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Mangelnde Therapietreue kostet Volkswirtschaft Milliarden

Weit verbreitete chronische Krankheiten verursachen Produktivitätsausfälle in Milliardenhöhe / Höchster Produktivitätsverlust durch Depression und chronische Rückenschmerzen / Durch verbesserte Therapietreue der Mitarbeitenden können Unternehmen Produktivität deutlich steigern

Das Nicht-Einhalten von Therapien belastet die Volkswirtschaften mit Milliarden. Die von der internationalen Strategieberatung Booz & Company in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung erstellte StudieEffekte einer gesteigerten Therapietreue” kommt zum Ergebnis, dass mangelnde Therapietreue bezüglich Medikamenteneinnahme, Diäten oder Verhaltensweisen zu einem volkswirtschaftlichen Schaden von EUR 38 bis 75 Milliarden in Deutschland, EUR 28 bis 50 Milliarden in Grossbritannien und EUR 9 bis 13 Milliarden in den Niederlanden führen. Für die Schweiz, die nicht Teil der Studie war, schätzen die Experten von Booz & Company mit der Studienmethodik auf Basis verfügbarer Daten den volkswirtschaftlichen Schaden auf CHF 6 bis 11 Milliarden. Besonders ins Gewicht fällt dieser Effekt bei Volkskrankheiten wie Depression und Rückenschmerzen. Die Produktivitätseinbussen aufgrund von wiederholten Fehlzeiten oder Arbeitsunfähigkeit wiegen bei diesen  Krankheitsbildern für Arbeitgeber besonders schwer.

Dieser Schaden könnte vermieden werden, wenn chronisch kranke Arbeitnehmer bei der Bewältigung und Behandlung ihrer Krankheit besser unterstützt würden. Wirksame Massnahmen zur Verbesserung der Therapietreue und -wirksamkeit setzen sowohl an den Lebensumständen als auch am Verhalten der Betroffenen an. Matthias Bünte, Partner und Healthcare-Experte von Booz & Company in der Schweiz erklärt: „Der durch mangelnde Therapietreue angerichtete Schaden geht auch in der Schweiz in die Milliarden. Um diesen Schaden zu verhindern, braucht es dringend ganzheitliche Ansätze in der Therapiebegleitung. Neben entsprechenden Anreizsystemen für Patienten, Ärzte und Pflegepersonal können auch Krankenversicherungen und Arbeitgeber einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Situation leisten. Die damit zu erreichende Produktivitätssteigerung käme allen zugute.“

Individualisierte Therapiebegleitung als zentraler Kostenhebel
Als einen wichtigen Hemmschuh identifiziert die Studie, dass es bisher kaum ausgereifte Ansätze für eine individualisierte und ganzheitliche Therapiebegleitung gibt. „Aktuelle Angebote beschränken sich auf generische Prävention und schrittweise Wiedereingliederungspläne nach der Krankheit. Das Kernproblem ist jedoch, dass die Berufswelt  und die Therapie unverbunden nebeneinander stehen“, so Bünte.

Dabei ist das Potenzial hinsichtlich systemischer Verbesserungen in diesem Segment auch für die Schweizer Volkswirtschaft immens. Schliesslich leiden in der Schweiz unter der erwerbsfähigen Bevölkerung im Alter von 16 bis 65 Jahren rund 9% an Bluthochdruck, 9% an chronischen Rückenschmerzen, 11% an COPD/Asthma, 8% an Depressionen und 1% an Rheumatoid Arthritis. Die Zahlen zu diesen fünf ausgewählten chronischen Erkrankungen untermauern die zentrale Empfehlung der Studie, dass sowohl die Arbeitgeber als auch die Sozialversicherung konsequent in wirksame therapiebegleitende Massnahmen eingebunden werden müssen.

Gerade bei chronischen Krankheiten spielt neben der verordnungsgemässen Einnahme der Medikamente oft die langfristige Umstellung der Lebensgewohnheiten eine entscheidende Rolle. „Patienten müssen von der Notwendigkeit einer solchen Umstellung überzeugt sein und gemeinsam mit dem Arzt die Entscheidung über die individuelle Ausgestaltung der Therapie treffen“, so Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Patienten dürften mit dieser Herausforderung nicht allein gelassen werden. Eine umfassende Patienteninformation, Coaching-Programme, aber auch der Austausch mit anderen Betroffenen über spezielle Netzwerke sind von grosser Bedeutung. Neben Krankenkassen und Unternehmen muss sich auch der Gesetzgeber seiner Verantwortung in diesem wichtigen Feld bewusst werden, die sich nicht auf den Bereich der Akutversorgung beschränkt. „Um die vorhandenen Potenziale für Patienten und Volkswirtschaft zu realisieren, bedarf es dringend eines ressortübergreifenden Vorgehens der Politik in Abstimmung mit den Sozialpartnern und den relevanten Akteuren des Gesundheitswesens“, so Mohn.

Das Fazit der Studie: Gelingt zur Optimierung der Therapietreue und -wirksamkeit eine konzertierte Aktion von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, verbessert dies nicht nur die Genesungschancen chronisch Kranker, sondern senkt auch die volkswirtschaftlichen Kosten dieser Krankheiten.

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