Europäische Banken und der Stresstest 2016

Sneak preview: Europäische Banken und der Stresstest 2016

Executive summary

Der europaweite Stresstest 2016 zur Prüfung der Widerstandsfähigkeit der Banken gegenüber ungünstigen ökonomischen Bedingungen wird gerade durchgeführt. Obwohl sich die Erholung der Gesamtwirtschaft in Europa seit der ersten Durchführung eines solchen Tests in 2009 fortgesetzt hat, konnte die Finanzindustrie sich nur begrenzt von früheren Krisen erholen. Vermehrt zeigen sich Unsicherheiten über den Gesundheitszustand des europäischen Finanzsektors und die Aktienkurse vieler Banken befinden sich seit Anfang des Jahres auf Talfahrt. Die genauen Ergebnisse des nächsten Stresstests sind schwierig vorherzusagen – dennoch deutet unsere Analyse darauf hin, dass die 51 teilnehmenden Finanzinstitute insgesamt bis zu 65 Milliarden € an frischem Kapital benötigen könnten. Dies ist ein bedeutend höherer Kapitalbedarf als nach dem Stresstest im Jahr 2014.

Unsere Einschätzung basiert auf unserer Analyse der erwarteten Ergebnisse des diesjährigen Stresstests. Entsprechend dem Zustand der Europäischen Wirtschaft und des Bankensektors haben die Aufsichtsbehörden einige Änderungen an der diesjährigen Stresstestmethodik vorgenommen. Vier Bereiche werden dabei verstärkt ins Zentrum gerückt: Der Nettozinsertrag, welcher im derzeitigen Niedrigzinsumfeld stark unter Druck ist, die Empfindlichkeit gegenüber steigenden Volatilitäts- und Bewertungsrisiken am Finanzmarkt, die Art der Unternehmensführung im Lichte der neu eingeführten Betrachtung von Verhaltensrisiken und die immer noch große Abhängigkeit von Kapitalinstrumenten, die im Rahmen von Basel III in den nächsten Jahren auslaufen werden.

Banken, die ihre Widerstandsfähigkeit gegen Stress steigern wollen, sollten ihre Profitabilität strukturell verbessern und ihre Bilanzen restrukturieren – auch wenn diese Maßnahmen für den diesjährigen Stresstest bereits zu spät kommen. Für diese langfristige Optimierung des Geschäftsmodells ist eine ganzheitliche Überprüfung der Strategie in Hinblick auf das aktuelle ökonomische und regulatorische Umfeld erforderlich.


Allheilmittel Stresstest

Als Antwort auf die verheerenden Auswirkungen der Finanzkrise von 2008-09 hat die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank (EZB) und mehreren nationalen Aufsehern seit 2009 eine Serie von Stresstests durchgeführt. Dadurch soll die finanzielle Stabilität des Bankensektors verbessert werden. Weitere Tests wurden 2010, 2011 und 2014 durchgeführt. Die Tests simulierten eine Reihe von Szenarien, welche die europäischen Banken treffen könnten, um zu bewerten, welche Banken unter extremen Stressbedingungen eine bestimmte Mindestkapitalquote aufrechterhalten können und welche nicht. Die Banken, die den Test nicht bestanden, wurden aufgefordert, ihr Eigenkapital zu erhöhen um im Krisenfall über höhere Reserven zu verfügen.

Zur gleichen Zeit führten die Europäische Kommission und auch nationale Aufseher eine Vielzahl regulatorischer und legislativer Initiativen durch, um das Vertrauen in den Finanzsektor zu verbessern. Durch Initiativen wie die Erhöhung der Mindestkapitalanforderungen und strikte Regeln für die Berechnung risikogewichteter Aktiva (RWA) sollten Banken dazu ermutigt werden, die Qualität von Aktiva und Sicherheiten zu erhöhen um die Institute letztendlich sicherer zu machen.

