Düsseldorf, 11.02.2009
Deutscher Mobilfunk- und Festnetzmarkt vor weiterer Konsolidierung

Gesättigter Markt und fallende Preise sorgen für Umsatzrückgang in den Kernmärkten/ Rezession übernimmt Katalysatorfunktion für Marktbereinigung / Video, Musikdownloads, mobile Datendienste und mobile Finanzdienstleistungen werden mittelfristig zu zentralen Wachstumstreibern

Die zunehmende Marktsättigung sowie weiter fallende Preise führen in der deutschen Telekommunikationsindustrie zu deutlichen Verschiebungen und einer weiteren Konsolidierungs- bzw. Übernahmewelle. Nur wenige Telekommunikationsanbieter realisieren durch die Zusammenschlüsse erhebliche Kostenvorteile im Netz- und Servicebetrieb. Eine konsolidierte Kundenbasis lastet die Festnetz-, Breitband- und Mobilfunknetze besser aus. Mit derartig optimierten Strukturen gehen die großen Netzbetreiber strategisch gestärkt aus der aktuellen Situation hervor. Für den anstehenden Ausbau der Glasfasernetze und die Infrastruktur für den neuen Mobilfunkstandard „Long Term Evolution“ (LTE) muss die Telekommunikationsbranche in den kommenden Jahren erhebliche Investitionen schultern. Gleichzeitig sinkt der Umsatz in den Kernmärkten der bisher von zweistelligen Zuwachsraten verwöhnten Mobilfunk- und Festnetzanbieter im Schnitt um 1,1,% bis 2012. Damit reduziert sich der Gesamtumsatz in Deutschland für klassische Sprach- und Datendienste trotz der signifikant ansteigenden transportierten Volumina von 44,3 Mrd. Euro in 2008 auf 42,4 Mrd. Euro in 2012. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, welche die internationale Strategieberatung Booz & Company unmittelbar im Vorfeld des World Mobile Congress in Barcelona vorstellte.

Rezession übernimmt Katalysatorfunktion für Marktbereinigung
Attraktive Infrastruktur oder stabiler Cash-Flow durch die vorhandene Kundenbasis machen zudem viele der bisher unabhängigen kleineren Anbieter für strategische Investoren attraktiv. „Die scharfe Rezession wird eine Katalysatorfunktion für die notwendige Marktkonsolidierung und Strukturanpassung der Telekommunikationsindustrie übernehmen. Auf dem Breitbandmarkt gehen vor allem kleine und infrastrukturfreie Anbieter durch Übernahmen und Zusammenschlüsse in größeren Einheiten auf“, so Dr. Roman Friedrich, Partner und Telekommunikationsexperte bei Booz & Company. Die Mobilfunk- und Festnetzanbieter erweisen sich dank des Grundbedürfnischarakters ihrer Angebote und des soliden Cash-Flows als vergleichsweise krisenresistent. Große Chancen bieten sich für Akteure, die eine solide Bilanzstruktur vorweisen können. Nur diese können jetzt in den dringend erforderlichen Ausbau der Netze investieren. „Durch Übernahmen, Zusammenschlüsse und Kooperationen lassen sich für die Netzbetreiber noch weitere Skaleneffekte erzielen. Gleichzeitig ermöglichen neue Netzbetriebsmodelle wie Outsourcing, Netzwerk-Sharing oder die Integration des Festnetz- und Mobilfunk-Netzbetriebs deutliche Kostensenkungen um bis zu 30%“, erklärt Friedrich.

Preisverfall drückt auf die Marge
Diese Kostensenkungen sind dringend notwendig. Denn die Booz & Company- Studie prognostiziert, dass der Trend zu Flatrateangeboten und der zunehmende Preiskampf den durchschnittlichen Preis für eine Mobilfunk-Gesprächsminute
von aktuell 13 Cent bis Ende 2012 auf etwas über 9 Cent senken wird. Bei der mobilen Datenübertragung fallen die Preise bis 2012 sogar um ca. 30%, während das Übertragungsvolumen gleichzeitig um 45% zunehmen wird. Diese erodierenden Umsätze können Anbieter nur mit neuen Erlösquellen durch innovative Inhalte und Services wie Musik- und Videodownloads, Navigationsdienste oder technische Lösungen für mobile Finanzdienstleistungen kompensieren. Darüber hinaus ergibt sich durch die aktuell eingeschränkte Reisetätigkeit gerade im Geschäftskundenbereich die Chance, Videokonferenzen und Teleworking zum endgültigen Durchbruch zu verhelfen. „Am Ende der Rezession wird die Telekommunikationsindustrie sich komplett verändert haben: Die starken und finanziell solide aufgestellte Anbieter können – nicht zuletzt durch Akquisitionen – Marktanteile in einem weitgehend gesättigten Markt hinzugewinnen. Die schwachen, kleinen Player werden vom Markt verschwunden sein“, so Friedrich.

Weitere Ergebnisse der Studie:

  • Bei zunehmenden Erfolg von Festnetz- und Mobilfunkpaketen lassen sich gleichzeitig die Betriebskosten pro Kunde um 3-4% senken und damit die Profitabilität in der gleichen Größenordnung steigern.
  • Booz & Company prognostiziert eine Aufwertung der Dienstepalette durch Zusatzpakete wie Navigation, Musikdownloads oder Mobile Video zu den Sprach- und Zugangsangeboten. Dabei werden auch diese Dienste über
    gestaffelte Pauschalangebote im Markt platziert werden.