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Ausgaben für Forschung und Entwicklung legen in Österreich gegen den globalen Trend um 0,6% zu

Weltweiter Rückgang der F&E-Budgets um 3,5% / F&E-Intensität nimmt aber leicht zu / Deutschland bleibt stärkster Innovationsstandort in Europa / China und Indien steigern F&E-Ausgaben um 41,8% / Automobilbranche steigt besonders stark auf die Bremse / Roche verdrängt Toyota vom Spitzenplatz des F&E-Rankings von Booz & Company

Das Krisenjahr 2009 hinterläßt deutliche Spuren in der Forschungs- und Entwicklungsbilanz (F&E) der Unternehmen im deutschsprachigem Raum: Die Ausgaben sind erstmals seit 1997 nicht angestiegen und deutsche Unternehmen reduzierten ihre Budgets für Innovationsprojekte sogar um über 3%. Da allerdings gleichzeitig die Umsätze der untersuchten Konzerne um drastische 8,8% zurückgingen, ist die Innovationsintensität (Verhältnis des Innovationsetats zum Umsatz) leicht gestiegen. Deutsche Konzerne verteidigen auch 2009 vor Frankreich und der Schweiz den Titel als Innovations-Europameister. So stehen deutsche Unternehmen mit 27,7 Mrd. Euro (Vorjahr 28,6 Mrd. Euro) immer noch für 7,6% (Vorjahr 7,9%) der weltweiten F&E-Investitionen. In Österreich stiegen die Ausgaben für F&E, verbunden mit einer um 0,5 Prozentpunkte höheren Innovationsintensität, gegen den globalen Trend um 0,6% an.

Weltweit sanken die F&E-Ausgaben gegenüber 2008 um 3,5% auf 363 Mrd. Euro, wobei die US-Konzerne mit -3,8% und Europa mit moderaten -0,2%, noch glimpflich davongekommen sind. Als große Ausnahme des globalen Abwärtstrends erwiesen sich zwei asiatische Wachstumsmärkte: China und Indien erhöhten ihre F&E-Budgets gegenüber dem Vorjahr zusammen um gewaltige 41,8%. Dabei spielte die weitgehende Resistenz dieser beiden Länder gegen die globale Rezession eine ebenso große Rolle wie die niedrige Ausgangsbasis (1% der global allokierten Innovationsbudgets).

Die vordersten Plätze des „Innovation 1.000-Rankings“ nach Höhe der Ausgaben belegen Roche, Microsoft und Nokia. Toyota wurde von seinem Spitzenplatz auf Rang vier verdrängt. Die Positionen fünf bis zehn gehen an Pfizer, Novartis, Johnson&Johnson, Sanofi-Aventis, GlaxoSmithKline sowie Samsung. In Österreich sind mit voestalpine, Intercell und Andritz drei Unternehmen unter den Top-Innovatoren.

Das sind die zentralen Ergebnisse der aktuellen „Global Innovation 1.000“-Studie der internationalen Strategieberatung Booz & Company. Diese untersucht jährlich die F&E-Budgets und -Strategien der 1.000 Unternehmen mit den weltweit höchsten Ausgaben in diesem Bereich.

Innovation wird zum entscheidenden Standortfaktor
Die Zahlen sind auch ein Indiz dafür: Europa und speziell der deutschsprachige Raum können als Innovations- und Forschungsstandort trotz des rezessionsbedingten Rückgangs im letzten Jahr noch immer aus einer Position der Stärke heraus agieren. Die enormen Steigerungsraten in China und Indien verdeutlichen aber auch, welche Ressourcen und strategische Bedeutung die dort angesiedelten Unternehmen dem Thema Innovation zuteil werden lassen. „Das Label ‚Engineered in Austria, produced in China’ substituiert zunehmend das traditionelle Qualitätssiegel ‚Made in Austria’. Wenn europäische Unternehmen ihre F&E-Investitionen nach dem Rückgang im Krisenjahr 2009 auch am Standort ihrer Zentrale nicht wieder deutlich erhöhen, steht mittelfristig auf immer mehr Erfolgsprodukten wohl ‚Engineered & produced in China’. Weitere und vor allem zukunftsträchtige Wertschöpfung ginge dann für die Volkswirtschaft langfristig verloren“, sagt Harald Dutzler, Geschäftsführer von Booz & Company in Wien.

Seine Empfehlung: „Die Politik muss die förderpolitischen und strukturellen Voraussetzungen für Innovationen schaffen sowie Investitionen in Zukunftstechnologien regulatorisch und auch steuerlich stärker begünstigen. Nur so können auch in Österreich die Innovationsausgaben weiter steigen, um mit Innovationsstandorten wie den USA und langfristig China und Indien mitzuhalten.“

Automobilbranche tritt auf die Innovationsbremse
Noch immer konzentrieren sich mit 64% fast zwei Drittel der globalen F&E-Ausgaben auf drei Branchen: Gesundheit/Pharma, Elektronik/Computer und die Automobilindustrie. Auch wenn der Automobilsektor 2009 ca. 15% der weltweiten F&E-Ausgaben tätigte, trat dieser im weltweiten Branchenvergleich am heftigsten auf die Innovationsbremse. Trotz akut notwendiger Investitionen in die Entwicklung alternativer und CO2-sparender Antriebstechnologien senkten Hersteller wie Zulieferer die F&E-Ausgaben um insgesamt 14,2%. Eine der wenigen Ausnahmen: Volkswagen gab gegen den Branchentrend 133 Mio. Euro und damit ca. 3,6% mehr als im Vorjahr für neue Fahrzeug- und Antriebskonzepte aus.

Wie im Vorjahr liegt die IT- und Elektronikbranche beim F&E-Investment mit einem Anteil von 27% an der Spitze. Die Pharma-Unternehmen sind mit 11,2% bei der Innovationsintensität Spitze. Insgesamt allokiert die Branche 113 Mrd. US$ für die Erforschung neuer Wirkstoffe und Therapien. Das entspricht 22% der weltweiten F&E-Ausgaben. Dennoch ist auch hier ein leichter Abwärtstrend zu verzeichnen. Die Steigerungsrate der F&E-Budgets fiel mit 1,5% deutlich geringer aus als im Vorjahr (8,3%).

„Es ist keine Überraschung, dass die weltweite Rezession 2009 auch die globalen Top-Innovatoren eingeholt und zu entsprechenden Einsparungen gezwungen hat“, so Dutzler. „Die Industrie im deutschsprachigen Raum ist mittlerweile wieder auf starkem Wachstumspfad; die Unternehmensgewinne erreichen schon fast wieder das Vorkrisenniveau. Jetzt kommt es darauf an, die Innovationsaktivitäten wieder kräftig hochzufahren, diese im Einklang mit den Kernfähigkeiten zu fokussieren und damit die Wettbewerbsposition nachhaltig abzusichern“, schließt der Experte.

Design der Studie "Global Innovation 1.000" von Booz & Company:
Für die Studie identifiziert Booz & Company die Top 1.000 der globalen Unternehmen, die ihre F&E-Ausgaben veröffentlichen. In einem zweiten Schritt wurden für die Studie die wichtigsten Finanz-, Umsatz-, Ertrags-, Kosten- und Profitabilitätskennzahlen der vergangenen sechs Jahre analysiert und in Zusammenhang mit den historischen Ausgaben für F&E gebracht. Die Zuordnung der Unternehmen zu Regionen folgt der Angabe des Unternehmensitzes. Die F&E-Ausgaben, die Siemens etwa in den USA tätigt, fließen somit in die Region Europa ein. Download der Studie >


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Susanne Hudelist
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