Dennoch stehen Europas Banken heute, über ein halbes Jahrzehnt nach dem ersten Stresstest, weiterhin unter großem Druck. Konfrontiert mit einem sich abschwächenden globalen Wirtschaftswachstum und negativen Zinsen haben Banken Probleme, attraktive Ergebnisse zu erwirtschaften. Eine Konsequenz daraus ist der Fall des STOXX 600 Index europäischer Banken um mehr als 25% in den ersten zwei Monaten im Jahr 2016.

Im diesjährigen Test werden die 51 größten europäischen Banken einmal mehr ihre Fähigkeit, schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen Stand zu halten, beweisen müssen. Die Veröffentlichung der Ergebnisse wird zu Beginn des dritten Quartals 2016 erwartet.

Wir erwarten, dass die Auswirkungen dieses Stresstests auf die teilnehmenden Banken wieder signifikant sein werden. Die Messgröße der generellen Finanzkraft, die Tier 1 Kernkapitalquote (CET1), wird den Erwartungen zufolge um durchschnittlich 390 bis 600 Basispunkte sinken, verglichen mit einer Abnahme um 260 Basispunkte in 2014. Insgesamt werden die Banken wahrscheinlich zwischen 15 und 65 Milliarden € an frischem Kapital generieren müssen um die durch den Test aufgedeckten Risiken effizient zu managen. Dies entspricht einem Anstieg der momentanen Eigenkapitalquoten um 1-5%.

Der diesjährige Test könnte eine Kapitalerhöhung notwendig machen, welche über die 25 Milliarden € hinausgeht, die nach dem Test 2014 aufgenommen wurden. Dieser potentielle Bedarf an frischem Kapital ist besonders groß, wenn man bedenkt, dass am EBA Stresstest von 2014 123 Banken teilnahmen – mehr als doppelt so viele wie dieses Jahr.

Die Auswirkungen hängen letztendlich von einer Reihe von Faktoren ab. Hierzu zählen interne Faktoren wie das Kreditrisiko der Banken, der Wert ihrer Aktiva, ihr Compliance-Risiko, sowie externe Faktoren, etwa der Zustand der relevanten, nationalen Volkswirtschaft. Am wichtigsten ist jedoch, dass die Bankenaufseher einige signifikante Änderungen an der Methodik vorgenommen haben, welche die Ergebnisse maßgeblich beeinflussen könnten.

Während der Test läuft, zeigen wir in dieser Analyse den momentanen Zustand der europäischen Bankenindustrie, die wahrscheinlich zu erwartenden Auswirkungen verschiedener Faktoren auf die Testergebnisse, eine Einschätzung, ob die bereits implementierten Regularien effektiv waren und ob Investoren zurecht besorgt sind.


Unterschiedliche Auswirkungen

Die Auswirkungen des Stresstests werden sich je nach Land unterscheiden, in Abhängigkeit von Struktur und Herausforderungen der einzelnen lokalen Märkte (siehe Abbildung 1). Im Vergleich zu Banken aus Peripherieländern, die infolge EU geförderter Rettungsschirme ihren Finanzsektor einer intensiven Restrukturierung unterzogen haben, hinken die größeren europäischen Länder bei der Restrukturierung ihrer Finanzsektoren weiterhin hinterher.


Abbildung1: Erwartete Auswirkungen des Stresstests auf die CET1-Quote und erwartete Kapitalunterdeckung, in Milliarden Euro

Erwartete Auswirkungen des Stresstests auf die CET1-Quote und erwartete Kapitalunterdeckung, in Milliarden Euro


Insbesondere in Deutschland weisen viele Banken eine relativ geringe strukturelle Rendite auf. In Irland und Spanien waren die Banken nicht in der Lage, ihre Kapitalpositionen ausreichend zu stärken und ihre Bilanzen zu restrukturieren, so dass ein signifikanter Anteil ihres Kernkapitals noch aus Instrumenten besteht, die mit der Umsetzung von Basel III auslaufen dürften. In Italien leiden die Banken weiterhin an einem hohen Anteil notleidender Krediten.

