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Deutschland bleibt trotz Weltwirtschaftskrise Innovations-Europameister

Innovationen sind weiterhin zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie / Ausgaben für Forschung und Entwicklung wachsen in Deutschland um 9% / Weltweiter Anstieg liegt nur bei 5,7% / F&E-Ausgaben in der Automobilbranche stagnieren / Toyota, Nokia und Roche verfügen über die größten F&E-Budgets

Deutsche Unternehmen setzen auch in Krisenzeiten auf Forschung und Entwicklung (F&E). Mit einer Steigerung der Ausgaben um 9% liegen sie 2008 deutlich über dem globalen Durchschnitt von 5,7%. Mit insgesamt 28,5 Mrd. Euro positioniert sich Deutschland erneut als der führende Forschungsstandort in Europa und steht für 7,9% der weltweiten F&E-Investitionen von 362 Mrd. Euro. Das sind die Ergebnisse der aktuellen "Global Innovation 1.000"-Studie der internationalen Strategieberatung Booz & Company.

Diese analysiert die F&E-Budgets und -Strategien der 1.000 Unternehmen mit den weltweit höchsten Ausgaben in diesem Segment. Im Jahr 2008 sind 49 deutsche Firmen (im Vorjahr 45) in diesem Ranking vertreten. Davon befinden sich vier unter den Top 30: Siemens (15), Volkswagen (17), Daimler (26) und BMW (28).

Trotz schwerer Gewinneinbrüche: Manager setzen weiter auf Innovationen
Trotz der in 2008 einsetzenden Weltwirtschaftskrise stärken die Unternehmen weiter ihre Forschung und Entwicklung. Das überraschende Studienergebnis: Obwohl 65% der weltweiten Top-1.000-Innovatoren in der schwersten Rezession seit 1929 deutliche Umsatzrückgänge verbuchen und 32% sogar Verluste schreiben, erhöhten mehr als zwei Drittel ihre F&E-Ausgaben im vergangenen Jahr. 90% der befragten Manager bewerten Innovation als wesentlichen Erfolgsfaktor für den erhofften Aufschwung. Die globalen Top 20, die 26% des gesamten „Global Innovation 1.000“-Budgets auf sich vereinen, beziffern ihre Gewinneinbußen auf 35%. Dennoch steigerte diese Innovationselite ihre F&E-Etats auch im Krisenjahr 2008 um weitere 3,2% (im Vorjahr 7,6%). Zu Kürzungen in diesem Bereich kommt es nur bei etwas mehr als einem Viertel der Befragten. Stefan Eikelmann, Sprecher der deutschen Geschäftsführung von
Booz & Company, liefert dafür folgende Erklärung: „Im globalen Wettbewerb nimmt die Bedeutung von Innovationen zur Erhaltung der künftigen Wettbewerbsfähigkeit zu. Konsequenterweise wird daher in der Krise nicht zuerst der Rotstift bei F&E angesetzt. Außerdem sind Produktentwicklung und Innovationszyklen in vielen Branchen wie etwa Pharma auf mehrere Jahre angelegt, so dass sie konjunkturelle ‚Dürreperioden’ überdauern.“

Die Booz & Company-Studie zeigt allerdings auch: Jeder zweite Entscheidungsträger definiert seine Auswahlkriterien für die Bewilligung von F&E-Projekten bedeutend strikter. Vier von zehn legen ein erhöhtes Risikobewusstsein in Bezug auf Forschungsinvestitionen an den Tag und sind früher bereit, Projekte mit unzureichender Performance einzustellen.

Sieben von zehn Unternehmen orientieren sich mit ihren F&E-Ausgaben stärker an veränderten, preissensitiveren Kundenbedürfnissen.

