Zürich, 14.04.2015
Sichere Chefsessel: vergleichsweise niedrige CEO-Fluktuation in der Schweiz

In den Chefetagen der grössten börsenkotierten Unternehmen in der Schweiz, Deutschland und Österreich herrscht ausgesprochene Kontinuität – auch im weltweiten Vergleich: So musste im vergangenen Jahr gerade einmal jeder zehnte CEO eines börsenkotierten Grossunternehmens in dieser Region seinen Posten zugunsten eines Nachfolgers räumen. Im internationalen Vergleich verzeichnet die Schweiz gemeinsam mit Deutschland und Österreich damit die wenigsten Führungswechsel. Hierzulande liegt die aktuelle Wechselquote mit 10,1% zudem deutlich unter dem Vorjahreswert von 17%. In Westeuropa stieg die Quote von 12,9% auf 14,3% und ist damit identisch mit dem globalen Durchschnittswert. Die japanische Wirtschaft hat mit 11,6% ebenfalls eine vergleichsweise geringe CEO-Fluktuation. In Nordamerika verharrte die Quote bei ebenso moderaten 13,2%. Deutlich mehr Stühlerücken gab es dagegen in den Chefetagen der BRIC-Staaten: In China mussten 15%, in Brasilien, Russland und Indien sogar 15,9% der dortigen CEOs ihren Chefsessel räumen. Im direkten Branchenvergleich zeigt sich ein klares Bild: Mit weltweit 24% Wechselquote gab es in der Telekommunikationsindustrie die meisten Führungswechsel.

Die guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des vergangenen Jahres verstärkten offensichtlich den Trend zur langfristig geplanten und gut vorbereiteten Nachfolgeregelung für CEOs. So fanden weltweit 78% der Chefwechsel in den Unternehmen wie geplant statt. In der Schweiz liegt die Quote der geplanten Wechsel sogar bei 83%. Das sind die zentralen Ergebnisse der „2014 Study of CEOs, Governance, and Success“ der internationalen Managementberatung Strategy&, Teil des PwC-Netzwerks. Die Studie untersucht in ihrer vierzehnten Ausgabe sowohl die jährlichen als auch die langfristigen Veränderungen in den Chefetagen der 2500 weltweit grössten börsenkotierten Unternehmen.

Dazu Andreas Lenzhofer, Partner bei Strategy& in Zürich: „Die Schweizer Chefetagen erwiesen sich 2014 als sehr stabil und gewohnt international. So haben 44% der 2014 neu installierten CEOs in den grössten Schweizer Unternehmen einen ausländischen Pass. Weltweit liegt der Anteil neuer ausländischer CEOs bei lediglich 15%.“ Dennoch steht die Führungsspitze der Wirtschaft weltweit über alle Branchen hinweg strukturell wie personell vor einer immensen Umwälzung. „In den kommenden Jahren stehen Themen wie Industrie 4.0 und Smart Data ganz oben auf der Strategieagenda. Vor diesem Hintergrund brauchen die Konzerne dringend auch an der Unternehmensspitze fundiertes Digital Know-how und Mut zum Umdenken. Durch kürzere Innovationszyklen und die Implementierung digitaler Geschäftsmodelle werden sich die Anforderungen an CEOs zunehmend verändern“, so Lenzhofer.

Führungserfahrung von aussen ist gefragt
Das Profil eines neu ernannten CEOs ist heute wesentlich diversifizierter als noch vor einigen Jahren. So stieg der Anteil extern rekrutierter CEOs in der Schweiz gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozentpunkte auf nun 40% und liegt somit weit über dem globalen Wert von 22%. Des Weiteren haben 40% aller neuen Schweizer Chefs bereits operative Erfahrung in anderen Branchen gesammelt.

Frauenanteil in den Chefetagen noch immer gering
Auch in diesem Jahr untersuchte die Studie den Frauenanteil bei den CEOs. Zwar stieg der Anteil von Frauen unter den neu ernannten CEOs um zwei Prozentpunkte, erreicht insgesamt aber dennoch nur magere 5% weltweit. „Diese Zahl ist nach wie vor ernüchternd, aber wir gehen weiterhin davon aus, dass sich dies in den kommenden Jahren grundlegend verändern und bis zum Jahr 2040 ein Drittel aller neu ernannten CEOs weiblich sein wird“, so Lenzhofer. Obwohl sich die beruflichen Profile von weiblichen und männlichen CEOs ähneln, verlieren Frauen häufiger als Männer ihren CEO-Posten: So mussten in den vergangenen elf Jahren 32% der weiblichen CEOs ihre Stelle räumen, bei den Männern hingegen waren es nur 25%.

Über die Studie
Strategy& (ehemals Booz & Company) untersuchte in der Studie „2014 Study of CEOs, Governance, and Success“ die 2500 weltweit grössten börsenkotierten Unternehmen. Für den deutschsprachigen Raum wurden ergänzend die 300 grössten Unternehmen in dieser Region analysiert. Es flossen sowohl die Performance der Unternehmen zum Zeitpunkt der Ablösung als auch die Art und Weise des Ausscheidens des CEOs ein. Aussagen über Trends und Entwicklungen beziehen sich auf die bereits vorgelegten Strategy&-Studien zu CEO-Ablösungen aus den jährlichen Studien ab 2000.