Trotz dieser erschreckenden Kapitallücken werden die Rekapitalisierungs-anforderungen nach diesem Stresstest nicht so einfach abzuleiten sein wie die in 2014. Dies hängt mit dem Beschluss der EBA und der EZB zusammen keine standardisierte Mindestkapitalquote zu verwenden, obwohl die Stresstestergebnisse in den jährlichen aufsichtsrechtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (SREP) einfließen werden. In Anbetracht der allgemeinen Tendenz der Regulierungs- und Aufsichtsbehörden zur Erhöhung der Kapitalanforderungen erwarten wir, dass die Banken zum Ende des Stresstests zumindest die Eigenkapital-anforderungen der Säule 1 abzüglich des Kapitalerhaltungspuffers einhalten müssen. Die tatsächlichen Mindestwerte könnten, abhängig von der betrachteten Bank, höher ausfallen und Anforderungen aus Säule 2 beinhalten. So wurde beispielsweise im 2015 durchgeführten Comprehensive Assessment in Griechenland, bei welchem die vier führenden griechischen Banken untersucht wurden, im Stress-Szenario eine Mindestquote von 8% verwendet.


Ein Blick auf die Zahlen

Im Wesentlichen lässt sich das Ergebnis auf die Methodik des Stresstests und die darin in Anbetracht des derzeitigen Umfeldes von den Regulatoren vorgenommenen Anpassungen zurückführen. Die Auswirkungen dieser Änderungen auf die einzelnen Testelemente werden stark variieren, wenn es um die Messung der Finanzkraft einer Bank unter der Tier-1-Kapital-quote geht. Obwohl beispielsweise die operativen Erträge verglichen mit 2014 höher ausfallen dürften, erscheint es wahrscheinlich, dass der Test eine Verschlechterung in den Bereichen des Nettozinsertrages, des Marktrisikos, der Besteuerung und in weiteren Kapitalpositionen, inklusive der Anpassungen im Rahmen von Basel III, feststellt (siehe Abbildung 2).


Abbildung 2: Erwarteter Anstieg oder Rückgang CET1-Quote, je Stresstestelement

Erwarteter Anstieg oder Rückgang CET1-Quote, je Stresstestelement


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Stresstest konservativere finanzielle Annahmen als im Jahr 2014 getroffen wurden, der Test selbst einige neue Elemente enthält und die Methodik strikter durchgesetzt werden wird. Demungeachtet ist allen Banken zu raten, zu überprüfen, ob ihre individuellen Besonderheiten und spezielle Umstände berücksichtigt wurden (siehe “Abweichungen von der Norm”).

Abweichungen von der Norm

Der Stresstest 2016 ist ein wichtiger Leitfaden dazu, wie Risiken die Kapital-position von Banken beeinflussen. Indem ein genau definiertes, gemeinsames Szenario und ein gemeinsamer Ansatz für alle teilnehmenden Banken angewendet werden, stellt die Methodik ein mächtiges Werkzeug dar, um das erwartete Ab-schneiden der Banken im Stresstest zu vergleichen. Jedoch kann auf Grund dieses ganzheitlichen Vorgehens die tatsächliche Risikoposition einer jeden individuellen Bank nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Um faire und plausible Stresstestergebnisse sicherzustellen, sollten die Aufseher in Bereichen, bei denen eine bestimmte Bank durch die vorgeschriebenen Methodik möglicherweise übermäßig bestraft wird, Abweichungen von der Methodik zulassen. Wir haben diesen Aspekt in unserer Analyse nicht berücksichtigt, aber seine große Bedeutung hat sich in der Praxis immer wieder gezeigt. Banken, die durch die starre Anwendung der Methodik negativ beeinflusst werden könnten, sollten daher die Möglichkeit einer Abweichung von der Methodik bei ihrem jeweiligen Aufseher im Verlauf des Stresstests anbringen.

