Wien, 24.10.2011
Ranking der „Global Innovation 1.000“ von Booz & Company belegt Anstieg der globalen F&E-Etats um 9,3%

Drei Viertel des weltweiten Zuwachses entfallen auf die Branchen IT & Elektronik, Pharma sowie Automobil / Siemens und Volkswagen unter den internationalen Top-20-Innovatoren / F&E-Intensität insgesamt leicht rückläufig

Nach den krisenbedingten Einschnitten in den Budgets für Forschung & Entwicklung (F&E) in 2009 sind die Ausgaben im vergangenen Jahr weltweit um 9,3% deutlich gestiegen. Die österreichischen Unternehmen liegen mit einem Wachstum von 9,6% sogar leicht über dem globalen Durchschnitt. Deutschland kann ein Wachstum von 8,9% aufweisen und steht mit einem kumulierten F&E-Investitionsvolumen von 38,6 Mrd. US$ für 7% (2009: 7,6%) der weltweiten F&E-Investitionen in einer Gesamthöhe von 550 Mrd. US$. Zudem konnte Deutschland klar seine Position als Innovations-Europameister vor Frankreich und der Schweiz als Pharma-Hochburg verteidigen. In diesen beiden Ländern stiegen die F&-Etats um 4,8% bzw. 8,1%.
Mit Volkswagen (14) und Siemens (20) schafften es zwei deutsche Konzerne erneut unter die Top-20 im weltweiten Ranking. So steigerte VW sein F&E-Investment um 19,4% und holt damit gegenüber seinem schärfsten internationalen Konkurrenten Toyota (2010: Platz 6; 0,7% Steigerung) deutlich auf.
Die internationalen Spitzenplätze teilen mittlerweile fast ausschließlich Pharmakonzerne unter sich auf: Vorjahressieger Roche verteidigte seine Führungsposition im internationalen Innovationsranking. Mit Pfizer und Novartis belegen 2010 zwei weitere Pharma-Player den zweiten und dritten Rang. In Österreich sind mit voestalpine (539), Intercell (723), Andritz (938) und Zumtobel (990) vier Unternehmen unter den Top-Innovatoren.

Das sind die zentralen Ergebnisse der heute vorgestellten „Global Innovation 1.000“-Studie der internationalen Strategieberatung Booz & Company. Diese untersucht zum siebten Mal in Folge die F&E-Budgets und -Strategien der tausend Unternehmen mit den weltweit höchsten F&E Investitionen.

Forschung allein garantiert nicht automatisch erfolgreiche Entwicklungen
Damit reinvestieren deutschsprachige Konzerne einen erheblichen Teil der durch den Aufschwung erzielten Rekorderträge in die Innovationskraft und Qualität der künftigen Produktpipeline. „Die Industrie im deutschsprachigen Raum hat während der zurückliegenden Weltwirtschaftskrise die Forschung und essentielle Produktinnovationen nicht vernachlässigt. Die kontinuierliche Investition in Forschung und Entwicklung hat die schnelle Erholung aus der Rezession erheblich unterstützt“, sagt Klaus Hölbling, Partner und Geschäftsführer bei Booz & Company Österreich. „Die aktuellen Kennzahlen belegen: Das Innovationslevel ist im deutschsprachigen Raum weiter hoch. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen EU-Schuldenkrise täten die Unternehmen jedoch gut daran, mit ihrer antizyklischen Innovationsstrategie fortzufahren. Das Qualitätsmerkmal von Entwicklungen in Österreich, Deutschland oder der Schweiz wird auch in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den asiatischen Wachstumsregionen darstellen“, so Hölbling. So steigerte die chinesische Industrie ihre F&E-Ausgaben 2010 um 38%. Hölbling weist daher noch stärker auf die Bedeutung global ausgerichteter Innovationsstrategien hin.

