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Die Zukunft des Private Banking in Österreich und im deutschsprachigen Raum: Konsolidierung, Regulierung und geringes Wachstum

Private Banking-Geschäftsmodelle in grundlegender Transformation / Wachsende Vermögen in Schwellenländern und zunehmende Regulierung in traditionellen Märkten / Anzahl der vermögenden Privatkunden wächst in Österreich um 1,5-2% - weltweit über 4% / Auswirkungen durch Neuordnung des im Private Banking verwalteten Vermögens deutscher Kunden erwartet, in Österreich insgesamt etwa 15 Mrd. Euro Offshoregelder

Der "perfekte Sturm", durch die weltweite Finanzkrise, hat in den vergangenen beiden Jahren das Private Banking-Geschäft erschüttert und seine Kunden bis ins Mark getroffen. Das bisher stabile und margenstarke Geschäftsmodell mit den vermögenden Kunden, mit einem Anlagevermögen von mehr als einer Million Euro, ist seit der Finanzkrise gestört. Markensterben, Konsolidierungsdruck und eine immer stärkere Regulierung haben das Private Banking Geschäft verändert. Hinzu kommt, dass der österreichische Markt im weltweiten Vergleich nicht Schritt halten kann. Mit einer Wachstumsrate von etwa 1,5-2% liegt Österreich im Segment der so genannten High Net Worth Individuals (HNWI) zwar im europäischen Vergleich (1% Wachstum in Europa) vorne, gemessen an der weltweiten Wachstumsrate von über 4% hinkt man jedoch hinterher. Folgerichtig herrscht im Private Banking in Österreich ein Verdrängungswettbewerb, konstatiert die globale Studie der Strategieberatung Booz & Company.

Doch die Analyse der Berater bietet auch positive Ausblicke. Die Privatbanken in Österreich und Deutschland haben die Finanzkrise bisher gut gemeistert „Sie haben die Kosten im Griff und konnten bereits 2009 bei Gewinn und Erträgen fast zu dem Vorkrisenjahr 2007 aufschließen. Hier sind sie den Universalbanken eindeutig voraus. Diese konnten ihre Skaleneffekte bisher nicht in einen Vorteil ummünzen“, erklärt Dr. Johannes Bussmann, Leiter der Financial Services Practice bei Booz & Company. "Doch die Zeit der Universalbanken könnte jetzt kommen. Sie können ihre Kostenposition noch weiter verbessern und werden alles daran setzen, Vertrauen zurück zu gewinnen und ihre Größe in einen Wettbewerbsvorteil umzuwandeln."

Für den gesamten deutschsprachigen Raum zeigt die Studie, dass die Institute von der Lockerung des Bankgeheimnisses in der Schweiz und der fortschreitenden Harmonisierung der Regulierung profitieren. Ein Viertel der deutschen Assets under Management, schätzungsweise ca. 200 Mrd. Euro, von Private Banking-Kunden liegt im Ausland. Ein Großteil hiervon wird in den nächsten Jahren durch Deklaration, Veränderung des Steuerdomizils oder Rückführung nach Deutschland neu geordnet. "Dies hat auch Auswirkungen auf Österreich: Ende 2009 sind etwa 15 Mrd. Euro an Offshoregeldern von Private Banking Kunden in Österreich angelegt, die - falls nicht steuerehrlich veranlagt - nun repatriiert werden könnten" so Dr. Gerald Wunderer, Senior Associate und Private Banking Experte bei Booz & Company in Wien.

