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Global ICT 50-Studie: IT-Services und Systemintegration verlieren strategische Bedeutung im Kampf um digitale Märkte

Booz & Company-Analyse der 50 weltweit grössten ICT-Unternehmen belegt erhebliche Marktverschiebungen zugunsten von Software-, Hardware- und Internetunternehmen

Global ICT 50-Studie erstmals veröffentlicht / IT-Services und Telekommunikationsunternehmen in der Wachstums- und Ertragskrise / Wachstumsoptionen liegen vor allem in der Digitalisierung von Wertschöpfungsketten sowie in Schwellenländern

Die Effekte der zunehmenden Digitalisierung führen weltweit zu teilweise dramatischen Verschiebungen bei Geschäftsmodellen und in der Anbieterstruktur der ICT-Industrie. Telekommunikationsunternehmen, IT- Hardware- und Technologieunternehmen sowie IT-Service-Provider kämpfen mit Software- und Internet-Konzernen in oft überlappenden Servicebereichen um Marktanteile und den Erhalt ihrer Geschäftsmodelle. In diesem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb verwischen die Branchengrenzen zunehmend. Nur wenige ICT-Geschäftsmodelle erzielen in diesem Umfeld gute Wachstumsraten und Top 10 Global-ICT-50-StudieProfite: Lediglich Softwareanbieter wie Microsoft, Oracle oder SAP sowie Internetunternehmen wie Google, die einen innovativen Technologiekern mit ICT-Services kombinieren, erwirtschaften dabei ein jährliches Umsatzwachstum von über 10% bei komfortablen EBIT-Margen von über 25%. In ähnliche Wachstums- und Ertragsregionen schaffen es lediglich Offshore-IT-Service-Provider wie TCS, Infosys und Wipro sowie wenige global agierende Hardware- und Infrastrukturanbieter wie HP oder Cisco. Auf der anderen Seite ringen die meisten klassischen, eher regional orientierten IT-Service-Provider und Telekommunikationsunternehmen um Marktanteile und stecken derzeit vielfach in einer strukturellen Wachstums-, Innovations- und Ertragskrise. So stagnieren in beiden Branchen Wachstum wie Erträge seit fünf Jahren.
Das sind einige der wichtigsten Ergebnisse der heute veröffentlichten Studie „Global ICT 50“ von Booz & Company. Für diese hat die internationale Strategieberatung die zentralen Trends, erfolgskritischen Fähigkeiten und die Performance der 50 grössten Anbieter im globalen ICT-Markt untersucht.

Für das Ranking wurden vier Dimensionen untersucht und in einem aggregierten Score verdichtet. Dieser gibt die relative Stärke angesichts der Marktanforderungen sowie eigener Ressourcen und Fähigkeiten wieder: (1) Die finanzielle Ertrags- und Investitionskraft, (2) Angebots- und Portfoliostruktur von klassischen IT-Basisleistungen bis zu integrierten Lösungen für die nächste Generation der „Digital Economy“, (3) Innovationsgrad und Positionierung in Wachstumsmärkten sowie (4) quantitative wie qualitative Analyse der Vertriebsorientierung. „Im aktuellen ICT-Umfeld bleibt kein Stein mehr auf dem anderen. Besonders aggressiver Wettbewerb entsteht durch Over-the-Top-Anbieter wie Apple und Google. Diese generieren über die konventionellen Branchengrenzen hinweg Wertschöpfung und machen den etablierten Playern ihre angestammten Marktpositionen und -anteile mit neuen Geschäftsmodellen und Angeboten wie Cloud Services, Tablet-PCs und digitalen Inhalten bzw. Diensten streitig“, so Olaf Acker, Partner und ICT-Experte von Booz & Company.