Unternehmen aus Elektronik-, Gesundheits- und Automobilindustrie sind im Branchenvergleich
F&E-Spitze

Zwei Drittel der globalen F&E-Ausgaben konzentrierten sich auf drei Branchen: Elektronik/Computer mit 27%, Gesundheit/Pharma mit 23% sowie Automobil mit 16%. Obgleich Automobilunternehmen im Branchenvergleich zu den Top-Innovatoren gehören, erfolgen hier die größten Einschnitte: 60% der Unternehmen kürzen ihre F&E-Investitionen, unter den Top 10 sind es sogar 90%. Dabei zeigt das Beispiel diese Branche, welche existenzbedrohenden Konsequenzen Fehlentscheidungen beim Innovationsmanagement haben können. „Automobilhersteller, die in den letzten Jahren an Kundenbedürfnissen wie verbrauchsarmen Fahrzeugen und alternativen Antriebsformen vorbei entwickelt haben, stehen heute mit dem Rücken zur Wand“, so Stefan Eikelmann. „Trotz einbrechender Umsätze müssen die Konzerne nun immense F&E-Investitionen schultern, damit sie im Technologiewettbewerb um die effizientesten Hybrid- und Elektroantriebe nicht den Anschluss verlieren.“

Im Bereich Elektronik/Computer liegt die Steigerungsrate gegenüber dem Vorjahr bei 4%. Die höchste Innovationsintensität, also das Verhältnis des Innovationsetats zum Umsatz, besteht im Gesundheitssektor mit 12%, gefolgt von Software/Internet mit 11,4%. Die schwächsten Industriezweige – Telekommunikation sowie Chemie/Energie - rangieren zwischen 0,9 und 1,4%. Die einzige Branche mit sinkenden Forschungsausgaben ist die Luft- und Raumfahrtindustrie sowie der Verteidigungssektor mit einem Rückgang von 2,3%.

Schwellenländer haben Nachholbedarf und erhöhen F&E-Ausgaben drastisch – Elf deutsche Unternehmen befinden sich unter den globalen Top 100
Wie Booz & Company im internationalen Vergleich feststellt, klafft zwischen Industrie- und Schwellenländern eine Innovationslücke. 94% der Player aus der globalen Innovations-Champions League sitzen in Nordamerika (Steigerung 6,5%), Europa (Steigerung 6,3%) oder Japan (Steigerung 0,5%). Aus China und Brasilien schaffen es gerade einmal 15 bzw. drei Unternehmen unter die ersten 1.000. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhen diese Länder ihre F&E-Ausgaben 2008 jedoch drastisch um 27,6% bzw. 18,7%.

Auf das Siegertreppchen der „Global Innovation 1000“ schaffen es auch diesmal wieder Toyota, Nokia und Roche. Die Plätze vier bis zehn gehen an Microsoft, General Motors, Pfizer, Johnson & Johnson, Ford, Novartis und Sanofi-Aventis. In der globalen Innovationselite sind mit Siemens (15), Volkswagen (17), Daimler (26), BMW (28), Bayer (32), SAP (54), Continental (57), BASF (60), Merck (72), Porsche (92) und ThyssenKrupp (95) elf deutsche Unternehmen vertreten. „Die meisten deutschen Unternehmen haben in der Rezession nicht am falschen Ende gespart und konsequent an ihren Innovationsprogrammen festgehalten. Aktuell sehen wir vielerorts wieder eine deutliche Zunahme der F&E-Budgets. Gute Voraussetzungen also, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen“, so das Fazit von Stefan Eikelmann.

Design der Studie "Global Innovation 1.000" von Booz & Company:
Für die Studie identifiziert Booz & Company die Top 1.000 der globalen Unternehmen, die ihre F&E-Ausgaben veröffentlichen. In einem zweiten Schritt wurden für die Studie die wichtigsten Finanz-, Umsatz-, Ertrags-, Kosten- und Profitabilitätskennzahlen der vergangenen sechs Jahre analysiert und in Zusammenhang mit den historischen Ausgaben für F&E gebracht. Die Zuordnung der Unternehmen zu Regionen folgt der Angabe des Unternehmenssitzes. Die F&E-Ausgaben, die Siemens etwa in den USA tätigt, fließen somit in die Region Europa ein.

Erstmals führte Booz&Company in diesem Jahr eine internetbasierte Umfrage unter 300 Top-Managern und F&E-Experten in 250 Unternehmen durch, um den Einfluss der Rezession auf F&E-Ausgaben und Strategien besser einschätzen zu können.