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Steuerabkommen beschleunigen Konsolidierung im Schweizer Private Banking

Durch die Abgeltungssteuer-Abkommen mit Deutschland und Grossbritannien wird der Schweizer Finanzplatz rund CHF 47 Mrd. an Vermögen und insgesamt CHF 1,1 Mrd. an Ertrag verlieren. Zusammen mit den durch die Steuerabkommen verursachten Implementierungskosten und dem anhaltend schwierigen Marktumfeld wird dies die Konsolidierung im Schweizer Private Banking weiter beschleunigen und zu einer irreversiblen strukturellen Veränderung der Branche führen. Langfristig bieten die Steuerabkommen in der Schweiz tätigen Banken und Vermögensverwaltern aber eine gute Basis, um auch künftig mit einer fokussierten, auf Qualität und Performance ausgerichteten Strategie im grenzüberschreitenden Geschäft mit vermögenden Kunden erfolgreich und profitabel zu arbeiten.

Die internationale Strategieberatung Booz & Company hat im Rahmen einer Studie die Auswirkungen der mit Deutschland und Grossbritannien ausgehandelten Steuerabkommen auf den Schweizer Finanzplatz untersucht und daraus Schlüsse für die notwendigen Anpassungen für in der Schweiz tätige Banken und Vermögensverwalter gezogen.

Schweizer Finanzplatz verliert CHF 47 Mrd. an Vermögen und CHF 1,1 Mrd. an Ertrag

Booz & Company geht davon aus, dass als Folge der beiden Steuerabkommen von den Ende 2010 auf dem Finanzplatz Schweiz verwalteten Offshore-Vermögen in Höhe von CHF 2‘050 Mrd. rund CHF 47 Mrd. (2,3%) abfliessen werden. Dies hat unmittelbar einen Ertragsrückgang von CHF 600 Mio. zur Folge. Gleichzeitig wird unter dem neuen Steuerregime auch der Druck auf die Margen zunehmen. Insgesamt wird dies zu einem Ertragsrückgang von CHF 1,1 Mrd. führen, was etwa 4% der gesamten im Schweizer Private Banking erzielten Erträge entspricht. Ähnliche Steuerabkommen mit weiteren westeuropäischen Ländern könnten diese Zahlen verdoppeln. Zum Ertragsrückgang kommen die Kosten für die Implementierung der Steuerabkommen. Allein die einmaligen Kosten werden auch bei kleineren Banken auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt.

Carlos Ammann, geschäftsführender Partner von Booz & Company in der Schweiz und Leiter der globalen Wealth Management Practice: „Aufgrund der anhaltend ungünstigen Marktbedingungen arbeiten in der Schweiz heute schon viele Privatbanken und Vermögensverwaltungsinstitute mit Kosten-Ertrags-Verhältnissen von über 80%. Die zusätzlichen Belastungen auf der Ertrags- und der Kostenseite durch die jetzt stattfindenden strukturellen Veränderungen des Geschäfts verschlechtern dieses Verhältnis noch einmal deutlich. Ich bin deshalb überzeugt, dass sich die angefangene Konsolidierung im Schweizer Private Banking beschleunigt fortsetzen wird.“

Kurzfristig: Weitere Kostenreduktionen und Fokussierungen zu erwarten

Die nachhaltig reduzierten Ertragsmöglichkeiten und die zusätzlichen Kosten zwingen die Banken und Vermögensverwalter zu weiteren Kostensenkungen und zur Anpassung ihrer Geschäftsmodelle. Es ist damit zu rechnen, dass verschiedene Anbieter sich auf einzelne Teile der Wertschöpfung konzentrieren und nicht mehr von der Kundenberatung, über die Produktentwicklung und das Risikomanagement bis hin zur Abwicklung alles selber machen werden. Durch den weiter steigenden Druck werden sie vermehrt Dienstleistungen von Spezialisten in Anspruch nehmen oder in verschiedenen Bereichen nach gemeinschaftlichen Lösungen suchen.

Langfristig: Potenzial für Swiss Private Banking mit neuen Qualitäten vorhanden

Die Untersuchung hat aber auch gezeigt, dass von den Veränderungen in der Schweiz andere Finanzplätze wie beispielsweise Singapur nicht direkt profitieren werden. Booz & Company geht davon aus, dass der Schweizer Finanzplatz in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung auch künftig eine führende Rolle spielen wird. Die durch die Steuerabkommen gesicherte Privatsphäre der Kunden spielt dabei nach wie vor eine Rolle, wenn auch bei weitem nicht mehr im gleichen Ausmass und mit einer fundamental anderen Ausprägung als das bisherige Bankkundengeheimnis. Schweizer Anbietern muss es insbesondere gelingen, sich bei sehr reichen Kunden als Gesamtdienstleister zu etablieren, der in der Lage ist, deren Bedürfnisse über verschiedene Standorte hinweg in Übereinstimmung mit allen relevanten rechtlichen Vorschriften zu erfüllen. Durch den Wegfall des Steuervorteils gewinnen Servicequalität und vor allem auch Performance signifikant an Bedeutung. Andreas Lenzhofer, Partner bei Booz & Company und verantwortlich für die Studie: „Schweizer Banken und Vermögensverwalter müssen sich in ihrem Angebot klar differenzieren und sich auf ihre Stärken konzentrieren. Um dies kosteneffizient zu tun, werden sich die meisten Anbieter auf bestimmte Kunden und Märkte fokussieren müssen. Ganz sicher braucht es Investitionen in die Beratungskompetenz, damit beim Kunden ein echter Mehrwert entsteht.“

Die komplette Studie steht hier zum Download bereit.