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Unternehmen investieren wieder mehr in Forschung und Entwicklung - Roche mit dem höchsten F&E-Budget weltweit

Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) in 2010 weltweit um 9% gestiegen / Roche führt Rangliste der Unternehmen mit den höchsten F&E-Ausgaben zum zweiten Mal hintereinander an / Als innovativste Firmen gelten Apple, Google und 3M / Eine innovationsorientierte Unternehmenskultur macht Firmen nachweislich erfolgreicher

Nach den krisenbedingten Einschnitten in 2009 sind die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) in 2010 weltweit wieder deutlich gestiegen. Dies zeigt die 7. „Global Innovation 1000“-Studie der internationalen Strategieberatung Booz & Company. Diese untersucht jährlich das Verhalten der 1000 Unternehmen mit den weltweit höchsten F&E-Budgets.

Über drei Viertel (77%) des Anstiegs der F&E-Budgets in 2010 um USD 46,8 Milliarden bzw. 9% auf USD 550 Milliarden entfallen auf die Branchen Computer/Elektronik, Gesundheit/Pharma und Automobil. Die von der Studie erfassten 27 Schweizer Unternehmen steigerten ihre F&E-Ausgaben um 8% auf USD 28,3 Milliarden. Zwei Drittel davon entfallen auf die beiden Pharma-Riesen Roche und Novartis. Während Roche wie im Vorjahr die Spitzenposition belegt, stiess Novartis von Platz 6 auf Platz 3 vor. Mit Pfizer (2) und Merck & Co (5) sind zwei weitere Unternehmen aus der forschungsintensiven Pharma-Branche in den Top-5. Diese wird komplettiert durch Microsoft auf Platz 4 (Vorjahr: 2). Nokia, im Vorjahr noch auf Platz 3, rangiert neu auf Platz 8. Weitere Schweizer Unternehmen in den Top-100 sind STMicroelectronics (52) und Nestlé (90).

Carlos Ammann, Geschäftsführer von Booz & Company in der Schweiz, kommentiert: „Die Erhöhung der weltweiten Ausgaben für Forschung und Entwicklung in 2010 ist mehr ein Nachholeffekt als eine echte Steigerung der Innovationskraft. Die F&E-Intensität, das Verhältnis von F&E-Ausgaben zum Umsatz, ist nämlich leicht zurückgegangen. Unsere Studie zeigt zudem klar auf, dass es vor allem eine Frage der Unternehmenskultur ist, ob aus F&E-Ausgaben tatsächlich am Markt verwertbare Innovationen entstehen.“

Digitalisierung treibt Innovationen
Die zunehmende Digitalisierung weiter Lebensbereiche verändert die Markt- und Machtverhältnisse fast aller Branchen. Demnach verwundert es nicht, dass bei den weltweiten F&E-Budgets der grösste Anteil (28%) auf die Computer- und Elektronikindustrie entfällt und die Software- und Internet-Industrie mit 11% nicht nur das grösste Wachstum sondern mit 13% auch die höchste F&E-Intensität (Verhältnis von F&E-Ausgaben zu Umsatz) aufweist. Unternehmen aus dem Bereich Gesundheit/Pharma, die nicht weniger als vier der Top-5-Positionen besetzen, tragen mit 22% den zweitgrössten Anteil zu den Gesamtausgaben bei. Die Automobilindustrie steuert mit 15% den drittgrössten Anteil zu den weltweiten F&E-Ausgaben bei. Nach der deutlichen Reduktion im Vorjahr erhöhte die Branche die F&E-Ausgaben in 2010 wieder um 8%. Allerdings fiel diese Erhöhung bei Toyota mit knapp 1% nur zögerlich aus und der langjährige Spitzenreiter des Booz-Ranking fiel von Platz 4 auf Platz 6 zurück. General Motors (9) und Volkswagen (14) hingegen erhöhten ihre Ausgaben in diesem Bereich deutlich um 16% bzw. 19%.

Die regionalen Unterschiede sind markant. Nach den krisenbedingten Einschnitten in 2009 erhöhten insbesondere nordamerikanische Unternehmen ihre F&E-Ausgaben im vergangenen Jahr deutlich um über 10%. Der Anstieg bei Unternehmen aus Europa und Japan fiel mit 6% und 2% deutlich moderater aus. Bei Unternehmen aus China und Indien lag das Wachstum der F&E-Ausgaben mit 38% auf gleich hohem Niveau wie im Vorjahr. Die F&E-Ausgaben in diesen Ländern haben sich damit in den letzten beiden Jahren praktisch verdoppelt, der Anteil an den Gesamtausgaben beträgt aber immer noch nur rund 2%. Der grösste Anteil der gesamten F&E-Ausgaben fällt nach wie vor auf Unternehmen in Nordamerika (38%), gefolgt von Europa (30%) und Japan (23%).

