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Aufschwung bremst Wechselkarussell in Chefetagen

Zehnte Ausgabe der „Global CEO-Succession“-Studie der internationalen Strategieberatung Booz & Company

Nur noch jedes dreizehnte grosse kotierte Schweizer Unternehmen wechselte 2010 seinen Chef / Führungskontinuität in Schweizer Chefetagen liegt deutlich über globalem und europäischem Durchschnitt / Wachstumsregionen verändern Kräfteverhältnis im weltweiten Ranking der Konzerne

Der wirtschaftliche Aufschwung sorgt für mehr Kontinuität in den Schweizer Chefetagen. Räumte 2009 fast jeder fünfte CEO in der Schweiz freiwillig oder unfreiwillig seinen Stuhl, war es in 2010 gerade noch jeder dreizehnte. Die Wechselquote hat sich binnen eines Jahres von 18% auf 8% stark reduziert, damit liegt die Schweiz unter dem europäischen und dem globalen Wert. Während die CEO-Wechselquote weltweit lediglich von 14% auf 11% fiel, sank sie europaweit um fünf Prozentpunkte von 15% auf 10%. Die höchste Wechselquote weist Japan mit 19% auf. Im benachbarten Boommarkt China erhielt dagegen nur 5% der häufig staatlich geführten Unternehmen eine neue Führungsspitze.

Weltweit erfolgten gerade noch 19% aller Wechsel unfreiwillig, was dem tiefsten Stand seit 2003 entspricht. Während in der Schweiz 2009 noch mehr als ein Drittel der CEOs ihre Position gezwungenermassen an einen Nachfolger übergeben mussten, erfolgten die Wechsel in 2010 grösstenteils geplant. Auch bei den Branchen zeigte sich 2010 ein verändertes Bild. Bei den im Vorjahr noch stark betroffenen Schweizer Industrieunternehmen und ihren Zulieferern ist eine Stabilisierung eingetreten, hier ist die Wechselquote von 33% auf 8% zurückgegangen. Auch die Bank- und Versicherungswirtschaft konnte zwei Jahre nach dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise etwas ruhiger arbeiten. Die CEO-Wechselquote in der Schweiz lag hier gerade noch bei 8%.

Das sind die zentralen Ergebnisse der „CEO-Succession“-Studie der internationalen Strategieberatung Booz & Company. Diese analysiert die Veränderungen an der Spitze der 2‘500 weltweit grössten börsenkotierten Unternehmen und vergleicht die Daten mit den historischen Werten aus mittlerweile elf aufeinanderfolgenden Jahren.

Volatile Managementkarrieren
Die Studienergebnisse zeigen, dass sich die Karrieren im Topmanagement trotz der Stabilisierung nach der Krise zunehmend volatil und wenig planbar entwickeln. „Mit der wirtschaftlichen Erholung kehrt zwar wieder mehr Ruhe und langfristiges Denken im Top-Management ein. Die durchschnittliche Verweildauer der CEOs hat sich jedoch weltweit seit 2000 um 18 Monate oder rund 20% auf 6,6 Jahre verkürzt“, so Carlos Ammann, Geschäftsführer von Booz & Company in Zürich. „Kaum ein Unternehmenslenker hat heute länger als sieben Jahre Zeit, den Erfolg seiner strategischen Entscheidungen unter Beweis zu stellen – dies gilt auch für die CEOs, deren Karrieren geplant verlaufen.“

Interne CEOs besonders erfolgreich
Beim Vergleich der Erfolgsbilanz externer Kandidaten („Outsider“) mit denen der internen Nachfolger („Insider“) in der Position des CEOs war global eine Tendenz in den letzten Jahren auffällig: CEOs aus den eigenen Reihen schienen eine grössere Akzeptanz zu geniessen und erzielten bessere Ergebnisse. Diese Diskrepanz zwischen Insidern und Outsidern hat sich in 2010 weiter verstärkt. Weltweit waren 81% aller neu ernannten CEOs Insider. Während Insider eine durchschnittliche Aktienrendite von 4,6% erreichten, brachten es Outsider nur auf 0,1%. Auch scheinen Outsider eher durch den Verwaltungsrat entlassen zu werden als Insider. Im globalen Vergleich waren das mit 41% gegenüber 20% mehr als doppelt so viele. Diesem Trend entsprechend schenken auch Schweizer Unternehmen den Insidern besonderes Vertrauen: Zwei Drittel der in 2010 neu ernannten CEOs waren Insider.

Neues Kräfteverhältnis in der weltweiten Unternehmenselite
2010 stammten erstmals knapp die Hälfte der 2‘500 untersuchten Unternehmen nicht aus den USA und Westeuropa. Mit 29% ist die USA zwar nach wie vor die stärkste Wirtschaftskraft, doch die Emerging Markets machen mit 27% bereits über einen Viertel der grössten Weltkonzerne aus. Im Jahr 2000 lag diese Quote noch bei 7%. Der Anteil der Unternehmen aus Brasilien, Indien und China an den untersuchten 2‘500 Top-Playern ist seit der Jahrtausendwende durchschnittlich um 24% pro Jahr gewachsen. Diese Entwicklung wird sich weiter fortsetzen. Allein ein Fünftel der neuen globalen Blue Chips stammt mittlerweile aus China. Carlos Ammann: „Mit der zunehmenden Globalisierung und der aufstrebenden Konkurrenz aus neuen Märkten sehen wir in den Konzernen einen klaren Trend zu einer stärkeren Internationalisierung der Führungsgremien. Ein Blick in die Schweizer Chefetagen zeigt, dass diese Entwicklung hierzulande schon weit fortgeschritten ist.“

Weitere Informationen zur „Global CEO-Succession“-Studie von Booz & Company finden Sie hier >

Zur vorliegenden Untersuchung:
Booz & Company untersuchte in der Studie „Global CEO Succession 2010" die 2‘500 weltweit grössten börsenkotierten Unternehmen. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz wurden ergänzend die 300 grössten Unternehmen in dieser Region analysiert. Es flossen sowohl die Performance der Unternehmen zum Zeitpunkt der Ablösung als auch die Art und Weise des Ausscheidens des CEO ein. Aussagen über Trends und Entwicklungen beziehen sich auf die bereits vorgelegten Booz & Company-Studien zu CEO-Ablösungen aus den Jahren 1995, 1998, sowie die jährlichen Studien ab 2000. Seit 2007 bezieht die Studie auch die Performance jener beteiligten Firmen ein, in denen kein CEO-Wechsel stattfand.