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Schweizer Banken erwarten bis 2013 Mittelabzüge von deutschen Anlegern von bis zu 36 Mrd. Franken

Ertragsrückgang von ca. 1,1 Mrd. CHF für die Schweizer Banken erwartet / Konsolidierung im Schweizer Private Banking beschleunigt / Erleichterungen in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung für deutsche Banken in der Schweiz geplant

Das geplante Abkommen zur Einführung der Abgeltungssteuer auf deutsche Vermögensanlagen bei Schweizer Banken wird zu signifikanten Mittelabflüssen führen - einerseits durch die erwartete Einmalzahlung auf Altgelder, anderseits durch vorgezogene Kapitalbezüge der deutschen Anleger. Dabei kann es zu sehr unterschiedlichen Reaktionen auf die neuen Rahmenbedingungen für Offshore-Geldanlagen in der Schweiz kommen. Neben Selbstdeklaration und wohlwollender Akzeptanz ist von einem signifikanten Abzug deutscher Offshore-Anlagen auszugehen. Bei einem Gesamtbetrag von 210 Mrd. CHF deutscher Gelder in der Schweiz (Stand 2010) ist mit Mittelabflüssen von bis zu 36 Mrd. CHF zu rechnen. Für den Schweizer Finanzplatz bedeutet die anstehende Neuregelung mit Deutschland und Großbritannien zusammen einen Verlust von insgesamt rund 47 Mrd. CHF an Vermögen sowie rund 1,1 Mrd. CHF an Ertragssubstanz.
Als Konsequenz sind eine beschleunigte Konsolidierung im Schweizer Private Banking und ein fundamentaler Strukturwandel der eidgenössischen Finanzbranche zu erwarten. Deutsche Banken haben dadurch gute Aussichten, sich mit spezifischen Geschäftsmodellen in der Schweiz stärker positionieren zu können.
Das sind die zentralen Ergebnisse der heute bei einer Pressekonferenz in Zürich präsentierten Studie der internationalen Strategieberatung Booz & Company.

Gespaltene Reaktionen unter deutschen Anlegern
Das neue Abgeltungssteuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz soll ab 2013 für klare Rahmenbedingungen bei Offshore-Geldanlagen in der Schweiz sorgen. Die undeklarierten Gelder in Höhe von geschätzten 126 Mrd. CHF, die Personen mit Wohnsitz in Deutschland teilweise bereits vor mehreren Generationen in der Schweiz angelegt haben, lassen sich so ‚entkriminalisieren‘. „Die ältere Generation wird diese neue, diskrete Regelung durchaus schätzen“, so Andreas Lenzhofer, Partner bei Booz & Company und verantwortlicher Autor der Studie.

„Die jüngere Generation der deutschen Anleger wird dagegen eher zur Selbstdeklaration und somit zur Offenlegung der Bankbeziehung tendieren.“ Allerdings zeigt die Studie auch: Ein signifikanter Anteil der Kleinkunden wird seine Ersparnisse bis Ende 2012 abziehen und in alternative Anlageformen investieren. Die Chancen stehen aber gut, dass die voraussichtlich in der Schweiz verbleibenden Gelder nach dieser Bereinigungsphase unter den neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen wieder kontinuierlich wachsen werden. Schließlich eröffnet das Abkommen Privatpersonen die Möglichkeit, ihr Vermögen aus Risikoüberlegungen legal - aber anonym - in der Schweiz anzulegen.

Verschärfte Bedingungen für den Finanzmarkt Schweiz
Insgesamt wurden am Finanzplatz Schweiz Ende 2010 Offshore-Anlagen in Höhe von 2050 Mrd. CHF verwaltet. Die Prognose der Booz & Company-Studie: Alleine als Folge der bisher konkret geplanten Steuerabkommen mit Deutschland und Großbritannien werden rund 47 Mrd. CHF (ca. 2,3% der derzeit in der Schweiz gehaltenen Offshore-Vermögen) abfließen. Dies impliziert einen Ertragsrückgang von ca. 1,1 Mrd. CHF für die Schweizer Banken. Ähnliche Steuerabkommen mit weiteren westeuropäischen Ländern könnten diese Zahlen sogar verdoppeln. Zum Ertragsrückgang addieren sich die Kosten für die Implementierung der Steuerabkommen. Allein diese einmaligen Kosten werden auch bei kleineren Banken auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt.

Steuerabkommen bietet strategische Optionen für deutsche Banken
Durch die zunehmende Konsolidierung des Marktes ergeben sich für ausländische Banken interessante Expansions- und Zukaufgelegenheiten. Deutsche Banken mit Schweizer Niederlassungen können ihren Kunden offen die Möglichkeit anbieten, Gelder außerhalb Deutschlands anzulegen. Dies bietet für vermögende Privatkunden gerade unter Risiko-Diversifikation-Gesichtspunkten attraktive Optionen. Gleichzeitig zwingen die nachhaltig reduzierten Ertragsmöglichkeiten sowie die zusätzlichen Kosten etablierte Banken wie Vermögensverwaltungen der Schweiz zu weiteren Kostensenkungen und zur Anpassung ihrer Geschäftsmodelle.
Trotzdem antizipiert die Booz & Company-Studie, dass der Finanzplatz Schweiz auch künftig in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung weltweit eine führende Rolle spielt. „Deutsche Banken mit Niederlassungen in der Schweiz müssen sich in ihrem Angebot klar differenzieren, um dieses Geschäftsfeld zu nutzen. Um dies kosteneffizient zu tun, sollten sich diese Anbieter auf klar abgegrenzte Kundensegmente und Märkte fokussieren“, so Carlos Ammann, Managing Partner bei Booz & Company in Zürich und Leiter der weltweiten Wealth Management Practice. „Um in diesem Umfeld langfristig zu reüssieren, sind allerdings erhebliche Investitionen in die Beratungskompetenz notwendig.“

Die komplette Studie steht hier zum Download bereit.