Wien, 01.06.2012
Jeder zweite österreichische Top-Manager für Ausweitung der Eurozone, jeder dritte fordert Verkleinerung

Österreichs Manager stehen der Währungsunion gespalten gegenüber: 54% sprechen sich für eine Erweiterung der Eurozone aus, 31% fordern allerdings eine Verkleinerung der Eurozone / Nur 3% plädieren für eine gänzliche Abschaffung der Gemeinschaftswährung / 87% sehen konsequenten, zentral gesteuerten Sparkurs als einzigen Weg aus der Krise

Die Abwärtsspirale in Griechenland und die sich andeutende Banken- und Finanzkrise in Spanien und Italien sorgen zunehmend für Verunsicherung in den Vorstandsetagen der europäischen wie der internationalen Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund ist innerhalb Europas jeder zweite hochrangige Entscheider in Sorge um die politische und wirtschaftliche Situation des Wirtschaftsraums. Die Außenperspektive fällt noch negativer aus: In Nordamerika zeigen sich bereits 65% der Wirtschaftslenker sehr besorgt über das Krisenszenario in der alten Welt – in Südamerika sogar 83%. Abhilfe erhofft sich eine große Mehrheit durch die Souveränität der EU in finanzpolitischen Fragen. Drei von vier Konzernlenkern in der EU (74%) würden Fragen der Währungspolitik vorzugsweise auf europäischer und nicht auf nationaler Ebene geregelt wissen. Nur 17% sprechen sich für eine nationale Entscheidungshoheit auf diesem Gebiet aus. Auch bei der Haushalts- und Steuerpolitik genießt die EU das Vertrauen von 65% der Entscheider, während sich 22% durch die nationalen Regierungen besser vertreten sehen.

Österreichische Konzernlenker gespalten
Durchaus überraschend ist die gespaltene Haltung der österreichischen Manager: 31% der österreichischen Top-Manager haben bereits den Glauben an die Eurozone im aktuellen Umfang verloren und votieren für eine Verkleinerung bzw. Abspaltung einer Kern-Eurozone aus Mitgliedsländern mit Spitzenbonität, und weitere 3% plädieren sogar für die Abschaffung der Gemeinschaftswährung. Dem gegenüber steht jedoch eine knappe Mehrheit von 54% der österreichischen Manager, die sich für verstärkte Integration in der derzeitigen Form aussprechen und eine Erweiterung der Eurozone begrüßen würden. Das sind die zentralen Ergebnisse der Studie „Revitalising the European Dream“. Für diese hat die internationale Strategieberatung Booz & Company zusammen mit der Business School INSEAD über 2.000 Top-Manager der weltweit führenden Unternehmen – darunter 60 aus Österreich – nach ihrer Einschätzung der aktuellen wirtschaftspolitischen Situation in Europa und möglichen Wegen aus der Währungs- und Finanzkrise befragt. Die Studie wurde vor rund 550 Teilnehmern der Konferenz „The State of the European Union“ in Brüssel vorgestellt.

Mehr Verantwortung für Europäische Institutionen
Unter den österreichischen und deutschen Managern herrscht Einigkeit bezüglich der zukünftigen Rolle der EU: 87% der befragten Manager in Österreich sprechen sich für einen rigorosen, von der EU geleiteten Sparkurs aus, in Deutschland sind es sogar 96%. Selbst in den südlichen Mitgliedstaaten halten diese Vorgehensweise 65 bis 70% für unumgänglich. „Die Wettbewerbsfähigkeit und Liquidität der EU-Staaten können langfristig nur mit stärkerem Engagement der EU in Steuer- und Haushaltspolitik gelingen. Strukturelle Veränderungen sind hierfür genauso notwendig wie eine höhere Flexibilität der Sozialsysteme. Die Interessen der Mitgliedstaaten müssen verstärkt in Brüssel gebündelt werden Die Meinung der österreichischen Manager unterstreicht hier durchaus die Wichtigkeit der EU als zentrale Koordinierungsstelle, sowie die Stabilitätsvorteile, die sich aus einer integrierten Eurozone ergeben,“ analysiert Klaus Hölbling, Partner und Geschäftsführer bei Booz & Company in Wien die Ergebnisse. „Auffallend ist, dass sich mehr als die Hälfte der österreichischen Top-Manager für eine Erweiterung der Eurozone ausspricht – das ist bedeutend mehr als in Deutschland (25%) oder Frankreich (19%). Gleichzeitig billigen sie der EU einen klaren Vertrauensvorschuss in Sachen transnationaler Politik zu.“

Fiskalpakt und Bildung als Wege aus der Krise
Die von Booz & Company befragten internationalen Manager verkennen aber nicht, dass die Europäische Union noch immer eine sehr reiche Region ist und einige der produktivsten und innovativsten Unternehmen der Welt beheimatet. Doch die Schuldenkrise der letzten Jahre hat das Bild getrübt. 75% der Befragten sind der Meinung, dass die EU-Staaten in punkto Wettbewerbsfähigkeit hinter anderen Regionen wie Asien oder dem Mittleren Osten zurückbleiben. Jeder zweite geht davon aus, dass dieser Rückstand in den nächsten zehn Jahren noch weiter wächst. „Alle sind sich einig, dass ein konsequenter Sparkurs sicherlich notwendig ist, allerdings sind die ebenso wichtigen Strategien für ein langfristiges Wachstum nicht zu erkennen. Wenn nicht bald Konsens für die richtigen Reformen entsteht, wird sich auch die Unsicherheit nicht legen“, meint Hölbling. Hier sehen die Top-Manager vor allem die Europäische Zentralbank gemeinsam mit nationalen Banken und Regierungen in der Pflicht. Auf nationaler Ebene soll mehr Budget in Bildung und Innovation und den weiteren Ausbau der Infrastruktur fließen.


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Susanne Hudelist
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