Zürich, 05.11.2008
Konsumprognose 2009: Massive Einbrüche in den Vereinigten Staaten / Privater Konsum in der Schweiz zurzeit stabil

Booz & Company-Studie zeigt signifikanten Einbruch des Konsumklimas in den USA / Privater Konsum in der Schweiz weiterhin als wichtige Konjunkturstütze / Strategieberater sagen FMCG-Bereich und Out-of-Home-Entertainment-Branche in den USA deutlichen Einbruch voraus / Krise wird Marktkonsolidierung beschleunigen

Laut einer aktuellen Studie der internationalen Strategieberatung Booz & Company ist das Konsumverhalten in den USA in den letzten sechs Monaten stark zurückgegangen. Mehr als jeder dritte Verbraucher spart insbesondere bei häufigen und alltäglichen Ausgaben, etwa Restaurantbesuchen, Autofahrten und Gebrauchsgütern. Zudem beabsichtigen US Bürger, ihre Ausgaben noch stärker einzuschränken, sollte sich die allgemeine Wirtschaftslage weiter verschlechtern. Gespart würde dann auch an grösseren und langfristigeren Anschaffungen wie Elektrogeräten, Fitnessclub-Mitgliedschaften oder gar Kinderspielzeug.

38% der Verbraucher achten bei ihrem Einkauf bereits heute auf Sonderangebote und reduzierte Ware, 32% entscheiden sich für günstigere Lebensmittel-Marken. Ebenfalls 32% bevorzugen preiswertere Läden sowie Discounter. Laut Studie beschränken sich US-Bürger auch in ihren Freizeitaktivitäten: 28% der Befragten nutzen häufiger kostenlose Freizeitangebote, 26% verzichten auf Konzert- und Theaterbesuche. Auch für die Ferien gilt das Gebot der Sparsamkeit: Über 28% haben die Zahl ihrer Urlaube drastisch reduziert oder nehmen billigere Angebote wahr; d.h. reisen nicht mehr weit weg.

Laut Booz & Company bereiten sich die US-Bürger auf weitere Einschnitte vor. Zwei Drittel der Befragten gaben an, noch aggressivere Sparmassnahmen vorzunehmen, sollte sich die Wirtschaftslage innerhalb der nächsten sechs Monate nicht verbessern oder gar weiter verschlechtern. Diese Pläne gelten für grosse Anschaffungen – danach wollen etwa 22% den Autokauf verschieben – ebenso wie für Alltägliches. So werden 35% der US-Konsumenten den Besuch von Coffee Shops deutlich reduzieren.

Auch für die Schweiz verändertes Konsumverhalten in 2009 zu erwarten

Nach der vorliegenden Studie verabschiedet sich ein Gros der US-Bürger von ihrem kreditfinanzierten Konsumverhalten der letzten Jahre und plant mehr Aktivitäten in den eigenen vier Wänden. In der Schweiz ist ein vergleichbarer Trend noch nicht zu beobachten. Zwar sank auch der hiesige Konsumentenstimmungsindex gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) im Vergleich zur Frühjahreserhebung stark, doch erwies sich der private Konsum nach wie vor als eigentliche Wachstumsstütze in der ersten Jahreshälfte.

Die insgesamt prognostizierte Stagnation des allgemeinen Wirtschaftswachstums kann allerdings auch nicht durch den vorwiegende binnenmarktgestützten privaten Konsum verhindert werden. So rechnet auch das Konjunkturforschungsinstitut der ETH Zürich (KOF) mit einer Rezession im Winter. Dies insbesondere, da sich den letzten Wochen und Monaten vor allem die Geschäftserwartungen der exportorientierten Industrie stark eingetrübt haben, zumal die Schweiz hier stark von den Entwicklungen in Deutschland und anderen wichtigen Abnehmerländern abhängt.

„Was den privaten Konsum betrifft, so wird dieser trotz der Unsicherheit an den Finanzmärkten im Jahr 2009 nicht in dem Masse einbrechen wie in den USA. Doch verschlechtert sich auch hierzulande die Konsumentenstimmung, was sich in einem rückläufigen Konsumverhalten auswirken wird“ so Carlos Ammann, geschäftsführender Partner von Booz & Company in der Schweiz. In der Tat erwartet die Mehrheit der Konjunkturforscher für die Schweiz immer noch ein stabiles Wachstum der privaten Konsumausgaben von rund 1.9%, wobei man für 2009 von einem klaren Wachstumseinbruch auf rund 1.1% (KOF) bzw. 1.6% (SECO) - für den privaten Konsum - ausgeht. So gestaltet sich die Situation in der Schweiz zurzeit immer noch wesentlich positiver als jene in den USA.

Verhalten optimistisch geben sich in der Schweiz zurzeit auch noch die Detailhändler, deren Umsätze immer noch florieren. Im Gastgewerbe stagnieren diese aber bereits, ebenso wie die Immatrikulation neuer Personenwagen. Auch die Luxusgüterbranche könnte in den nächsten Monaten verstärkt betroffen sein. Zumal einerseits auf Luxusgüter in der Krise am ehesten verzichtet werden kann, und andererseits Kunden der Luxusgüterbranche wie Banker, Manager oder Unternehmer zurzeit besonders stark von der Finanzkrise betroffen sind.

Doch weist Ammann darauf hin: „Auch Unternehmen in der Schweiz, welche aktuell unzureichend finanziert sind und auf Basis der positiven Wachstumsprognosen vom Frühjahr 2008 auf steigenden Konsum gewettet haben, werden die Krise deutlich zu spüren bekommen.“
 

Zur vorliegenden Untersuchung:
Im Rahmen der repräsentativen Untersuchung in den USA wurden 1000 US-Haushalte quer über alle Einkommens- und Altersgruppen befragt. Kriterien waren zudem die Arbeitsverhältnisse/ Angestelltenstatus sowie die Anzahl der in den Haushalten lebenden Kinder. Befragt wurden die Mitglieder der Haushalte, die für die finanziellen Entscheidungen verantwortlich sind.
Booz & Company kam es vor allem darauf an, das Konsumverhalten der Verbraucher anhand grober Ausgabenkriterien im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Situation zu untersuchen. Gegenstand der Untersuchung waren sowohl bereits getroffene Veränderungen des Konsumverhaltens als auch potenzielle Sparmassnahmen, sollte sich die wirtschaftliche Lage nicht verbessern oder sogar verschlechtern. Insgesamt wurden mit einem Dutzend grober Ausgabenkategorien 120 spezifische Sparmassnahmen erfasst.