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Öffentliche Auftraggeber schöpfen Einsparmöglichkeiten in zweistelliger Milliardenhöhe nicht aus

Neue Studie von Booz & Company zeigt Sparpotenziale von 10 – 20 Mrd. € im öffentlichen Einkauf / Weiterhin deutlicher Reformbedarf bei Strukturen und Prozessen / Einkaufsstellen brauchen mehr Zuständigkeiten, Zentralisierung und Transparenz zur Einsparung von Geldern

In der Privatwirtschaft hat sich der Einkauf in weniger als 20 Jahren revolutioniert: Der Effizienzsprung wird auf bis zu 40% geschätzt. Hinter diesen Erfolgen hinkt der öffentliche Sektor immer noch deutlich hinterher. Das zeigt die aktuelle Studie “Zum Entwicklungsstand des öffentlichen Einkaufs” von Booz & Company. Durch den Aufbau strategischer Einkaufsorganisationen könnten Bund, Länder, Gemeinden und andere öffentliche Auftraggeber Haushaltsmittel in Höhe von bis zu 20 Milliarden Euro jährlich einsparen.

Als einen Grund für die Unterschiede in der Kostenstruktur nennt  Dr. Ulrich Bergmoser, Mitglied der Geschäftsleitung bei Booz & Company, mangelnde Datengrundlagen. “Vergleichbar mit dem deutschen Bildungs-system vor der ersten PISA-Studie wissen viele Verwaltungen nicht, wie gut ihre Konditionen und Kostenstrukturen wirklich sind. Im Vergleich zur Privatwirtschaft werden regelmäßig bis zu 15% höhere Einkaufspreise gezahlt.”

Handlungsdruck bei Strukturen und Prozessen
Optimierungsmöglichkeiten sind in Strukturen und in Prozessen zu finden. Die wichtigsten im Überblick:

  • 66% der Befragten verfügen lediglich über eine rudimentäre Datenerfassung, die Bestandkosten nicht ausreichend analysiert. Sogar über 85% erfassen und analysieren ihre Daten im weiteren Vorgehen nicht systematisch, sondern nur anlassbezogen.
  • Bei über zwei Dritteln der befragten Institutionen wird der Einkauf nicht in die Haushaltsplanung eingebunden und nicht aktiv gesteuert. Nur 36% der öffentlichen Institutionen verfügen über eine zentrale Bedarfsplanung.
  • Rund 80% der befragten Auftraggeber verfügen über keinerlei Strukturen, um die Leistungen der Lieferanten systematisch überwachen zu können.

Booz & Company stellte die Ergebnisse vergangenen Donnerstag im Rahmen einer Diskussionsrunde mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft in Berlin vor.

Empfehlungen zur Ausschöpfung des Potenzials
Die Berater von Booz & Company leiten von diesen Ergebnissen konkrete Handlungsempfehlungen ab und zeigen, wie öffentliche Einrichtungen das immense Einsparpotenzial realisieren können. Dr. Rainer Bernnat, Geschäftsführer bei Booz & Company, fasst zusammen: “Durch konsequente Optimierung lassen sich bis zu 20 Mrd. € des Beschaffungsvolumens der Öffentlichen Auftraggeber einsparen. Die Investitionen in die notwendigen Umstellungen werden unserer Erfahrung nach in aller Regel schon im ersten Jahr durch die Einsparungen übertroffen”.