Vier Schweizer Unternehmen in Top-100
Die 27 in der Studie erfassten Schweizer Unternehmen investierten USD 28,3 Milliarden in F&E, was 5% der gesamten F&E-Ausgaben der Top-1000-Unternehmen ausmacht. Die Schweizer Unternehmen liegen damit in Europa hinter den deutschen und den französischen Firmen auf dem bemerkenswerten dritten Platz, was die grosse Bedeutung des F&E-Bereichs für den Wirtschaftsstandort Schweiz unterstreicht. Im Gegensatz zur globalen Entwicklung haben die Schweizer Unternehmen die F&E-Intensität in 2010 auf 8.2% gesteigert.

Der Schweizer Pharma-Konzern Roche investierte in 2010 mit USD 9,6 Milliarden weltweit am meisten in F&E. Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr beträgt 1,5%. Die F&E-Intensität liegt bei Roche bei über 21% und damit deutlich höher als bei allen anderen Unternehmen auf den Spitzenpositionen. Novartis weist gegenüber dem Vorjahr ein Wachstum um über 21% auf USD 9,1 Milliarden auf, was das Unternehmen von Platz 6 der Rangliste auf Platz 3 bringt. Die F&E-Intensität liegt bei Novartis bei 18%.

Neben Roche und Novartis tauchen noch der in Genf ansässige Halbleiterproduzent STMicroeletronics und der Nahrungsmittelmulti Nestlé in den Top-100 auf. STMicroeletronics verbesserte sich trotz eines leichten Rückgangs der F&E-Ausgaben um weitere 5 Plätze auf Rang 52. Nestlé verliert drei Plätze und liegt neu auf Platz 90. Bei diesen beiden Unternehmen zeigen sich branchentypische Unterschiede: Die F&E-Intensität bei STMicroelectronics liegt bei 23%, bei Nestlé beträgt sie 1%. ABB ist aus den Top-100 herausgefallen und neu auf Platz 107 zu finden, dicht gefolgt von Syngenta auf Position 116.

Carlos Ammann: „Dass sich die Schweizer Wirtschaft trotz der konjunkturellen Abschwächung und dem extrem starken Franken in den letzten Monaten so robust gezeigt hat, ist vor allem auch der Beweis für die enorme Innovationskraft der Schweizer Unternehmen, die einzigartige Produkte und Dienstleistungen hervorbringt. Diese Innovationskraft muss die Schweiz unbedingt stärken, will sie ihren Wohlstand mittel- und langfristig erhalten. Das starke Wachstum der Ausgaben von Forschung und Entwicklung in China und Indien unterstreicht die Ambitionen der Unternehmen aus diesen Ländern.“

Apple, Google und 3M gelten als innovativste Unternehmen
Als Teil der Studie befragte Booz & Company 600 internationale Führungskräfte über alle untersuchten Industrien hinweg und bat diese darum, die aus ihrer Perspektive innovativsten Wettbewerber zu benennen. Wie im letzten Jahr qualifizierten sich Apple, Google und 3M in diesem Sonder-Ranking für die Plätze eins bis drei; Facebook steigt als Newcomer auf Platz 10 ein.

Vergleicht man die als am innovativsten wahrgenommenen Firmen mit den Unternehmen mit den höchsten F&E-Ausgaben über die letzten fünf Jahre, stellt man fest, dass die erste Gruppe gleich in drei Kategorien überlegen ist: beim Umsatzwachstum, bei der operativen Marge und beim Wertzuwachs gemessen an der Marktkapitalisierung. Von den zehn Unternehmen mit den höchsten F&E-Ausgaben schaffen es nur Microsoft, Samsung und Toyota auch im Ranking der als innovativ geltenden Unternehmen in die Top-10.

Carlos Ammann: „Unsere Studie verdeutlicht, dass sich erfolgreiche Neuentwicklungen nicht einfach durch hohe F&E-Investitionen erzwingen lassen. Neben den Ressourcen bedarf es einer Unternehmenskultur, die Innovation höchste Priorität einräumt. Nur mit einer übergeordneten und konsequenten F&E-Strategie lassen sich den Markt nachhaltig verändernde Entwicklungen realisieren.“ Dies ist gemäss der Studie jedoch längst nicht überall der Fall. So gaben 36% der Befragten an, dass die Unternehmenskultur ihre verabschiedete Innovationsstrategie nicht unterstütze.

Design der Studie „Global Innovation 1.000" von Booz & Company:
Für die Studie identifizierte Booz & Company die Top-1.000 der globalen Unternehmen, die ihre F&E-Ausgaben veröffentlichen. In einem zweiten Schritt wurden für die Studie die wichtigsten Finanz-, Umsatz-, Ertrags-, Kosten- und Profitabilitätskennzahlen der vergangenen sieben Jahre analysiert und in Zusammenhang mit den historischen Ausgaben für F&E gebracht. Die Zuordnung der Unternehmen zu Regionen folgt der Angabe des Unternehmenssitzes. Die F&E-Ausgaben, die Siemens etwa in den USA tätigt, fließen somit in die Region Europa ein.