Herausforderung Zinsumfeld. Durch die Finanzkrise wurde die Welt, in der Banken operieren, grundlegend verändert, was zu großen Herausforderung für die Geschäftsmodelle traditioneller Bilanzkreditgeber führt, die dazu neigen besonders stark auf den Nettozinsertrag angewiesen zu sein. Durch das aktuelle Niedrigzinsniveau und dem daraus resultierenden Druck auf Zinsmargen wurden Banken gezwungen ihre Geschäftsmodelle zu überdenken und nach alternativen Einkommensquellen zu suchen.

Auch EBA und EZB haben diese Entwicklung erkannt und messen im Stresstest 2016 finanziellen Belastungen durch fallende Nettozinserträge eine höhere Bedeutung bei. Im letzten Stresstest war das Modul zum Nettozinsertrag wesentlich weniger genau ausgearbeitet, was Inter-pretationsspielraum für die Methodik ließ und dadurch den Einfluss auf die Banken limitierte. So gab es Banken, die sogar im Stressszenario einen Anstieg ihres Nettozinsertrags verzeichneten.

EBA und EZB haben diese Schlupflöcher für den Test 2016 geschlossen, so dass der nächste Stresstest den Nettozinsertrag präziser und in größerer Detailtiefe berücksichtigt. Wir gehen davon aus, dass die Auswirkung auf die CET1-Quote zwischen 140 und 300 Basispunkte betragen wird, vor allem abhängig davon, inwieweit die spezifische Bank von Nettozinserträgen abhängig ist. Es ist zudem zu erwarten, dass die Auswirkungen in Ländern, in denen die Banken 2014 nur sehr niedrige Effekte aus dem Nettozinsertragsmodul verzeichneten, in diesem Jahr deutlich höher sein werden (siehe Abbildung 3).


Abbildung 3: Auswirkung des Rückgangs des Nettozinsertrags auf die CET1-Quote, je Land

Auswirkung des Rückgangs des Nettozinsertrags auf die CET1-Quote, je Land


Wirtschaftliche Bedingungen im Wandel. Parallel zur negativen Zinsentwicklung hat sich das makroökonomische Umfeld über die letzten zwei Jahre deutlich verbessert. Zweifelsohne korreliert die Performance einer Bank sehr stark mit der Entwicklung der Märkte, in denen sie tätig ist. Der Stresstest im Jahr 2014 war geprägt von einer sich anbahnenden Eurokrise, einer hohen Staatsverschuldung in vielen südeuropäischen Ländern und negativen BIP-Wachstumsraten in den meisten europäischen Ländern. Obwohl die Weltwirtschaft auch für das Jahr 2016 mit niedrigen Zinsen und Rohstoffpreisen, einer Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums, politischen Unruhen in der entwickelten Welt sowie der Angst vor der Entstehung einer neuen Schuldenblase zu kämpfen hat, wird das Stressszenario 2016 wahrscheinlich positiver sein als im Jahr 2014 (siehe Abbildung 4).


Abbildung 4: Vergleich des Negativszenarios 2016 und 2014 für die Europäische Union

ergleich des Negativszenarios 2016 und 2014 für die Europäische Union


Bestimmte Bankaktivitäten werden jedoch in den diesjährigen Szenarien trotzdem stärker unter Druck geraten. Dies schließt beispielsweise weiter sinkende gewerbliche Immobilienpreise ein, für die in der Folge ein höherer Wertverlust als bei vorherigen Stresstests berücksichtigt werden muss. Die zunehmende Bedrohung durch eine Preisdeflation wird sich negativ auf die Schuldendienstfähigkeit auswirken und somit 2016 ebenfalls genauer geprüft werden. Kritiker beanstanden jedoch bereits, dass die Deflationszahlen, die im Szenario verwendet werden, zu mild sind. Interessanterweise wird das Szenario 2016 weiterhin unter der Annahme eines ansteigenden Zinssatzes durchgeführt, wohingegen eine weitere Reduktion der Zinsen die aktuellen Entwicklungen besser wiederspiegeln würde.

Das Stressszenario für 2016 ist voraussichtlich positiver als es in 2014 war.

