Zürich, 07.03.2013
Tourismus-Ranking: Schweiz verteidigt Spitzenplatz

Gemeinsame Studie des World Economic Forum und Booz & Company zur Wettbewerbsfähigkeit der Tourismusindustrie / Tourismussektor in vielen Ländern mit zunehmender Bedeutung für die Wirtschaft / Europäische Länder dominieren die Top-20 / Wettbewerb um Touristen wird härter

Laut dem aktuellen „Travel & Tourism Competitiveness Report“ kann die Schweiz ihre Spitzenposition behaupten und gilt nach wie vor als Tourismusweltmeister. Sie führt das Ranking vor Deutschland und Österreich an. Mit Top-3-Plätzen für den öffentlichen Verkehr, die Hotelinfrastruktur, die Verfügbarkeit von gut ausgebildetem Personal, die landschaftliche Schönheit und die Sicherheit kann die Schweiz ihren Preisnachteil (Rang 139 von 140 Ländern) mehr als wettmachen. Carlos Ammann, Geschäftsführer von Booz & Company in der Schweiz, sagt zum Ergebnis: „Die Studie zeigt, dass die Schweiz für eine erfolgreiche Tourismusdestination im internationalen Vergleich nach wie vor über hervorragende Voraussetzungen verfügt. Sie zeigt aber auch, dass der Vorsprung geringer wird, und es immer schwieriger wird, den eklatanten Preisnachteil auszugleichen. Um diesen Vorsprung zu halten, tun die Schweiz und die Schweizer Tourismusindustrie gut daran, ihre Stärken auf nachhaltige und innovative Art und Weise weiterzuentwickeln und nicht auf allenfalls kurzfristig wirkende Strukturerhaltungsmassnahmen zu setzen.“

Zunehmende Volatilität als Herausforderung für Tourismusindustrie weltweit
Bereits zum fünften Mal erstellt das World Economic Forum in strategischer Partnerschaft mit der internationalen Strategieberatung Booz & Company die alle zwei Jahre erscheinende globale Tourismusstudie. Der Report listet in einem Index 140 Staaten nach ihrer Wettbewerbsfähigkeit im Reise- und Tourismussektor auf. Die Analyse untersucht beispielsweise die Bereiche Sicherheit und Gesundheit, Infrastruktur, Preisniveau, kulturelles Angebot, Umweltschutz sowie die regulatorischen Rahmenbedingungen. Im Fokus in diesem Jahr steht – neben dem Tourismus als ökonomischer Wachstums- und Jobmotor – die Frage, wie sich Länder in einer immer schneller ändernden Welt langfristig als attraktive Reisedestination positionieren können. „Instabilität ist die neue Realität. Es wird für Tourismusziele immer wichtiger, sich schnell auf volatile Marktbedingungen und langfristige Trends einzustellen“, so Jürgen Ringbeck, Senior Partner und Tourismusexperte bei Booz & Company .

Das Beispiel Spanien zeigt, dass eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit im Tourismus trotz einer anhaltenden wirtschaftlichen Krise möglich ist. Das Land konnte seine Position aus 2011 um vier Plätze verbessern und liegt nun auf Position 4. Im Gegensatz zu Spanien konnte Frankreich seinen Rang 3 nicht halten und büsst vier Plätze ein. Wie wichtig aber trotz Krise stabile Rahmenbedingungen für den Tourismus sind, sieht man an Ägypten: Der politische Umsturz führte zu erheblichen wirtschaftlichen Einbussen für die gesamte Tourismusindustrie des Landes. Ägypten musste zehn Plätze abgeben und liegt nun auf Rang 85.

Mit knapp 10% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts bleibt die Tourismusindustrie ein Hauptfaktor für Wachstum und Beschäftigung. „Die Tourismusentwicklung wird in einigen Ländern zur ökonomischen Schicksalsfrage. Ein stabiler Tourismussektor kann hier der entscheidende Faktor sein, wirtschaftliche Krisensituationen zu überwinden“, sagt Ringbeck.

