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Truckstop in den Industrienationen: 71% der weltweit produzierten LKWs werden in Schwellenländern verkauft

Vorbei die Zeiten von Trucker-Romantik und Countrymusik – Die Zukunft der LKW-Branche liegt nicht auf amerikanischen Highways, sondern in den Schwellenländern: In der globalen Perspektive wächst der Markt für LKWs jedoch weiter kontinuierlich. Bis 2020 wird die Zahl der verkauften Fahrzeuge jährlich um 3,7% von 2,8 in 2013 auf dann 3,6 Millionen ansteigen. In den vergangenen Jahren kam es jedoch zu dramatischen Verschiebungen der Anteile unterschiedlicher Wirtschaftszonen am globalen Markt für LKWs: Wurden 2006 noch 27% aller weltweit produzierten Trucks in der NAFTA, also Mexiko, den USA und Kanada, abgesetzt, schrumpfte dieser Anteil bis 2013 auf 15%. Ähnliches gilt für die Märkte in West- und Mitteleuropa, deren Anteil von 17% in 2006 auf 11% 2013 sank. Auch in den Industrieregionen Ostasiens – Japan, Hong Kong, Singapur, Südkorea und Taiwan – wurden 2006 noch 6%, im vergangenen Jahr aber nur noch 4% aller neuproduzierten LKWs verkauft. Damit liegt der Marktanteil dieser sogenannten Triade, also der drei grössten Wirtschaftsräume der Welt, die NAFTA, die EU und das industrialisierte Ostasien, bei nur noch 30%. Dagegen waren die BRIC-Staaten in den vergangenen Jahren die grossen Wachstumsmärkte. Dort werden mittlerweile 55% der fabrikneuen LKWs abgesetzt. Die übrigen Kleinstmärkte, wie Indonesien, die Türkei und Südafrika, nehmen insgesamt 15% der LKWs ab. Nach den vergangenen Jahren des Wandels bleibt die regionale Markt- und Absatzkonstellation zumindest bis 2020 weitgehend stabil. Die einzige relevante Veränderung: Auf Kosten der BRIC-Staaten und der ostasiatischen Industrieländer bauen die sonstigen Märkte ihren Marktanteil verkaufter Trucks bis 2020 um 3 Prozentpunkte auf 18% aus. Die Branche muss sich also darauf einstellen, dass sich mit 71% fast drei Viertel des weltweiten Marktes für LKWs ausserhalb der etablierten Industrienationen abspielen wird.
Das sind einige der zentralen Ergebnisse der aktuellen Studie „The Truck Industry 2020 – How to move in moving markets“, der internationalen Managementberatung Management Engineers at Strategy&, ehemals Booz & Company. Die Studie beleuchtet die zurückliegende und künftige Entwicklung der Absatzmärkte für LKWs mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über sechs Tonnen.

Eine weitere Erkenntnis der Marktanalyse lautet: Die Premiumqualität der LKW-Hersteller aus der Triade ist auf den bedeutenden BRIC-Märkten schwer abzusetzen. Michael W. Rüger, Partner und Automobilexperte bei Strategy&, fasst die Trends der kommenden Jahre zusammen: „Auch die künftige Entwicklung spielt Produzenten aus den Industrienationen nicht gerade in die Hände. So fällt nach unseren Berechnungen und Einschätzungen von Marktexperten der Marktanteil für Premium-Trucks in Brasilien bis 2020 von heute 53% auf 46%. In Indien und China bleiben Premium-LKWs auch 2020 ein absolutes Nischenprodukt mit einem Anteil von 2% bzw. 1%. OEMs aus der Triade sollten auch in den BRIC-Staaten auf keine grossen Zugewinne in diesem hochpreisigen und margenstarken Marktsegment hoffen.“ Sowohl in den BRIC-Staaten, als auch auf den Zukunftsmärkten der übrigen Schwellenländer bringen den Herstellern Premiumfunktionen, Komfort und Design kaum Marktanteile. Hier zählen vor allem der Preis und eine robuste Bauweise. „Truck-OEMs aus den Industrieländern müssen schnell reagieren: Der Marktanteil der Premium-LKWs, auf dem sie die eigenen Kernkompetenzen voll ausspielen können, ist in den vergangenen Jahren geschrumpft und Besserung ist nicht in Sicht. In den Zukunftsmärkten der Schwellenländer zählen andere Qualitäten: LKWs müssen dort vor allem günstig sein und viel aushalten – Eine besondere Stärke chinesischer und indischer Hersteller“, so Rüger. Der für 2020 erwartete Produktionsüberschuss von 13% in China und 10% in Indien treibt die dortigen OEMs zusätzlich zum Export in die wachsenden Märkte der Schwellenländer. Die Anforderungen in den Heimatländern der LKW-Produzenten und in den Wachstumsmärkten ähneln sich dabei signifikant – ein klarer Wettbewerbsvorteil. Allerdings kämpfen LKW-Produzenten aus China und Indien mit ihren ganz eigenen Schwächen: Sie verfügen weder über hinreichende globale Lieferketten, noch über Verkaufs- und Servicenetzwerke. Auch sind sie bei der Anpassung ihrer Fahrzeuge an gesetzliche Standards in den Zielmärkten unerfahren. Dies wiederum sind klassische Stärken von Unternehmen aus den hochentwickelten Heimatmärkten der Triade.

Man sieht: Indische und chinesische OEMs auf der einen und Produzenten aus der Triade auf der anderen Seite besitzen jeweils strukturelle Stärken und Schwächen hinsichtlich ihrer Fähigkeit, auf die Wachstumsmärkte zu expandieren. Fredrik Vernersson, Mitautor der Studie und Berater bei Strategy&, meint dazu: „Der Wettlauf um die Pole-Position auf den aufstrebenden Märkten für LKWs ist im vollen Gange. Dabei stehen hochentwickelte Premiumfahrzeuge und eine exzellente globale Vernetzung auf der einen, marktgerechte und günstige ‚Packesel‘ auf der anderen Seite im Vordergrund. Langfristig erfolgreich werden die Anbieter sein, die ihre Produkte klar auf die jeweiligen Markterfordernisse abstimmen: Low-Budget-Trucks für die Schwellenländer, Premium-LKWs für die Industrienationen und dazu eine breite internationale Aufstellung.“


Presse- und Medienkontakt

Jan Liepold
LoeschHundLiepold Kommunikation GmbH
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