Wien, 28.10.2009
Booz & Company-Studie „Global Innovation 1000“: Führende österreichische Unternehmen steigern trotz Krise die F&E Aktivitäten

Innovationen sind weiterhin zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie / Ausgaben für Forschung und Entwicklung wachsen in Österreich um 13% / Weltweiter Anstieg liegt bei nur 5,7% / Luft-, Raumfahrt und Verteidigung einzige Branchen mit Rückgang der F&E-Ausgaben / Toyota, Nokia und Roche investieren die weltweit größten F&E-Budgets

Österreichische Unternehmen setzen auch in Krisenzeiten auf Forschung und Entwicklung (F&E). Mit einer Steigerung der Ausgaben um 13% liegen sie 2008 deutlich über dem globalen Durchschnitt von 5,7% sowie dem bundesdeutschen Schnitt von 9%. Das sind die Ergebnisse der aktuellen "Global Innovation 1000"-Studie der internationalen Strategieberatung Booz & Company. Diese analysiert die F&E-Budgets und -Strategien der 1.000 Unternehmen mit den weltweit höchsten Ausgaben in diesem Segment. Im Jahr 2008 sind, wie auch im Vorjahr, 5 österreichische Unternehmen in diesem Ranking vertreten: Voestalpine AG, Intercell AG, Andritz AG, Austriamicrosystems AG und Telekom Austria AG.

Trotz schwerer Gewinneinbrüche: Manager setzen weiter auf Innovationen
Trotz der in 2008 einsetzenden Weltwirtschaftskrise stärken die Unternehmen weiter ihre Forschung- und Entwicklungsbereiche. Das überraschende Studienergebnis: Obwohl 65% der weltweiten Top-1.000-Innovatoren in der schwersten Rezession seit 1929 deutliche Umsatzrückgänge verbuchen und 32% sogar Verluste schreiben, erhöhten mehr als zwei Drittel ihre F&E-Ausgaben im vergangenen Jahr. 90% der befragten Manager bewerten Innovation als wesentlichen Erfolgsfaktor für den erhofften Aufschwung. Die globalen Top 20, die 26% des gesamten „Global Innovation 1000“-Budgets auf sich vereinen, beziffern ihre Gewinneinbußen auf 35%. Dennoch steigerte diese Innovationselite ihre F&E-Etats auch im Krisenjahr 2008 um weitere 3,2% (im Vorjahr 7,6%). Zu Kürzungen in diesem Bereich kommt es nur bei etwas mehr als einem Viertel der Befragten. Klaus Hölbling, Geschäftsführer bei Booz & Company Österreich, liefert dafür folgende Erklärung: „Da die Bedeutung von Innovation zur Erhaltung der künftigen Wettbewerbsfähigkeit zunimmt, wird der Rotstift in der Krise konsequenterweise nicht zuerst bei F&E angesetzt. Außerdem sind Produktentwicklung und Innovationszyklen in vielen Branchen wie etwa Biotechnologie auf mehrere Jahre angelegt, und benötigen daher F&E Investitionen schon Jahre im Voraus.“

Die Booz & Company-Studie zeigt allerdings auch: Jeder zweite Entscheidungsträger definiert seine Auswahlkriterien für die Bewilligung von F&E-Projekten angesichts der Krise bedeutend strikter. Vier von zehn legen ein erhöhtes Risikobewusstsein in Bezug auf Forschungsinvestitionen an den Tag und sind früher bereit, Projekte mit unzureichender Performance einzustellen.

Sieben von zehn Unternehmen orientieren sich mit ihren F&E-Ausgaben stärker an veränderten, preissensitiveren Kundenbedürfnissen.

