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Booz & Company-Untersuchung: Trends und Wachstumsstrategien in einem stagnierenden Telekommunikationsmarkt

Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise erfordern strategische Neuausrichtung / Aufschwung deutet sich auch für die Telekommunikationsindustrie an / Wachstum bis 2012 primär jenseits traditioneller Geschäftsfelder bei Unterhaltungs- und Serviceangeboten / Konsolidierung schreitet fort: bereits 75% der Mobilfunknetzbetreiber gehören zu internationalen Konzernen

Die Telekommunikationsunternehmen wiesen in der globalen Wirtschaftskrise durch den Grundbedürfnischarakter ihrer Angebote lediglich leicht rückläufige Umsätze aus. Im Vergleich mit Branchen wie der Automobil- oder der Maschinenbauindustrie ist das eine relativ komfortable Situation. Während der Aufschwung in diesen Branchen auf sich warten lässt, deutet er sich für die Telekommunikationsindustrie deutlich an.

Die internationale Strategieberatung Booz & Company prognostiziert in einer aktuellen Untersuchung bis 2012 Wachstum für den deutschsprachigen Telekommunikationsmarkt, vor allem im Geschäftsfeld Unterhaltungs- und Service-Angebote im Internet wie beispielsweise soziale Netzwerke, mobile Anwendungen und Online-TV. Konnte beispielsweise dieser Bereich in Deutschland 2007 erst 9% des Gesamtumsatzes auf sich vereinen, werden es nach der Untersuchung 2012 bereits über 16% sein. In diesem Marktumfeld wird die Entwicklung neuer Fähigkeiten für alle Anbieter zwingend. Der bundesdeutsche Markt für reine Sprach- und Zugangsdienste über Mobilfunk und Festnetz wird beispielsweise von einem Umsatzvolumen von 39 Mrd. Euro im Jahr 2007 auf weniger als 36 Mrd. Euro in 2012 zurückgehen. Gleichzeitig lassen sich substanzielle Investitionen beispielsweise in Glasfaserinfrastruktur und in den Wechsel auf den neuen Mobilfunkstandard Long-Term-Evolution (LTE) nicht weiter aufschieben. Der Aufbau einer flächendeckenden LTE-Infrastruktur erfordert allein von den europäischen Carriern Investitionen von insgesamt 15 Mrd. Euro bis 2013. Diese strategische Ausgangslage erhöht den Konsolidierungsdruck im Markt der Infrastrukturanbieter weiter. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Konsolidierung im europäischen Markt bereits weit fortgeschritten ist. Heute gehören schon 75% der Mobilfunknetzbetreiber zu international aufgestellten Telekommunikationskonzernen.

Vier Trends im Spannungsfeld des Marktes und der Politik
Auf Basis ausführlicher Interviews mit globalen Entscheidungsträgern der Industrie hat Booz & Company vier zentrale Spannungsfelder untersucht, die den strategischen Rahmen für die immer stärker zusammenwachsenden Festnetz-, Mobilfunk- und Medienmärkte aufspannen. „Wer nach dem Ende der gegenwärtigen Rezession in der Telekommunikationsindustrie gegen den Trend wachsen will, muss die Dynamik der immer stärker zusammenwachsenden Festnetz-, Mobilfunk- und Medienmärkte im Auge behalten. Das Kerngeschäft der Anbieter verändert sich; diese müssen bewusst in neue Geschäftsfelder investieren“, sagt Dr. Roman Friedrich, Partner und Leiter des europäischen Telekommunikationsbereichs bei Booz & Company.

1. Anbieter von Basisdiensten werden austauschbar – Differenzierung findet über Dienste statt
Aufgrund der flächendeckenden Erschließung des Marktes und der Tatsache, dass Telekommunikationsdienste immer mehr zum Alltag gehören, können sich die Anbieter mit ihren Produkten immer schwerer vom Wettbewerb absetzen. Marktteilnehmer müssen daher versuchen, über innovative Strategien und Technologien ihre Marktposition zu stärken. Um die eigene Leistungsfähigkeit zu erhöhen, empfiehlt sich die Kooperation mit neuen, kleineren – aber dafür innovativen – Partnern. Apple macht gerade mit dem Erfolg seines AppStores mit 500 Mio. Downloads pro Quartal über das iPhone deutlich, welches wirtschaftliche Potenzial jenseits der klassischen Kommunikationsdienste erschlossen werden kann.

2. Kostenoptimierung ist zwingend – darf aber strategische Investitionen nicht verhindern
„Um Umsatzrückgängen vorzubeugen und das EBITDA-Ergebnis zu optimieren, setzen die Marktteilnehmer aktuell vor allem auf kurzfristige Kostenoptimierung. Aber für eine starke und wachstumsorientierte Positionierung am Markt werden gezielte Investitionen in Infrastruktur, neue Produkte oder M&A-Aktivitäten zur Optimierung des Angebotsportfolios erforderlich“, erläutert Klaus Hölbling, Partner bei Booz & Company. Die derzeit laufenden Kostensenkungsprogramme müssen hierfür den Raum schaffen und nicht nur kurzfristig das Ergebnis stabilisieren.

3. Konsolidierung im Netzbereich – Fragmentierung bei neuen Diensten
In den weitgehend aufgeteilten Märkten für Kommunikationsdienste in Europa und USA ist Wachstum fast nur noch über Zusammenschlüsse und Übernahmen zu realisieren. Für das erfolgreiche Bestehen im Markt gibt es derzeit nur zwei Möglichkeiten. Entweder die Unternehmen ergreifen einen aktiven Part in der anstehenden Konsolidierung oder sie differenzieren sich klar und besetzen attraktive Nischen mit innovativen Angeboten. Letzteres ist für große internationale Anbieter sicher nur die zweitbeste Option. Wir werden aber dennoch auch Anbieter sehen, die den Betrieb ihrer eigenen Fest- und Mobilfunknetze mangels Skaleneffizienz in Frage stellen werden und andere Differenzierungsmöglichkeiten suchen müssen.

4. Re-Regulierung von Netzen – Deregulierung bei Diensten
Aktuell lassen sich in den meisten europäischen Märkten zwei entgegen gesetzte Regulierungsszenarien beobachten: Einerseits die Aufrechterhaltung des Wettbewerbs über gezielte Deregulierung. Andererseits übernehmen die Regulatoren selbst eine aktive Rolle und unterstützen durch Konjunkturpakete gezielt den Ausbau nationaler Breitband-Infrastruktur.

„Wir erkennen, dass Regulierungsbehörden ihre bisherigen Deregulierungsstrategien weltweit auf den Prüfstand stellen, da gerade im Glasfaserbereich nur zurückhaltend investiert wird“, resümiert Klaus Hölbling. Zusammenfassend lässt sich erkennen, dass substanzielle Positionierungsentscheidungen jetzt notwendig werden, nachdem die Wirtschaftskrise einige Trends verzögert hat.


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Susanne Hudelist
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