Weltweite Gewinner und Verlierer
Wie bereits im Report 2011 konnte Europa auch in diesem Jahr den Kontinental-Vergleich für sich entscheiden: mit insgesamt 13 Ländern in den Top-20 und den ersten fünf Platzierungen (Schweiz vor Deutschland, Österreich, Spanien und Grossbritannien) liegen die europäischen Länder klar an der Spitze. Bei der Bewertung profitieren sie im Wesentlichen von kulturellen und landschaftlichen Ressourcen. Hinzu kommt die sehr gute Infrastruktur – sei es innerhalb der Städte oder die Anbindung der Flughäfen – sowie ein hohes Mass an Sicherheit. „Der Wettbewerb der Länder wird massiv zunehmen“, ist sich Ringbeck sicher. „Immer mehr Länder setzen gezielte Tourismusstrategien um und etablieren sich in lukrativen und nachhaltigen Nischen.“

Zu den Gewinnern des Travel & Tourism Competitiveness Index (TTCI) gehören Panama (von 56 auf 37) und Armenien (von 90 auf 79). Bei Letzterem wurden in vielen Segmenten Verbesserungen festgestellt. Unter anderem im tourismus-spezifischen Arbeitsmarkt, im Bereich Sicherheit, aber auch politische Rahmenbedingungen und Vorschriften haben sich geändert, so zum Beispiel die Visabestimmungen zur erleichterten Einreise. Im Falle von Panama ist die positive Entwicklung primär auf Verbesserungen der Infrastruktur zurückzuführen: zu einem erweiterten Angebot an Hotelzimmern kommt der Ausbau der Verkehrsanbindungen (Schienen- wie Luftverkehr). Auch Japan konnte sich stark verbessern: Das Land macht insgesamt acht Plätze gut und rangiert nun auf Position 14. Diese Entwicklung zeigt, dass sich das Land als Tourismusdestination bereits heute gut von der Fukushima-Krise erholt hat. Die zahlreichen kulturellen Sehenswürdigkeiten, die vielen internationalen Messen und Ausstellungen, besonders aber die extrem kundenorientierte Kultur und der stete Ausbau der Informations- und Kommunikationstechnik sind wesentliche Stützen für den Tourismus und verhelfen dem Land zu dieser Platzierung.

Tourismusdestinationen müssen sich stärker differenzieren
Laut den Experten von Booz & Company müssen sich die Länder zukünftig noch mehr auf ihre individuellen Stärken konzentrieren und diese weiter ausbauen, um sich im wachsenden Wettbewerb der Tourismusdestinationen zu behaupten. Die wesentlichen Differenzierungshebel sehen sie vor allem bei den investitions- und sektorspezifischen Rahmenbedingungen sowie bei einem konsequenten Schwerpunkt auf ökologischer Nachhaltigkeit. Darüber hinaus spielen auch „weiche Faktoren“, wie beispielsweise qualifizierte Arbeitskräfte oder Offenheit gegenüber Touristen eine Rolle. „Die einzelnen Destinationen rücken was die Wettbewerbsfähigkeit betrifft immer näher zusammen. Dadurch entstehen für den Reisenden immer mehr Auswahlmöglichkeiten bei der nächsten Reiseplanung. Heute führende Länder werden auch leichter austauschbar. Eine kontinuierliche Förderung des Tourismussektors mit ständigem Rückbezug auf Markt- und Wettbewerbsumfeld ist daher für nachhaltiges Wachstum essentiell“, sagt Ringbeck .

click to enlargeÜber die Studie
Insgesamt wurden weltweit 140 Staaten unter Zuhilfenahme von mehr als 60 Variablen untersucht. Diese berücksichtigten u.a. gesetzliche Regulierungen, Sicherheit und Gesundheit, Infrastruktur, das lokale Preisniveau sowie kulturelle Aspekte. Ausserdem wurden die Faktoren Umweltschutz und Reiseverkehr untersucht .
Der komplette Report sowie die einzelnen Auswertungen können hier heruntergeladen werden: www.weforum.org/ttcr.