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Booz & Company Studie Global CEO Succession: Fluktuationsquote verdoppelt sich auf 16,7%

Booz & Company Studie Global CEO Succession Auf die Krise folgt das große Sesselrücken in deutschsprachigen Chefetagen: Fluktuationsquote verdoppelt sich auf 16,7%

Fluktuation in deutschsprachigen Vorstandsetagen liegt über dem europäischen und globalen Durchschnitt / Konzernchefs in der Industrie und Health-Care-Branche stehen massiv unter Druck / Insider-CEOs erzielen bessere Ergebnisse als Outsider

Nach einem krisenbedingten Rekordtief in 2010 kam im vergangenen Jahr wieder enorme Bewegung in die Konzernführungen im deutschsprachigen Raum. Gab 2010 nur jeder elfte Vorstandsvorsitzende seinen Posten freiwillig oder unfreiwillig ab, besetzten die größten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz 2011 jede sechste Spitzenposition neu. Mit einer annähernden Verdopplung der Fluktuationsquote von 8,7% auf 16,7% verzeichnet der deutschsprachige Raum im internationalen Vergleich den stärksten Anstieg. Global wuchs hingegen die CEO-Wechselquote wesentlich moderater von 11,6% auf 14,2%, europaweit von 10,2% auf 14,8%. Damit liegt der deutschsprachige Raum ungefähr gleichauf mit Japan (2011: 16,8%), jedoch deutlich hinter Schwellenländern wie Brasilien, Russland und Indien. Diese weisen nicht nur erstaunliche volkswirtschaftliche Wachstumsraten, sondern mit 22% auch die höchsten CEO-Wechselquoten auf. Insgesamt können sich die deutschsprachigen CEOs mit einer durchschnittlichen Amtszeit von 7,6 Jahren etwas länger im Amt halten als das europäische Mittel mit 6,9 Jahren und geben ihren Top-Job im für Manager fast noch jugendlichen Alter von 56,8 Jahren ab.

Das sind die zentralen Ergebnisse der „Global CEO-Succession 2011“-Studie der internationalen Strategieberatung Booz & Company. Diese hat die Veränderungen in den Top-Positionen der 2.500 weltweit größten börsennotierten Unternehmen nun bereits zum elften Mal untersucht. Dabei werden langfristige Trends und Entwicklungen durch den Vergleich der Daten aus mittlerweile zwölf aufeinanderfolgenden Jahren analysiert.

Deutschsprachige Chefetagen sind die Schleudersitze Europas
Mit der wachsenden Konjunktur sprang 2011 auch das Wechselspiel in den Chefetagen wieder an. „Nach dem Krisenjahr 2009 hatten Aufsichtsräte offensichtlich im darauffolgenden Jahr auf Kontinuität in der Unternehmensführung gesetzt. Die sich seit 2010 positive entwickelnde Konjunktur bietet nun jedoch wieder Anlass durch geplante und geordnete Führungswechsel in Unternehmen den Weg für weiteres Wachstum zu bereiten“, so Klaus Hölbling, Partner und Geschäftsführer bei Booz & Company in Wien. „Da sich die Konjunktur vor allem in Österreich und Deutschland gut entwickelt hat, verwundert es nicht, dass die CEO-Fluktuation hier höher ist als im übrigen Westeuropa bzw. in den USA.“

Neben der steigenden Wechselquote belegt die Studie auch den Trend zu einem zunehmenden Anteil an geplanten Wechseln: So halbierte sich der Anteil der unfreiwilligen Personalrochaden annähernd von 20% in 2010 auf knapp 12% im Jahr darauf. Beispiele für geplante Führungsnachfolgen großer österreichischer Unternehmen finden sich etwa bei OMV, Uniqa, Raiffeisen oder EVN. Im restlichen Westeuropa passierten immerhin 17% der Top-Personalien unfreiwillig sowie vor Ablauf der eigentlichen Vertragslaufzeit.

Ein weiteres Kernergebnis: Sorgten in deutschsprachigen Unternehmen über vier Jahre hinweg extern rekrutierte Vorstandsvorsitzende („Outsider“) konsequent für bessere Ergebnisse als CEOs aus den eigenen Reihen („Insider“), kehrte sich dieses Verhältnis in 2011 radikal um. So erwirtschafteten die Eigengewächse eine durchschnittliche Aktienrendite von 5,1%, während sich die von Outsidern geführten Unternehmen im Schnitt mit 7,7 Prozentpunkten im Minus befanden.

Industrie- und Health-Care-Sektor wechselt das Führungspersonal am häufigsten
Ein entscheidender Konjunkturmotor im deutschsprachigen Raum ist weiterhin die produzierende Industrie mit Aushängeschildern wie Siemens, MAN oder Deutz. In diesem Segment legte die Wechselquote sprunghaft von 4,5% auf 26,1% zu - hier gab es auch absolut gesehen die meisten Wechsel. Die anteilsmäßig höchste CEO-Fluktuation im deutschsprachigen Raum verzeichnete mit 33,3% auch 2011 wieder der Health-Care-Sektor. Bereits 2010 wies dieses Marktsegment mit 26,9% den höchsten Wert aller untersuchten Industrien aus. „Die hohen Wechselquoten in diesen Bereichen lassen sich darauf zurückführen, dass hier eine strategische und strukturelle Neuausrichtung gefragt ist, die unbelastete Topmanager erfordert. Im Gesundheitssystem ist dies getrieben durch fundamentale Änderungen der Rahmenbedingungen wie Gesundheitspolitik oder Patentrecht in Deutschland. Im Industrials-Segment gibt es etwa einige Transportunternehmen, die hier Veränderungen vorantreiben wollen“, so Hölbling. „Für die kommenden Jahre erwarten wir eine ähnliche Entwicklung im Utility-Sektor, der heuer mit einer Wechselquote von 12,5% noch relativ stabil war. Nach der 2011 in Deutschland eingeleiteten Energiewende werden auch hier neue Top-Manager gefragt sein um notwendige Restrukturierungsprogramme zu erarbeiten und umzusetzen.“

Trotz der noch immer schwelenden Finanzkrise wurde in der Bank- und Versicherungswirtschaft nur ungefähr jeder zehnte Unternehmenslenker (11,1%) ausgetauscht. In der eigentlich schnelllebigen IT-Branche sank die Quote sogar von 20% auf 15%.

Zur vorliegenden Untersuchung:
Booz & Company untersuchte in der Studie „Global CEO-Succession 2011“ die 2.500 weltweit größten börsennotierten Unternehmen. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz wurden ergänzend die 300 größten Unternehmen in dieser Region analysiert. Es flossen sowohl die Performance der Unternehmen zum Zeitpunkt der Ablösung als auch die Art und Weise des Ausscheidens des CEO ein. Aussagen über Trends und Entwicklungen beziehen sich auf die bereits vorgelegten Booz & Company-Studien zu CEO-Ablösungen aus den Jahren 1995 und 1998 sowie die jährlichen Studien ab 2000. Seit 2007 bezieht die Studie auch die Performance jener beteiligten Firmen ein, in denen kein CEO-Wechsel stattfand.