Neue aufstrebende Märkte und Konsolidierung der "etablierten" Märkte
Das zukünftige Wachstum im Private Banking liegt in den neu entstehenden Vermögenszentren in China, Indien, im Nahen Osten und für Österreich mittelfristig in Zentral- und Osteuropa: Bis Ende 2011 wird ein Drittel der HNWI im asiatisch-pazifischen Raum leben. Dann gibt es in dieser Region mehr Millionäre als in Nordamerika oder in Europa. In den „etablierten“ Märkten steigt der regulatorische Druck und den Banken ist es noch nicht gelungen, dass verlorene Vertrauen der Kunden vollständig zurück zu gewinnen. Dies stellt die Banken vor große Herausforderungen. Sie müssen ihr Geschäftsmodell den geänderten Kundenbedürfnissen und gleichzeitig den neuen Regeln anpassen. Dabei rechnen die Berater vor, dass weitere Kostensenkungen von 10-15% notwendig sind, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Auf globaler Ebene mitspielen können hier nur die vergleichsweise großen Privatbanken in Deutschland und der Schweiz. Für Österreich liegt eine Fokussierung auf die angestammten Märkte in Zentral- und Osteuropa nahe, jedoch werden auch hierfür Kostensenkungen in vergleichbarem Ausmaß notwendig sein.

Kunden erwarten mehr Transparenz und Flexibilität
Gemäß der Studie hat das Misstrauen gegenüber sogenannten integrierten Anbietern, die Beratung und Produkte unter einem Dach vereinen, nachweislich zugenommen. Aus diesem Grund haben einige Institute bereits ihre Einheiten für das Asset Management und für die Kundenberatung getrennt. Rund 90% der Befragten sind überzeugt, dass eine Open Product Architecture, bei denen Kunden in jeder Anlagekategorie aus den besten Produkten von verschiedenen Anbietern auswählen können, das Modell der Zukunft ist. Booz & Company Experte Bussmann ist sich sicher: "Die verlorenen Marktanteile können zurückerobert werden. Privatbanken müssen dazu das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen, das sie durch zu riskante Produkte, vertriebsfokussierte Ansätze sowie zu wenig Transparenz eingebüßt haben".

Handlungsbedarf für das Private Banking
Die langfristigen Aussichten für die Branche werden von den Befragten verhalten positiv beurteilt. Die Privatbanken müssen aber ihre Geschäftsmodelle den neuen Realitäten anpassen:

  • Neue Märkte: In den Wachstumsmärkten besteht ein großer Nachholbedarf an professionellen Private-Banking-Angeboten. Die großen Privatbanken sollten sich deshalb noch schneller und konsequenter auf diese Märkte ausrichten. Die mittelgroßen/ regionalen Player werden sich auf den eigenen Markt fokussieren müssen, sollten aber die langfristige Nachhaltigkeit ihres Geschäftsmodells prüfen.
  • Regulierung: Durch verstärkte staatliche Regulierungen verlieren steuerlich motivierte Offshore Modelle an Bedeutung. Banken, die ihren Kunden zu diesem Thema überzeugende Angebote machen, bringen sich für die Zukunft in Position.
  • Kundenverhalten: Privatbanken müssen ihre Produktangebote neu ausrichten, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Für den nachhaltigen Erfolg müssen die Banken eine bessere Risikotransparenz gewährleisten.
  • Operating Modell: Neben den bereits getroffenen "linearen" Maßnahmen zur Kostensenkung braucht es weitere strukturelle Lösungsansätze, um die Profitabilität nachhaltig sicherzustellen. Dazu gehört eine radikale Reduktion der Komplexität entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
  • Industrie Dynamik: Größenvorteile bekommen stärkeres Gewicht und sorgen international für einen weiteren Konsolidierungsschub. Voraussetzung ist ein besseres Verständnis und eine konsequente Optimierung der Wertschöpfungskette zur Realisierung von Skalenvorteilen.

Über die Studie:
Die Studie von Booz & Company basiert auf quantitativen Marktanalysen der führenden 15 Private Banking-Märkte weltweit (Brasilien, China, Deutschland, Grossbritannien, Hongkong, Indien, Italien, Japan, Liechtenstein, Niederlande, Österreich, Saudi Arabien, Schweiz, Vereinigte Arabische Emirate, USA). Die Analysen wurden ergänzt durch so genanntes „Mystery shopping“ und qualitative Interviews mit über 140 Private Banking- Führungskräften, Finanzberatern und Aufsichtsbehörden. Die Prognosen bezüglich der Entwicklung der High-Net-Worth Individuals basieren auf einem Modell aus wirtschaftlichen und demografischen Faktoren.


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Susanne Hudelist
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