Digitalisierung wichtiger Innovationstreiber
Die zunehmende Digitalisierung weiterer Lebensbereiche verändert die Markt- und Machtverhältnisse fast aller Branchen. Konsequenterweise mobilisiert der Treiber dieser rasanten Entwicklung – die IT- & Elektronikindustrie – mit 28% den Löwenanteil aller Innovationsbudgets. Innerhalb dieses Segments haben die Vorjahreszweit- und Drittplatzierten Microsoft und Nokia mittlerweile im Mobilfunksektor ihre F&E- und Vermarktungskräfte gegen die digitalen Innovationsführer Apple und Google vereint. Im heute lancierten Booz-Ranking rutschen die Erstgenannten hingegen auf Platz vier und acht ab. Nokia gab mit ca. 7,78 Mrd. US$ mehr als viermal so viel für Produkt- und Softwareinnovationen aus als Wettbewerber Apple. „Unsere Studie verdeutlicht: Um mit Innovation erfolgreich zu sein, reichen massive F&E-Investitionen nicht aus “, betont Hölbling. „Es bedarf neben ausreichenden Investitionen einer Firmenkultur, die Innovation höchste Priorität einräumt und diese auch vertriebsseitig unterstützt. Nur mit einer übergeordneten und umsetzbaren F&E-Strategie lassen sich marktverändernde Entwicklungen realisieren.“ Dies ist nach der vorgelegten Studie jedoch noch längst nicht immer der Fall. So konstatierten 36% der Befragten, dass die Unternehmenskultur ihre verabschiedete Innovationsstrategie nicht unterstütze.

Pharmakonzerne haben unter den Top 10 die Nase vorn
Von den 1.000 untersuchten Konzernen entfallen zwei Drittel der F&E-Ausgaben auf die Branchen IT & Elektronik, Pharma sowie Automobil. Am Zuwachs der Investitionen haben sie gemeinsam einen Anteil von immerhin 77%. Unter den internationalen Top-10 finden sich allein fünf Pharmakonzerne. Merck & Co belegt den fünften Platz nach Microsoft. Die Positionen sechs bis zehn gehen an Toyota, Samsung, Nokia, General Motors und Johnson & Johnson.

Deutschland ist mit 46 (Vorjahr 50) Vertretern im „Global Innovation 1000“-Ranking präsent. Folgende Konzerne aus dem DAX 30 schafften es sogar unter die Top-100: Volkswagen (14), Siemens (20), Daimler (26), BMW (30), Bayer (31), SAP (53), BASF (60), Continental (64) und Merck (68). Im zunehmenden Masse finden sich Player aus den BRIC-Staaten im Booz-Ranking; u.a. PetroChina (73), Petroleo Brasileiro (119), Gazprom (144) sowie Tata Motors (395).

Apple, Google und 3M bleiben die Marken mit der innovativsten Außenwirkung
Als Teil der Studie befragte Booz & Company 600 internationale Führungskräfte über alle untersuchten forschungsintensiven Industrien hinweg und bat diese darum, die aus ihrer Perspektive innovativsten Wettbewerber zu benennen. Wie im letzten Jahr qualifizierten sich Apple, Google und 3M in diesem Sonder-Ranking für die Plätze eins bis drei; Facebook steigt als Newcomer auf Platz 10 ein.
Vergleicht man über fünf Jahre hinweg die perzipierten Innovatoren mit den Unternehmen, welche faktisch die höchsten F&E-Budgets aufweisen, ist eines interessant. Die erste Gruppe ist gleich in drei Kategorien überlegen: Umsatzwachstum, operative Marge und Wertzuwachs am Kapitalmarkt. Dabei schaffen es nur Microsoft, Samsung und Toyota sowohl in der Wahrnehmung als auch in Bezug auf die tatsächliche Höhe ihrer F&E-Ausgaben in die Top-10.

Design der Studie „Global Innovation 1.000" von Booz & Company:
Für die Studie identifiziert Booz & Company die Top 1.000 der globalen Unternehmen, die ihre F&E-Ausgaben veröffentlichen. In einem zweiten Schritt wurden für die Studie die wichtigsten Finanz-, Umsatz-, Ertrags-, Kosten- und Profitabilitätskennzahlen der vergangenen sieben Jahre analysiert und in Zusammenhang mit den historischen Ausgaben für F&E gebracht. Die Zuordnung der Unternehmen zu Regionen folgt der Angabe des Unternehmenssitzes. Die F&E-Ausgaben, die Siemens etwa in den USA tätigt, fließen somit in die Region Europa ein.


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Susanne Hudelist
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