Aufgeblähte Bilanzen. Der positive Effekt verbesserter makroökonomischer Aussichten auf das Kreditrisiko wird für die meisten Banken teilweise durch die wachsenden Bilanzvolumina ausgeglichen. Angetrieben vom Niedrigzinsniveau, ist das Exposure der Banken gegenüber Firmenkrediten gestiegen – ein überraschendes Ergebnis vor dem Hintergrund des Drucks von Regierungen und Aufsichtsbehörden auf Banken, ihre Bilanzvolumina zu reduzieren. Da das Kreditrisiko üblicherweise den größten Einfluss auf die Ergebnisse des Stresstests hatte, wird dieser Bestandteil auch dieses Jahr eine wichtige Rolle für Auswirkungen der Ergebnisse auf die Banken spielen. In den meisten Ländern hat sich das Exposure erhöht, während die Kreditqualität nur geringfügige Verbesserungen aufweist (siehe Abbildung 5).


Abbildung 5: Gesamt-Kreditexposure sowie Exposure an notleidenden Krediten, Dezember 2013 und Juni 2015

Gesamt-Kreditexposure sowie Exposure an notleidenden Krediten, Dezember 2013 und Juni 2015


Marktrisiko. Ein weiterer Aspekt des Makro-Umfeldes ist die Tatsache, dass die Finanzmärkte volatiler geworden sind und historische Schwellenwerte, wie z.B. beim Ölpreis, unterschritten wurden. Zeitgleich erhöhen die derzeit sehr niedrigen Zinsen das Risiko eines Wertverfalls der Available for Sale und Fair Value Portfolien. Die Marktbewertungen dieser Anlagen werden wahrscheinlich einen größeren Einfluss auf die Ergebnisse des Stresstests haben als in der Vergangenheit.

Compliance. In den vergangenen Jahren mussten die großen Banken in Europa und den USA mehr als 200 Milliarden € an Strafen bezahlen, unter anderem wegen der Libor Manipulation und Verstößen gegen verschiedene andere Vorschriften. Dem Beispiel anderer Regulierer folgend haben nun auch EBA und EZB ein Compliance Element in den Stresstest 2016 integriert. Im Rahmen der Prüfung wird von Banken erwartet eine eigene Einschätzung zum Ausmaß ihres Risikos gegenüber solcher Verstöße zu geben, unterstützt durch Daten zu Verlusten in der Vergangenheit. Können die Banken ihre Einschätzungen nicht ausreichend mit Daten untermauern, müssen sie einen Verlust von 15% der Bruttoerträge annehmen. Diese Ausweichlösung legt nahe, dass Banken in der Summe über bis zu 80 Milliarden € Kapital vorhalten sollten, um Verstöße oder andere operative Risiken decken zu können. Dieser Effekt allein dürfte den größten Hebel für den Unterschied der Stresstestergebnisse zwischen 2014 und 2016 darstellen, obwohl dies für die meisten Banken das Worst-Case-Szenario bedeutet.


Es ist Zeit zu handeln

Obwohl es für Banken zu spät sein könnte, um ihre Kapitalpositionen für den Stresstest 2016 zu verbessern, sollten sie verschiedene Maßnahmen ergreifen um ihre Widerstandfähigkeit zu erhöhen und sich besser auf die Zukunft vorzubereiten.

Zunächst sollten sie ihre Profitabilität verbessern. Diese ist weiterhin deutlich unter dem Vorkrisenniveau von 15 bis 20% geblieben und auch die Zuwächse seit dem Stresstest 2014 sind gering. Das Problem liegt darin, dass zu viele Banken zu geringen Renditen nachjagen. Für viele Banken sind diese Renditen deutlich niedriger als ihre Kapitalkosten, was zu einem negativen Economic Spread führt.1

