der Digitalkultur stehen sie vor Europa und der restlichen Welt. Auf europäischer Ebene sind es insgesamt 5%, global 10% und in der Region Asien-Pazifik (APAC) sogar 19%.

Schweizer Firmen erwarten überschaubare Vorteile durch die Digitalisierung
Digitale bzw. digital erweiterte Produkte und Services gewinnen zunehmend an Bedeutung. Während diese bei Schweizer Unternehmen aktuell 18% des Umsatzes ausmachen, steigt dieser Anteil bis 2023 auf durchschnittlich 26% an, bei digitalen Vorreitern im internationalen Vergleich sogar auf über 50%. Anreiz für Investitionen in Digitaltechnologien sind vor allem höhere Einnahmen und Kosteneinsparungen. Im internationalen Vergleich rechnen diesbezüglich rund 8.6% (global 14.7%) der Schweizer Unternehmen mit Umsatzzuwächsen bzw. 9.9% (global 12.3%) mit Effizienzsteigerungen über die nächsten fünf Jahre. Niklas Hoppe, Partner bei PwC Strategy& Schweiz dazu: „Investitionen gehen in Europa und Amerika häufig mit der Ablösung und Transformation von Altsystemen einher. Firmen aus dem asiatischen Raum müssen weniger in alte Produktionsanlagen, IT-Systeme oder die traditionelle Belegschaft investieren und erhalten damit einen erheblichen Vorteil.“

Digitale Implementierung nur gezielt vorgenommen
Über die Hälfte der Schweizer Unternehmen haben bereits Fertigungsmanagement-Systeme, sogenannte Manufacturing Execution Systems (MES), implementiert. Damit befinden sie sich über dem globalen Durchschnitt (45%). 41% der Schweizer Unternehmen nutzen heute bereits Robotik-Anwendungen, während es global nur 28% sind. In anderen Bereichen liegt die Schweiz zurück. Integrierte End-to-End Supply Chain Planung nutzt ein Drittel (33%) der Schweizer Firmen, in Amerika und der Region APAC bereits über die Hälfte. Auf vorausschauende Wartungssysteme setzen 45%, auf das industrielle Internet der Dinge dagegen erst 29%. Künstliche Intelligenz ist bei 1% im Einsatz, während es in Amerika und in der Region APAC bereits 12% bzw. 15% sind. Dasselbe gilt für Blockchain: während global 24% der Firmen die Technologie nutzen, sind es in der Schweiz erst 11%.

Mitarbeiter und Firmenkultur stehen im Zentrum
Die Herausforderung bei der Anwendung neuer Technologien wie z.B. künstliche Intelligenz (AI) sehen Schweizer Manager bei den Mitarbeitern: 57% geben an, dass in ihrer Firma noch die Fähigkeiten fehlen, die Technologie erfolgreich zu implementieren und zu managen. Daher glaubt über die Hälfte (54%) der Befragten, dass der Bedarf an Fachkräften in den kommenden fünf Jahren steigt, im globalen Vergleich sind es sogar 58%.

Die Mehrheit der digital fortgeschrittenen Unternehmen weltweit fördert eine digitale Kultur, die sich auf visionäre Führung, digitale Kundenerfahrung, Schulung, Fehlerkultur und flache Hierarchien konzentriert. Als positiv bewerten Schweizer Manager die Rahmenbedingungen für die Digitale Transformation hinsichtlich ihrer Unternehmenskultur: 53% geben an, dass Fehler bereits als Teil des Entwicklungsprozesses angesehen werden und knapp zwei Drittel betonen die flachen Hierarchien innerhalb ihres Unternehmens.

Im Heimmarkt wird vermehrt produziert
„Die Automatisierung könnte dazu führen, dass reife Märkte eine Rückverlagerung von Produktionsprozessen erleben. Von den Schweizer Befragten glaubt knapp die Hälfte (41%), dass zukünftig wieder mehr Produkte im eigenen Land produziert werden. Die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz könnte also durch stärkere Automatisierung profitieren, wenn die Herstellungskosten konkurrenzfähig mit der Lohnarbitrage von Billiglohnländern werden und Firmen wieder Vorteile darin sehen, vor Ort in der Nähe ihrer Absatzmärkte zu produzieren“ so Roger Müller, Head Digital Operations PwC Schweiz.

Er fügt an: „Die Schweiz könnte als Produktionsstandort profitieren und ist in Sachen Industrie 4.0 gut gerüstet, speziell was die digitale Kultur angeht. Bei der Implementierung neuer Technologien und dem Aufbau digitaler Ökosysteme müssen Schweizer Firmen noch aufholen und eine durchgehend digitale Strategie und Vision verfolgen. Das heisst, sie müssen sich von gewissen traditionellen Herstellungsweisen und Systemen trennen und stärker in die Prozessautomatisierung bzw. das technische Know-How ihrer Mitarbeiter investieren.“

Methodik
Für die Studie wurden Führungskräfte aus 1.155 Unternehmen aus 26 Ländern und sechs Industrien (Automotive, Konsumgüter, Elektronik, Industrieanlagen und -technik, industrielle Fertigung und Prozessindustrie) zwischen September und Dezember 2017 befragt.

Presse- und Medienkontakt

Head Communications Digital & Industries Services
PwC Schweiz
Telefon: +41 58 792 1688

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