PwC Strategy& Studie zu Industrie 4.0: Nur jedes zehnte Produktionsunternehmen weltweit ‚Digital Champion’

Wien, 10.04.2018

Asien und Amerika hängen EMEA bei der Implementierung neuer Technologien und Etablierung digitaler Ökosysteme ab / 19% der asiatischen Unternehmen ‚Digital Champions’, in EMEA nur 5% / Auto- und Elektronikindustrie sind am stärksten digitalisiert / Strategy&-Experte Dutzler: „Großer Fortschritt bei österreichischen Unternehmen in der Implementierung digitaler Ökosysteme“

Industrie 4.0-Projekte haben bei Produktionsunternehmen Priorität, doch der Weg zur vollständigen digitalen Transformation ist insbesondere in Europa noch weit, wie die zweite Auflage der weltweiten PwC Strategy& „Global Digital Operations Study 2018“ zeigt. Hierfür wurden über 1.100 internationale Entscheider aus dem produzierenden Gewerbe befragt, darunter auch Unternehmen aus Österreich. Anreiz für Investitionen in Digitaltechnologien sind vor allem höhere Einnahmen und Kosteneinsparungen. Digitale bzw. digital erweiterte Produkte und Services gewinnen zunehmend an Bedeutung. Während diese zum Beispiel bei deutschen Unternehmen aktuell 16% des Umsatzes ausmachen, so liegt der Anteil bei digitalen Vorreitern international sogar bei über 50%.

Weltweit gelten 10% der Produktionsunternehmen als ‚Digital Champions’. Asiatische Unternehmen agieren hier als Speerspitze – immerhin ist knapp jedes fünfte Unternehmen als digitaler Vorreiter einzustufen. In Amerika sind es 11%, in EMEA erfüllen nur mehr 5% diese Rolle. „Digital Champions sind ihrer Konkurrenz einen Schritt voraus. Sie haben verschiedene Ökosysteme über Unternehmensgrenzen hinaus miteinander verknüpft und verfügen neben digitalen Operations-Prozessen auch über digitale Kundenlösungen. Mehr als zwei Drittel von ihnen haben eine klare digitale Vision und Strategie, die sie konsequent verfolgen“, erklärt Alexander Soukup, Head of Strategy & Operations bei PwC Österreich.

Die Implementierung neuer Technologien, die Reife digitaler Ökosysteme und Digitalkultur sind also im europäischen Raum ausbaubar: „Asien hat gegenüber Amerika und Europa einen klaren Vorteil: Es ist weit einfacher, Digitalstrukturen neu aufzubauen, als großen Aufwand in die Transformation von Altsystemen bei Produktionsanlagen, IT-Systemen als auch der traditionellen Belegschaft zu investieren“, so Alexander Soukup.

Europa hinkt bei Implementierung neuer Technologien nach
Besonders der strukturierte Einsatz neuer Technologien ist bei Firmen aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA) noch nicht ausgereift. So hat erst ein Viertel Robotik-Anwendungen implementiert. Integrierte End-to-End Supply Chain Planung nutzt ein Drittel (35%) der europäischen Firmen, in Amerika und der Region APAC bereits jeweils über die Hälfte. Auf vorausschauende Wartungssysteme und das industrielle Internet der Dinge setzen 35% der Unternehmen, in Amerika und Asien ist es die Hälfte. Künstliche Intelligenz ist bei 5% im Einsatz, während es in Amerika und in der Region APAC bereits 12% bzw. 15% sind.

„Österreich als klassisches Land der mittelständischen Unternehmen darf hier nicht unterschätzt werden: Im internationalen Vergleich haben diese schon große Fortschritte in der Implementierung digitaler Ökosysteme gemacht – gerade unsere Hidden Champions sind für die digitale Transformation gut aufgestellt und brauchen den Vergleich aufgrund ihrer flachen Hierarchien, hochqualifizierten Arbeitskräfte und Investitionen in Kompetenzaufbau nicht zu scheuen”, ergänzt Harald Dutzler, Partner bei PwC Strategy& Österreich.

Digitaler Erfolgsfaktor Mitarbeiter
Doch die Implementierung neuer Technologien ist nur ein Aspekt für den Digitalstandort Österreich. Die Herausforderung bei der digitalen Transformation liegt häufig bei den Mitarbeitern: 27% der globalen Manager geben an, dass in ihrer Firma noch die Fähigkeiten fehlen, neue Technologien zu implementieren und zu managen. Daher glauben auch 58% der Befragten, dass sich der Bedarf an Fachkräften in den kommenden fünf Jahren erhöhen wird. Von einer Steigerung der durchschnittlichen Lohnkosten im Zuge der Digitalisierungsinitiativen ist übrigens gut jeder zweite Befragte aus der Region EMEA (52%) überzeugt. Die Automatisierung könnte außerdem dazu führen, dass reife Märkte eine Rückverlagerung von Produktionsprozessen erleben. Deutlich mehr als die Hälfte (59%) der EMEA-Befragten geht davon aus, dass zukünftig wieder mehr Produkte im eigenen Land produziert werden – in Amerika sind es sogar 69%. Die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs könnte durch stärkere Automatisierung profitieren, wenn die Herstellungskosten konkurrenzfähig mit der Lohnarbitrage von Billiglohnländern werden und Firmen wieder Vorteile darin sehen, vor Ort in der Nähe ihrer Absatzmärkte zu produzieren.

„Das Silicon Valley hat in Sachen neue Geschäftsmodelle Europa schon lange überholt, und Asien ist mehr als nachgezogen. Um wettbewerbsfähiger zu werden reicht es nicht, digitale Geschäftsmodelle aus den USA abzukupfern. Auch Österreich muss eine eigene Digitalkultur entwickeln. Unsere Basis als Industriestandort ist solide. Gerade deshalb sollten unsere einheimischen Unternehmen die Chance digitale Transformation ergreifen und leben – es gilt, einen Gang hochzuschalten und die Tradition in der Fertigung in die vernetzte Zukunft zu überführen“, schließt Dutzler.

Die globalen Ergebnisse der Industrie 4.0 Studie finden Sie unter: www.strategyand.pwc.com/industry4-0.

Methodik
Für die Studie wurden 1.155 Unternehmen aus 26 Ländern und sechs Industrien (Automotive, Konsumgüter, Elektronik, Industrieanlagen und -technik, industrielle Fertigung und Prozessindustrie) zwischen September und Dezember 2017 befragt.

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