Die Profitabilität der Banken variiert jedoch deutlich zwischen ver-schiedenen Ländern. Die meisten Banken haben ein über drei Jahre kumuliertes operatives Ergebnis im Bereich von 5 bis 8% des CET1. Schwedische, Spanische und Niederländische Banken verzeichnen hierbei die mit Abstand besten Ergebnisse. Deutsche Banken hingegen sehen sich niedrigen durchschnittlichen operativen Ergebnissen ausgesetzt, welche lediglich 2,3% des CET1 über den Drei-Jahres Testzeitraum betragen (siehe Abbildung 6). Dies wirft Fragen zur Wirtschaftlichkeit der Geschäftsmodelle deutscher Banken auf. Der stark fragmentierte deutsche Bankensektor, in dem viele Banken das gesamte Spektrum an Dienstleistungen in lokalen Märkten anbieten, scheint nachhaltig nicht zu funktionieren und nur sehr geringe Renditen abzuwerfen. Dies wiederum schmälert die Widerstandsfähigkeit gegenüber Stressszenarien, insbesondere da sich auch die aktuell stabile Qualität der Aktiva zu verschlechtern beginnt.


Abbildung 6: CET1% Effekt des über 3 Jahre kumulierten operativen Ergebnisses

CET1% Effekt des über 3 Jahre kumulierten operativen Ergebnisses


Daneben wurden die Basel III Regularien vor einigen Jahren vorgestellt und die meisten Länder müssen die Umsetzungsfrist, welche 2018 abläuft, einhalten. Alarmierend ist, dass das Kapital einiger Banken sich immer noch stark aus Elementen zusammensetzt, die im Zuge von Basel III auslaufen sollen, wie zum Beispiel den Steuerabgrenzungsposten (DTAs) und Investments in Finanzinstitute. Der erwartete Effekt der Regulierungen unterscheidet sich signifikant zwischen den einzelnen europäischen Ländern. Aufgrund des hohen DTA-Niveaus wird der Basel III Phase-In vor allem Banken in Irland und Spanien stark beeinflussen (siehe Abbildung 7). Banken, die sich in solch einer Position befinden, müssen ihre Kapitalstruktur schnellstmöglich optimieren, indem sie zum Beispiel aktiv neues Kapital aufnehmen oder erlösschwache Aktiva veräußern. Die Basel III Frist rückt näher und der Handlungsdruck steigt.


Abbildung 7: Auswirkungen des Basel III Phase-Ins (2015-2018) in CET1%

Auswirkungen des Basel III Phase-Ins (2015-2018) in CET1%


Die richtigen Antworten finden

Trotz der hohen Durchführungskosten erwarten wir, dass der Stresstest 2016 einen wertvollen Beitrag zur Stärkung des europäischen Finanz-sektors leisten wird. Die Banken kämpfen weiterhin damit, ihre Bilanzen zu restrukturieren und ihre Geschäftsmodelle an das aktuelle wirtschaftliche Umfeld anzupassen. Die Ergebnisse werden zeigen, dass es aktuell noch zu viele leistungsschwache Banken gibt, die infolge einer begrenzten Ertragskraft Schwierigkeiten haben werden, adäquat auf die im Stresstest kalkulierten Verluste zu reagieren. Das Ziel des erweiterten Stresstests 2016 ist es, Banken dazu zu bringen, ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber einer breiteren Vielfalt an Szenarien zu verbessern. Kritiker haben jedoch bereits bemängelt, dass Bedrohungen wie Deflation und niedrige oder sogar negative Zinsen nicht ausreichend überprüft werden.

Letztlich wird eine weitere, zusätzliche Kapitalerhöhung nicht ausreichen, um die strukturellen Probleme der Finanzindustrie zu adressieren. Die von uns erwarteten Ergebnisse weisen nochmals darauf hin, dass Banken ihre derzeitige Strategie angesichts des aktuellen wirtschaftlichen Umfelds genauestens evaluieren und ihr Geschäftsmodell entsprechend weiterentwickeln müssen, um ihre Eigenkapitalrendite und dadurch auch ihre Belastbarkeit gegenüber Stresssituationen zu verbessern. Sollten sie dies unterlassen, wird es ihnen im nächsten Stresstest – oder in der nächsten Finanzkrise – nicht besser ergehen.


Endnote

  1. "Zukunft europäischer Banken: Ergebnisse des European Banking Outlook."