Unternehmen aus Elektronik-, Pharma- und Automobilindustrie sind im Branchenvergleich F&E-Spitze
Zwei Drittel der globalen F&E-Ausgaben konzentrierten sich auf drei Branchen: Elektronik/Computer mit 27%, Pharma mit 23% sowie Automobil mit 16%. Obgleich Automobilunternehmen im Branchenvergleich zu den Top-Innovatoren gehören, erfolgen hier die größten Einschnitte: 60% der Unternehmen kürzen ihre F&E-Investitionen, unter den Top 10 sind es sogar 90%. Dabei zeigt das Beispiel dieser Branche, welche existenzbedrohenden Konsequenzen Fehlentscheidungen beim Innovationsmanagement haben können. „Automobilhersteller sind stark auf ihre Innovationskraft angewiesen, vor allem verbrauchsarme Fahrzeuge und alternative Antriebe werden verstärkt nachgefragt. Hersteller, die diese noch nicht im Portfolio oder zumindest in der Entwicklung haben, sehen einer dunklen Zukunft entgegen“, so Angela Dum, Principal und Mitglied der Geschäftsführung bei Booz & Company Österreich. „Trotz einbrechender Umsätze müssen die Konzerne nun immense F&E-Investitionen schultern. Sie riskieren sonst, im Technologiewettbewerb um die effizientesten Hybrid- und Elektroantriebe den Anschluss zu verlieren.“

Im Bereich Elektronik/Computer liegt die Steigerungsrate gegenüber dem Vorjahr bei 4%. Die höchste Innovationsintensität, also das Verhältnis des Innovationsetats zum Umsatz, besteht im Pharmasektor mit 12%, gefolgt von Software/Internet mit 11,4%. Die schwächsten Industriezweige – Telekommunikation sowie Chemie/Energie – rangieren zwischen 0,9 und 1,4%. Die einzige Branche mit sinkenden Forschungsausgaben ist die Luft- und Raumfahrtindustrie sowie der Verteidigungssektor mit einem Rückgang von 2,3%.

Schwellenländer haben Nachholbedarf und erhöhen F&E-Ausgaben drastisch – Fünf österreichische Unternehmen befinden sich unter den globalen Top 1000
Wie Booz & Company im internationalen Vergleich feststellt, klafft zwischen Industrie- und Schwellenländern eine Innovationslücke. 94% der Player aus der globalen „Innovations-Champions League“ sitzen in Nordamerika (Steigerung 6,5%), Europa (Steigerung 6,3%) oder Japan (Steigerung 0,5%). Aus China und Brasilien schaffen es gerade einmal 15 bzw. drei Unternehmen unter die ersten 1.000. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhen diese Länder ihre F&E-Ausgaben 2008 jedoch drastisch um 27,6% bzw. 18,7%.

Auf das Siegertreppchen der „Global Innovation 1000“ schaffen es auch diesmal wieder Toyota, Nokia und Roche. Die Plätze vier bis zehn gehen an Microsoft, General Motors, Pfizer, Johnson & Johnson, Ford, Novartis und Sanofi-Aventis.

In der globalen Innovationselite sind mit Voestalpine AG (467), Intercell AG (791), Andritz AG (843), Austriamicrosystems AG (940) und Telekom Austria AG (967) fünf österreichische Unternehmen vertreten. „Die österreichischen Unternehmen haben in der Krise nicht am falschen Ende gespart und weiter an ihren Innovationsprogrammen festgehalten. Im internationalen Vergleich wurden die Budgets sogar überproportional gesteigert – ein gutes Zeichen – um weiter im internationalen Wettbewerb zu bestehen“, so das Fazit von Hölbling.

Die vollständige Studie finden Sie hier >>

Design der Studie "Global Innovation 1000" von Booz & Company:
Für die Studie identifiziert Booz & Company die Top 1.000 der globalen Unternehmen, die ihre F&E-Ausgaben veröffentlichen. In einem zweiten Schritt wurden für die Studie die wichtigsten Finanz-, Umsatz-, Ertrags-, Kosten- und Profitabilitätskennzahlen der vergangenen sechs Jahre analysiert und in Zusammenhang mit den historischen Ausgaben für F&E gebracht. Die Zuordnung der Unternehmen zu Regionen folgt der Angabe des Unternehmenssitzes. Die F&E-Ausgaben, die Siemens etwa in den USA tätigt, fließen somit in die Region Europa ein.

Erstmals führte Booz&Company in diesem Jahr eine internetbasierte Umfrage unter 300 Top-Managern und F&E-Experten in 250 Unternehmen durch, um den Einfluss der Rezession auf F&E-Ausgaben und Strategien besser einschätzen zu können.


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Susanne Hudelist
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