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Banken erwarten weitreichende Änderungen durch Zahlungsrichtlinie PSD2

Strategy&-Studie zu den strategischen Implikationen der Payment Services Directive 2

Wettkampf um den Kunden: 68% der europäischen Banken befürchten den Verlust der Kundenschnittstelle / 76% der Banken nennen Kundenfokus als ihre Top-Priorität für die kommenden Jahre / Tech-Unternehmen könnten Angebote wie E-Mail-Konten um Zahlungs- und Kontoservices ergänzen

Die Finanzindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch: Digitalisierung, neue Kundenerwartungen, herausforderndes Marktumfeld durch die andauernde Niedrigzinsphase, steigender Wettbewerb von Fintechs und Tech-Firmen sowie die Umsetzung regulatorischer Maßnahmen treiben den Bankensektor. Der Druck könnte sich künftig jedoch noch weiter erhöhen: so könnten die bis 2018 im Rahmen der Novelle der Payments Services Directive 2 (PSD2) umzusetzenden, neuen Anforderungen ein Katalysator für neue Bankgeschäftsmodelle sein, jedoch auch neue Chancen und Risiken bieten – in jedem Fall könnte PSD2 zu neuen Marktentwicklungen führen, die Banken nicht ignorieren sollten. 88% erwarten zunehmenden Wettbewerb von Drittanbietern, 68% befürchten den Verlust der Kundenschnittstelle und 68% gehen davon aus, dass PSD2 die Bankenposition (weiter) schwächen wird. Das sind die aktuellen Ergebnisse der Studie PSD2 – Start of a new era of open Banking? von Strategy&, der Strategieberatung von PwC. Für die Studie interviewte Strategy& insgesamt 30 führende Europäische Banken sowie Fintechs aus acht verschiedenen Ländern und führte parallel eine Befragung unter 1000 Kunden zu ihrem Zahlungsverhalten durch.

Die Befürchtungen der Banken resultieren aus zwei zentralen, neuen Anforderungen: Erstens werden Drittparteien wie Fintechs, Telekommunikationsanbieter, Tech- und Datenunternehmen künftig in den Regulationskreis miteinbezogen und somit offiziell als Teilnehmer auf dem Zahlungsverkehrsmarkt anerkannt. Zweitens müssen Banken diesen Drittparteien Zugang zu den Konto- und Zahlungsdaten gewähren und ihnen die Möglichkeit geben, Zahlungen im Auftrag des Kunden auszuführen – vorausgesetzt, die Kundenzustimmung liegt vor. Dies bietet Drittparteien die Möglichkeit, Produkte und Services auf Basis der von den Banken bereitgestellten Daten (weiter)zu- entwickeln. Anbieter von digitalen Finanzübersichten (Personal Financial Management), Zahlungs-apps oder Vergleichsportalen könnten hiervon profitieren. Eine Entwicklung, die von Banken nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte, da Drittparteien mit ihren Angeboten häufig an der Kundenschnittstelle ansetzen.

Die Konsumentenbefragung bestätigt die Befürchtungen der Banken: Drittparteien sind bereits ein etablierter Bestandteil des Konsumentenlebens. 88% der Befragten nutzen das Angebot von Online-Bezahlsystemen, also Drittanbietern, für Online-Einkäufe, 82% stimmen voll oder teilweise zu, dass diese Zahlungen so sicher und zuverlässig handhaben können wie ihre Hausbank. Dr. Jörg Sandrock, Leiter der Digital Practice Financial Services bei Strategy& Deutschland erwartet, dass Drittparteien basierend auf existierenden Kundenbeziehungen ihr Angebot in Finanzdienstleistungen ausweiten können: „In einer zunehmend digitalisierten Welt suchen Konsumenten nicht nach Spezialisten, sondern schätzen eine bequeme Bündelung von Produkten und einfacher Bedienung.“ Damit können Tech-Unternehmen ihr Angebot an E-Mail-Konten und Cloud-Speicher erfolgreich um Zahlungs- und Kontoservices ergänzen.

Die Berater erwarten, dass PSD2 Marktentwicklungen über den Zahlungsverkehr hinaus anstoßen wird. Um die Daten zwischen Banken und anderen Parteien auszutauschen und Zugang zu der Bankinfrastruktur zu gewähren, werden voraussichtlich Standardschnittstellen (Application Programming Interfaces, APIs) etabliert werden. APIs sind bereits ein elementarer Baustein vieler digitaler Geschäftsmodelle von Startups wie beispielsweise Fintechs. Sie ermöglichen es, modular, schnell und kostengünstig Geschäfte aufzubauen und zu skalieren, indem einzelne Bausteine wie Daten, Funktionalitäten oder Produkte von Partnern integriert werden.

„Unsere Studie zeigt, dass einige Banken PSD2 vor allem als Compliance-Übung begreifen, sich selbst als „Datenlieferanten“ sehen und nicht über die regulatorischen Muss-Anforderungen hinaus Chancen prüfen“, führt Sandrock aus. Den Handlungsbedarf haben die Banken jedoch erkannt. 76% der Banken nennen Kundenfokus als ihre Top-Priorität für die kommenden Jahre. Erste, innovative Startups und Banken zeigen jedoch, dass APIs, Daten und Partner-basierte Ansätze Kundenfokus, Innovation, Time-to-Market fördern und dementsprechend wertstiftend sein können. Sie warten zudem nicht die Einführung der PSD2 in 2018 ab, sondern agieren jetzt.

„PSD2 wird ein Katalysator für Entwicklungen sein, die bereits jetzt beobachtbar sind“, resümiert Sandrock. Banken seien daher gut beraten, sich jetzt mit PSD2 – und vor allem mit den strategischen Implikationen über die PSD2 hinaus – zu befassen.


Presse- und Medienkontakt

Jan Liepold
LoeschHundLiepold Kommunikation GmbH
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