Wien, 30.10.2012
Globale F&E-Etats legten um 9,6% zu, europäische nur um magere 5,4%

Verkürzte Innovationszyklen erfordern massive Investments / Wie schon im Vorjahr sind die Branchen IT & Elektronik, Pharma sowie Automobil die stärksten Innovatoren / Vier österreichische Unternehmen in den Top 1.000 vertreten / Toyota, Novartis und Roche mit den weltweit größten Budgets

2011 wuchsen die globalen Budgets für Forschung und Entwicklung (F&E) um 9,6% und zeigten so eine klare Fortsetzung des schon 2010 beobachteten starken Wachstums (9,3%) nach Überwindung des Krisenjahrs 2009. Allerdings erhöhten sich die europäischen F&E Ausgaben lediglich um 5,4%, Österreich liegt mit 6,6% über diesem Wert. Deutschland steigerte seine Forschungsausgaben um rekordverdächtige 14,8% und erweist sich so mitten in der Eurokrise als das Paradebeispiel für eine antizyklische Investitionsstrategie in Produkt- und Marktinnovationen. Damit beläuft sich Deutschlands kumuliertes F&E Volumen auf 44,3 Mrd. US$ oder 7,4% (2010: 7,0%) der weltweiten F&E Investitionen von 603 Mrd. US$. Deutschland liegt somit im europäischen Vergleich weiterhin klar vor Frankreich (32,3 Mrd. US$; + 8,8%) und der Schweiz (30,2 Mrd. US$; + 6,7%).

Österreich mit vier Unternehmen im Ranking vertreten
Insgesamt werden auch diesmal die internationalen Top-10 von Automobil-, Pharma- und IT & Elektronik-Konzernen dominiert. Toyota gelang nach zwei Jahren die erfolgreiche Rückkehr vom sechsten auf den ersten Platz. Auf Rang zwei und drei folgen mit Novartis und Roche zwei Pharmakonzerne. Vorjahressieger Roche reduzierte 2011 seine Innovationsbudgets auf 9,43 Mrd. US$ und rutscht so um zwei Positionen ab. Auf Pfizer auf dem vierten Platz folgt Microsoft. Die Positionen sechs bis neun gehen an Samsung, Merck & Co, Intel und General Motors. Der Vorjahressechste Nokia fällt auf Rang 10 zurück.
Österreich ist mit vier Unternehmen im „Global Innovation 1.000“ Ranking vertreten: voestalpine (536), Andritz (820), Zumtobel (898) und AMS AG (984). Letztere kam erst dieses Jahr hinzu, dafür hat es die letztes Jahr auf Platz 723 vertretene Intercell AG heuer nicht in das Ranking geschafft.

Das sind die zentralen Ergebnisse der heute lancierten „Global Innovation 1.000“-Studie der internationalen Strategieberatung Booz & Company. Diese untersuchte zum 8. Mal in Folge die Budgets und Strategien der tausend Unternehmen mit den weltweit höchsten F&E-Ausgaben.

Produkt- und Innovationszyklen verkürzen sich drastisch
Ein wichtiger Treiber für die massiven Investitionszuwächse bei den F&E-Ausgaben ist die in vielen Branchen enorm beschleunigte Produktentwicklung. „Die Halbwertszeit vieler Produkte hat sich in den letzten Jahren gerade in einigen forschungsintensiven Industrien stark verkürzt. Die Innovationsstrategie muss hier natürlich angepasst werden, um keine Kunden zu verlieren. Mit anderen Worten müssen die F&E-Budgets zum Teil erheblich aufgestockt und effektiv eingesetzt werden“, sagt Klaus Hölbling, Partner und Geschäftsführer von Booz & Company Österreich. „Eindeutige Beispiele sind IT & Elektronikhersteller sowie die Pharma- und Automobilindustrie – Innovationszyklen sind hier wesentlich kürzer. Kein Wunder also, dass alleine diese Branchen für zwei Drittel der weltweiten F&E-Investments verantwortlich zeichnen.“

Hinzu kommt, dass signifikantes Absatzwachstum derzeit fast ausschließlich in Schwellenländern wie Indien und China generiert wird. Gleichzeitig verschärft sich dort der Wettbewerb mit einheimischen Anbietern. „2011 steigerten die in unserer Studie vertretenen Firmen aus China und Indien ihre F&E-Ausgaben durchschnittlich um 27%. In Summe beträgt deren F&E-Budget zwar gerade einmal 2,7% der globalen Innovationsbudgets“, so Hölbling weiter, „aber gleichzeitig erwirtschaften diese Unternehmen bereits 8,5% der im Ranking kumulierten Umsätze. Westliche Unternehmen sind also gezwungen, eine global ausgerichtete Innovationsstrategie zu fahren, wenn Sie weiterhin auf diesen wichtigen Exportmärkten bestehen wollen, und können sich nicht mehr ausschließlich auf ihre Heimatmärkte konzentrieren.“

Apple wirkt maximal innovativ
Neben den tatsächlichen F&E-Erfolgen und Budgets wurde in der Booz & Company Studie auch die öffentliche Wahrnehmung der Innovationskraft der Unternehmen erhoben – teilweise mit überraschenden Ergebnissen: Wie in den vergangenen beiden Jahren belegen Apple, Google und 3M in dieser Wertung die Plätze eins bis drei. Facebook musste hingegen seinen zehnten Platz aus dem Vorjahr wieder für den Onlinehändler Amazon räumen.
Besonders bemerkenswert: In den Top-10 der „gefühlt innovativsten Firmen“ weist ausgerechnet Spitzenreiter Apple mit 2,2% die mit Abstand geringste F&E-Intensität auf. Diese Kenngröße beschreibt das Verhältnis von F&E-Ausgaben zum Umsatz – kurzum: ein eindrucksvoller Beweis, dass Apple mit vergleichsweise niedrigen Investitionen eine maximal innovative Außenwirkung erzielt.

Design der Studie „Global Innovation 1.000" von Booz & Company
Für die Studie identifizierte Booz & Company die Top 1.000 der globalen Unternehmen, die ihre F&E-Ausgaben veröffentlichen. In einem zweiten Schritt wurden für die Studie die wichtigsten Finanz-, Umsatz-, Ertrags-, Kosten- und Profitabilitätskennzahlen der vergangenen sieben Jahre analysiert und in Zusammenhang mit den historischen Ausgaben für F&E gebracht. Die Zuordnung der Unternehmen zu Regionen folgt der Angabe des Unternehmenssitzes. Die F&E-Ausgaben, die Siemens etwa in den USA tätigt, fließen somit in die Region Europa ein.


Presse- und Medienkontakt

Susanne Hudelist
ikp Wien GmbH
Tel. +43/1/524 7790 19
Kontakt >