IT-Services und Systemintegration verlieren Umsatzanteile und Bedeutung
Das sich daraus ergebende Ranking wird angeführt von den Softwareriesen Microsoft und Oracle (aggregierter Ranking-Score 2,9 auf einer Skala von 0 bis 4) gefolgt von IBM (2,8). Mit HP (2,6), Cisco (2,5) und Apple (2,4) folgen Hardware- bzw. infrastrukturzentrierte Anbieter auf den Plätzen 4 bis 6. Diese Spitzengruppe ist damit im Wettbewerb vergleichsweise sehr gut strategisch aufgestellt. Zudem verdeutlicht die Studie: Das Branchenmantra der letzten Jahre, die Unternehmensstrategie auf IT-Services und Systemintegration auszurichten und dafür eigene Hardware-Angebote abzustossen, verliert im Zeitalter der Digitalisierung seine Berechtigung. „Wir erachten vielmehr Anbieter als besonders aussichtsreich, die ein integriertes Lösungs-Ökosystem rund um ein starkes Hard- oder Software-Kernangebot sowie dafür massgeschneiderte Dienste und Inhalte offerieren können“, so Alex Koster, Mitglied der Geschäftsleitung von Booz & Company in Zürich. Im Hinblick auf Ertragskraft, Innovation für die digitale Zukunft und Marktabdeckung schlagen Ökosystem-Player wie Microsoft mit seinem integrierten Cloud-Angebot oder Oracle mit dem breitem Enterprise-App-Portfolio und den speziell auf die eigene Hardware abgestimmten Datenbankanwendungen die IT-Service-Anbieter, die sehr viel stärker in einem klassischen, weniger integrierten Leistungs- und Altlösungsportfolio verwurzelt sind. Insbesondere regional ausgerichtete IT-Service-Player weisen in der Global ICT 50-Analyse erheblichen strategischen Nachholbedarf auf.

BRIC-Staaten liefern Wachstumsphantasien für ICT-Industrie
Die Booz & Company-Studie zeigt aber auch, in welchen Regionen sich künftig ICT-Wachstum generieren lässt. Zwar entspricht das Umsatzvolumen der BRIC-ICT-Märkte heute lediglich 10% der aktuellen Top 5-Märkte USA, UK, Japan, Deutschland, Frankreich. Bei anhaltendem Wachstum verdoppelt sich der BRIC-Anteil allerdings binnen zehn Jahren auf ca. 20%. Bereits heute werden diese Märkte von Software-, OTT- und HW-Playern aggressiv bedient. IT Service-Provider und Telekommunikationsunternehmen stehen derzeit noch hinten an, wobei letztere zusätzlich durch geschäftsmodellimmanente hohe Investitionshürden - etwa bei Mobilfunklizenzen oder beim Aufbau einer eigenen Netzinfrastruktur – in ihrer geographischen Expansion limitiert sind.
Auch bei der Innovationsstrategie und den damit verbundenen Investitionen in integrierte bzw. digitalisierte Branchen- oder funktionale ICT-Lösungen geht die Schere zwischen den Anbietergruppen extrem weit auf. So investieren die Top-10 der in der Studie untersuchten weltweit führenden Soft- und Hardware-Unternehmen zusammen mehr als 50 Milliarden Euro pro Jahr in Forschung und Entwicklung (F&E). Im Vergleich dazu steht den Top-20 der analysierten klassischen IT-Service-Provider in Summe lediglich ein Siebtel dieses Betrages als F&E-Budgets zur Verfügung. In Folge dessen geraten sie in eine Abhängigkeit und sind kaum in der Lage, aktiv Entwicklungen voranzutreiben. „Wenn regionale IT-Serviceprovider und Telkos in der digitalen Zukunft nicht am Innovationstropf der Hard- und Softwareanbieter hängen wollen, müssen sie jetzt zeitnah die entscheidenden Fähigkeiten entwickeln, um ihre Angebote zu Ökosystemen weiterzuentwickeln und daran über Partnerschaften oder Akquisitionen zu partizipieren. Das wiederum erfordert den Ausbau ihrer Fähigkeiten für strategisches Partner- bzw. M&A-Management und eine klare anorganische Innovations- und Wachstumsstrategie, beispielsweise für kombinierte Cloud- und Netzlösungen, Security- oder Endgeräte-Management“, so das Fazit von Acker.

Über die Methode der Studie:
Für die Global ICT 50-Studie hat Booz & Company die vier Teilbranchen des Digitalen Anbieter-Marktes – Hardware, Software, Telekommunikation und IT Services – zum ersten Mal in einer gemeinsamen Studie untersucht. Die Studienergebnisse und das Global ICT 50-Ranking basieren dabei auf der Analyse von öffentlich verfügbaren Datenquellen insbesondere zu Finanzparametern, Angebots- und Portfoliostruktur, Innovationsgrad und Vertriebsorientierung. Diese Kernbereiche wurden nach quantitativen und qualitativen Kriterien bewertet und ergeben einen konsolidierten Scorewert für das jeweilige Unternehmen, von dem sich auch das Branchen und Top-10-Ranking ableitet.