Wien, 12.04.2012
Österreich erreicht im weltweiten Digitalisierungsranking nur knapp die Top 20 und landet auf Rang 19

Analyse von 142 Volkswirtschaften belegt erheblichen Einfluss von IKT- und Digitalisierungsgrad auf Wirtschaft und Gesellschaft

Networked Readiness Index 2012 (NRI) veröffentlicht / Bürokratie und hohe Steuern schaffen in Österreich ungünstige Rahmenbedingungen für Unternehmertum und Innovation im IKT-Bereich/ Digitalisierungsgrad bestimmt Wachstum und Wohlstand / Politik hat maßgeblichen Einfluss auf Rahmenbedingungen und Infrastruktur

Österreich kann als digitaler Standort im internationalen Vergleich nicht mit der Spitzengruppe mithalten. Im jetzt veröffentlichten Global Information Technology Report 2012 des World Economic Forum (WEF) und der Business School INSEAD werden die Rahmenbedingungen und Fähigkeiten erhoben, IKT- und Internet-Infrastruktur für die Bevölkerung und Wirtschaft des jeweiligen Landes flächendeckend, bezahlbar, schnell und verlässlich verfüg- bzw. nutzbar zu machen. Untersucht wurden 142 Staaten weltweit hinsichtlich ihres Networked Readiness Index (NRI). Österreich rangiert im weltweiten Vergleich mit einer Gesamtpunktzahl von 5.3 (von maximal 7) lediglich auf Rang 19. Die Top-Positionen des Rankings belegen Schweden (5.94) vor Singapur (5.86) und Finnland (5.81). Deutschland liegt mit einer Punktezahl von 5.32 knapp vor Österreich auf Platz 16.

Ranking Networked Readiness Index 2012 Auch im europaweiten Vergleich schafft es Österreich nur auf Rang zehn. Dabei führen laut WEF insbesondere der vergleichsweise hohe bürokratische Aufwand bei Unternehmensgründungen sowie ein hoher Steuersatz zu ungünstigen Rahmenbedingungen für Unternehmer und Innovationen bei IKT-nahen Unternehmen. Hinzu kommt eine relativ schwache Bewertung im Bereich eGovernment (Rang 33) und ICT Vision (Rang 48), da Digitalisierung und IKT (noch) nicht im entsprechenden Ausmaß als Hebel zur Standortattraktivität und Wettbewerbsfähigkeit Österreichs erkannt und adressiert werden. In der Entwicklung der IKT-Infrastruktur sowie dem Zugang zu digitalen Inhalten konnte sich Österreich hingegen deutlich besser positionieren.

10% höherer Digitalisierungsgrad führt zu 0,8% niedrigerer Arbeitslosenquote
Die internationale Strategieberatung Booz & Company untersuchte im Rahmen der Studie “The Global Information Technology Report 2012: Living in a Hyperconnected World” die Auswirkungen, die IKT- und Internet-Infrastruktur auf die Wirtschaft, Gesellschaft und den Wohlstand eines Landes haben. „Die Schaffung der Rahmenbedingungen für den Zugang zu digitalen Inhalten ist heutzutage entscheidend für die wirtschaftliche Weiterentwicklung eines Landes“, so Klaus Hölbling, Partner und Geschäftsführer bei Booz & Company in Wien. „Im Gegensatz zu anderen wichtigen Standortfaktoren wie Rohstoffreichtum, kann der Staat die flächendeckende Verfügbarkeit von IKT-Infrastruktur oder eGovernment Angeboten aktiv positiv beeinflussen und somit die Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand schaffen“, meint Hölbling.

