München, 17.05.2011
Deutsche Chefetagen sind der neue weltweite Hafen der Stabilität: Fluktuationsquote erreicht mit 8,7% Rekordtief

10. Ausgabe der „Global CEO-Succession“-Studie der internationalen Strategieberatung Booz & Company

Führungskontinuität in deutschsprachigen Vorstandsetagen liegt deutlich über dem globalen und europäischen Durchschnitt / Top-Manager aus den Bereichen Health Care und IT lösen die CEOs der Energiebranche auf den deutschen „Schleudersitzen“ ab / Wachstumsregionen verändern Kräfteverhältnis in der weltweiten Championsleague der Konzerne

Der wirtschaftliche Aufschwung sorgt für deutlich mehr Kontinuität in den deutschsprachigen Vorstandsetagen. Räumte 2009 jeder fünfte Vorstandsvorsitzende (CEO) in Deutschland, Österreich und der Schweiz freiwillig oder unfreiwillig seinen Stuhl, war es in 2010 gerade noch jeder elfte. Die Wechselquote hat sich damit binnen eines Jahres in ungewöhnlichem Maße von 21,3% auf 8,7% fast gedrittelt und liegt auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Studienerhebung. Im europäischen wie globalen Vergleich ist dieser Trend in Deutschland am stärksten ausgeprägt. Während die CEO-Wechselquote weltweit lediglich von 14,3% nur auf 11,6% fiel, sank sie europaweit um fünf Prozentpunkte von 15,2% (2009) auf 10,2%. Die höchste Wechselquote weist Japan mit 18,8% auf. Im benachbarten Boommarkt China erhielt dagegen nur 5,2% der häufig staatlich geführten Unternehmen eine neue Führungsspitze. Im deutschsprachigen Raum erfolgten dabei gerade noch knapp 20% der Wechsel unfreiwillig, während 2009 rund ein Drittel der CEOs ihre Position gezwungenermaßen an einen Nachfolger übergeben musste.
Das sind die zentralen Ergebnisse der „CEO-Succession“-Studie der internationalen Strategieberatung Booz & Company. Diese analysiert die Veränderungen an der Spitze der 2.500 weltweit größten börsennotierten Unternehmen und vergleicht die Daten mit den historischen Werten aus mittlerweile elf aufeinanderfolgenden Jahren.

Volatile Managementkarrieren
Die Weltwirtschaft, aber auch die Konjunktur einzelner Branchen entwickelt sich zunehmend volatil und wenig planbar. „Die diesjährigen Studienergebnisse zeigen, dass Gleiches offensichtlich auch für die Karrieren im Top-Management gilt“, so Dr. Klaus-Peter Gushurst, Sprecher der Geschäftsführung im deutschsprachigen Raum von Booz & Company. „Einerseits kehrt mit dem Aufschwung wieder mehr Ruhe und langfristiges Denken ein.
Andererseits hat sich die durchschnittliche Verweildauer der CEOs im deutschsprachigen Raum seit 2003 um zwei Jahre auf gerade noch 6,1 Jahre verkürzt.“ Hier scheiden Vorstandsvorsitzende im Schnitt bereits zwölf Jahre vor dem offiziellen Pensionsalter mit 55,4 Jahren aus dem Amt – europaweit immerhin zwei Jahre später. Auch weltweit hat kaum ein Unternehmenslenker länger als sieben Jahre Zeit, den Erfolg seiner strategischen Entscheidungen unter Beweis zu stellen – ganz unabhängig davon, ob er vom Aufsichtsrat als externer Kandidat („Outsider“) oder als Eigengewächs („Insider“) an die Spitze berufen wird.

Externe CEOs im deutschsprachigen Raum besonders erfolgreich
Bei der Erfolgsbilanz dieser sogenannten Insider bzw. Outsider in der Position des CEOs nimmt Deutschland in der heute vorgelegten Studie ebenfalls eine Sonderstellung ein. Global war eine Tendenz in den letzten Jahren auffällig: CEOs aus den eigenen Reihen schienen eine größere Akzeptanz zu genießen und erzielten bessere Ergebnisse. Diese Diskrepanz zwischen Insidern und Outsidern hat sich in 2010 sogar weiter verstärkt. Erreichten Insider eine durchschnittliche Aktienrendite von 4,6%, brachten es Outsider nur auf zu vernachlässigende 0,1%. Im deutschsprachigen Raum hingegen verläuft die Entwicklung seit vier Jahren konsequent umgekehrt: Outsider können in 2010 mit einer Aktienrendite von 12,5% punkten. Insider hingegen bringen es nur zu durchschnittlich 0,8%. Insofern scheint im deutschsprachigen Raum auch die globale Regel außer Kraft gesetzt, dass Outsider eher ihre Spitzenposition verlieren als Insider. Im globalen Vergleich waren das mit 40,5% gegenüber 19,6% mehr als doppelt so viele. Auch bei den Branchen zeigt sich 2010 im deutschsprachigen Raum ein deutlich verändertes Bild gegenüber 2009. So fanden 2010 die meisten Wechsel im Health Care-Sektor statt: Fast 27% der CEOs verließen ihr Spitzenamt. Im IT-Bereich waren es 20% und in der Energiebranche 17%. Die im Vorjahr noch heftig betroffene Bank- und Versicherungswirtschaft konnte dagegen zwei Jahre nach dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise etwas ruhiger arbeiten. Die CEO-Wechselquote lag hier gerade noch bei 10,1% .

Neues Kräfteverhältnis in der weltweiten Unternehmenselite
In 2010 stammten erstmals knapp die Hälfte der 2.500 untersuchten Unternehmen nicht aus den USA und Westeuropa. Mit 29% ist die USA zwar nach wie vor die stärkste Wirtschaftskraft, doch die sogenannten Emerging Markets machen mit 27% bereits über ein Viertel der größten Weltkonzerne aus. Im Jahr 2000 lag diese Quote noch bei 7%. Der Anteil der Unternehmen aus Brasilien, Indien oder China an den untersuchten 2.500 Top-Playern ist seit der Jahrtausendwende durchschnittlich um eindrucksvolle 24% pro Jahr gewachsen. Diese Entwicklung wird sich weiter fortsetzen. Allein ein Fünftel der neuen globalen Blue Chips stammt mittlerweile aus China.
„Mit dieser Entwicklung verändert sich die Führungs- und Corporate Governance-Kultur grundlegend, aber auch die Diversity-Anforderungen. Wir sehen in den Konzernen einen klaren Trend zu einer international denkenden und vor allem global agierenden Führungselite“, so das Fazit von Gushurst.

Zur vorliegenden Untersuchung
Booz & Company untersuchte in der Studie „CEO-Succession 2010" die 2.500 weltweit größten börsennotierten Unternehmen. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz wurden ergänzend die 300 größten Unternehmen in dieser Region analysiert. Es flossen sowohl die Performance der Unternehmen zum Zeitpunkt der Ablösung als auch die Art und Weise des Ausscheidens des CEO ein. Aussagen über Trends und Entwicklungen beziehen sich auf die bereits vorgelegten Booz & Company-Studien zu CEO-Ablösungen aus den Jahren 1995, 1998 sowie die jährlichen Studien ab 2000. Seit 2007 bezieht die Studie auch die Performance jener beteiligten Firmen ein, in denen kein CEO-Wechsel stattfand.