So berechneten die Strategieberater von Booz & Company, dass der um 10% höhere Digitalisierungsgrad eines Landes in einem um durchschnittlich 0,6% höheren Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, einer um 0,8% niedrigeren Arbeitslosenquote und einer um 6,4% stärkeren Innovationsneigung resultiert. Ein erstaunliches Digitalisierungstempo weisen einige europäische Staaten auf. Während der Digitalisierungsindex für reife Volkswirtschaften wie etwa Deutschland seit 2004 jährlich im Schnitt um immerhin rund 7% zulegte, schafften zum Beispiel Russland und die Niederlande mit 24,2% bzw. 12,8% eine fast dreimal bzw. beinahe doppelt so hohe jährliche Wachstumsrate. „Aufstrebende Wirtschaftsnationen wie Russland, Lettland oder Bahrain haben in den letzten Jahren in der Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen und IKT-Infrastruktur deutlich aufgeholt. Sie profitieren nun von den sich daraus ergebenden Möglichkeiten und können gleichsam die wirtschaftliche Entwicklung sowie den Digitalisierungsgrad weiter vorantreiben“, so Hölbling. „Österreich hingegen konnte den (bereits fortgeschrittenen) Digitalisierungsgrad trotz einer guten wirtschaftlichen Entwicklung nicht signifikant erhöhen und mit der Weiterentwicklung von Top-Performern wie den Niederlanden nicht mithalten. Wir befinden uns zwar mit einem hohen Digitalisierungsstandard im oberen Mittelfeld, um aber langfristig als attraktiver Standort zu bestehen haben wir beispielsweise gegenüber den führenden skandinavischen Ländern Nachholbedarf in der IKT-Nutzung.“

Staatliche Rahmenbedingungen entscheidend für IKT-Infrastruktur
Booz & Company hat in der genannten Studie spezifisch die Einflussmöglichkeiten untersucht, die der Staat durch das Setzen von förderlichen regulatorischen, fiskal- und industriepolitischen Rahmenbedingungen auf den Digitalisierungsgrad des jeweiligen Landes besitzt. So identifiziert die internationale Strategieberatung fehlende Investitionssicherheit, unklare regulatorische Vorgaben beispielsweise beim Zugangspreis für Telekommunikations-Infrastruktur oder Androhungen weitergehender Regulierung von Terminierungsentgelten oder auch von Endkunden-Tarifen wie im Falle der Roaming-Tarife als gravierende Digitalisierungsblockierer, da private Investoren verunsichert werden. Einen positiven Einfluss haben dagegen staatliche steuerliche Begünstigungen von Infrastrukturinvestitionen, Nutzungsanreize für eGovernment-Anwendungen oder eine klare gesetzliche Regelung die Zugangsverpflichtung auch zu nichtaktiven Netzelementen wie Leerrohren betreffend. „Österreich konnte durch geeignete Entwicklung der IKT-Infrastruktur in der Vergangenheit ein fortgeschrittenes Digitalisierungsstadium erreichen. Die Politik muss ihren Einfluss nutzen um breiten Zugang sowie Investitionssicherheit auch weiterhin zu sichern. Politische Entscheidungen, die einem Fortschritt des Digitalisierungsgrad entgegenstehen können auch fatale wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen haben – im Umkehrschluss können die richtigen politischen Entscheidung aber auch die positiven Effekte einer weiteren Digitalisierung nutzen und verstärken“, so Hölbling.

Über die Methode der Studie:
Die Ergebnisse des Networked Readiness Index 2012 (NRI) basieren auf einer Kombination aus öffentlich verfügbaren Datenquellen und ausführlichen wissenschaftlichen Interviews von über 15.000 Managern weltweit, die das WEF jährlich in Kooperation mit über 150 führenden Forschungsinstituten durchführt. Booz & Company fungiert beim diesjährigen Global Information Technology Report als Partner des WEF und von INSEAD und verantwortet insbesondere die wissenschaftlichen Ergebnisse und strategischen Ableitungen für politische und wirtschaftlichen Entscheider im Kapitel ‘Maximizing the Impact of Digitization’. Hierfür entwickelte die internationale Strategieberatung eine ökonometrische Methode, um die sozio-ökonomischen Effekte der Digitalisierung über einen Untersuchungszeitraum von 10 Jahren zu messen.


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Susanne Hudelist
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