Wien, 28.10.2014
Weltweit legen Innovationsbudgets nur mehr um 1,4 % zu - Deutschland bleibt F&E-Europameister

Volkswagen führt weltweit bei F&E-Ausgaben vor Samsung und Intel / Deutschland ist F&E Europameister / Vier österreichische Unternehmen in den Top 1000 vertreten / Chinas F&E Anteil in den letzten 10 Jahren um das 15-fache angestiegen / Laut Umfrage Apple und Google wieder mit der innovativsten Außenwirkung

Die deutsche Industrie investiert weiter erheblich in ihren Ruf als Land der Erfinder und Ingenieure: Wie schon in den Vorjahren legten die deutschen Top-Player bei den Budgets für Forschung und Entwicklung (F&E) deutlich zu und steigerten die F&E-Ausgaben gegenüber 2013 um 11,3 % auf nun 55,1 Mrd. US-Dollar. Die betrachteten österreichischen Unternehmen zeigten einen noch stärkeren Anstieg von 13,6 %. Damit setzen sich die deutschen und österreichischen Konzerne deutlich vom internationalen Trend ab, denn weltweit verlangsamte sich der Anstieg in den Forschungsbudgets von 3,8 % im Vorjahr auf nun 1,4 %. Die tausend größten Konzerne investieren 2014 weltweit insgesamt 647 Mrd. US-Dollar (2013: 638 Mrd. US-Dollar) in die Forschung und Entwicklung. Die F&E-Budgets der 45 deutschen und 4 österreichischen Konzerne unter den tausend internationalen Top-Unternehmen stiegen mehr als achtmal so stark an wie der internationale Durchschnitt. Der Anteil deutscher Unternehmen an den weltweiten F&E-Ausgaben liegt 2014 bei 8,5 %. Aus Österreich sind wie im Vorjahr Voestalpine (international Platz 560), Andritz (747) und Zumtobel (900) vertreten, Neueinsteiger ist ams (933).

Volkswagen nur mehr knapp vor Samsung
Der Spitzenreiter bei den deutschen Entwicklungsbudgets bleibt die Automobilbranche, die 2014 insgesamt 28,6 Mrd. US-Dollar (2013: 25,5 Mrd.) und damit 52 % der Gesamtausgaben deutscher Top-Unternehmen in F&E investierte. Wie schon im Vorjahr wird ein Löwenanteil dieser Ausgaben vom Volkswagen-Konzern getragen, der mit einem F&E-Budget von 13,5 Mrd. US-Dollar (+18,9 % gegenüber Vorjahr) internationaler Spitzenreiter bei den Investitionen in neue Technik und Produkte bleibt. VW alleine steht damit für ein knappes Viertel aller von deutschen Konzernen für F&E aufgewendeten Investitionen. Auf den Plätzen in Deutschland folgen Daimler mit 7,0 Mrd. US-Dollar F&E-Budget (+4,8 % gegenüber Vorjahr; international 12. Platz), Siemens mit 5,6 Mrd. US-Dollar (+2,3 % gegenüber Vorjahr; international 21. Platz) und BMW mit 5,5 Mrd. US-Dollar (+6,5 % gegenüber Vorjahr; international 23. Platz). Im globalen Vergleich liegt Volkswagen allerdings nur um Haaresbreite vor dem südkoreanischen Konzern Samsung (13,4 Mrd. US-Dollar, +28,0 % gegenüber Vorjahr), gefolgt von Intel (10,6 Mrd. US-Dollar, +4,6 % gegenüber Vorjahr) und Microsoft (10,4 Mrd. US-Dollar, +6,1 % gegenüber Vorjahr). Das sind die zentralen Ergebnisse der heute veröffentlichten „Global Innovation 1000“-Studie der internationalen Managementberatung Strategy& (ehemals Booz & Company). In ihrer zehnten Jahresausgabe analysiert diese die Budgets der tausend börsennotierten Unternehmen mit den weltweit höchsten F&E-Ausgaben.

Innovationskraft lässt sich nicht kaufen
Die geringen Zuwächse bei den F&E-Budgets deuten darauf hin: Die Ausgaben für die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen werden effizienter eingesetzt. Offensichtlich haben die Unternehmen in den vergangenen Jahren ihre F&E-Portfolios konsolidiert und -Prozesse optimiert und daher mit weniger Einsatz gute Ergebnisse erzielen können.  So lag der Anteil des in F&E-Ausgaben investierten Konzernumsatzes in diesem Jahr im weltweiten Durchschnitt bei nur noch 3,5 %, in Deutschland bei 4,0 %, in Österreich bei 2,0 %. Vor zehn Jahren betrug der F&E-Anteil weltweit noch 4,2 % des Umsatzes. „Unternehmen sind bei Forschung und Entwicklung effektiver geworden, mehr als 75 % befragter Unternehmen berichten eine Verbesserung der Innovationsfähigkeiten in den letzten 10 Jahren. In einem verschärften globalen Wettbewerb wird jeder für die Forschung eingesetzte Euro auf seine Wirksamkeit hin überprüft und der Innovationsprozess kontinuierlich optimiert“, sagt Klaus Hölbling, Geschäftsführer von Strategy& in Wien.

Chinesische Konzerne allerdings investieren weiter massiv in Forschung und Entwicklung. Der F&E-Einsatz von Top-Unternehmen aus China in den Global 1000 hat sich seit 2005 von 1,2 Mrd. US-Dollar auf 30,0 Mrd. US-Dollar verfünfundzwanzigfacht. Auch im vergangenen Jahr ist das kumulierte F&E-Budget chinesischer Firmen um 45 % gestiegen. Die Zahl der Unternehmen in den Global 1000 ist zugleich von nur acht in 2005 auf 114 in 2014 explodiert und unterstreicht die Innovationskraft chinesischer Konzerne.

Die Studie identifiziert jedoch nicht nur die F&E-Budgets internationaler Top-Unternehmen, sondern ermittelt zusätzlich in einer Umfrage unter internationalen Führungskräften die innovativsten Unternehmen weltweit. Das Ergebnis der Befragung zeigt, dass das F&E-Budget mit der tatsächlichen Innovationskraft kaum korreliert: Unter den Spitzenreitern Apple (4,5 Mrd. US-Dollar), Google (8,0 Mrd. US-Dollar) und Amazon (6,6 Mrd. US-Dollar) findet sich nur Google mit Platz neun in den Top Ten der Konzerne mit den größten F&E-Ausgaben.

IT und Elektronik, Pharma und Automobil investieren am stärksten in Forschung und Entwicklung
Die Höhe des eingesetzten Budgets für Forschung und Entwicklung hängt auch von der Branche ab – das zeigen sowohl die aktuelle Studie als auch der mittelfristige Vergleich: Die Branchen IT und Elektronik, Pharma und Automobil waren in jedem der vergangenen zehn Jahre die Spitzenreiter bei den F&E-Ausgaben. Zwischen 2005 und 2014 stemmten diese drei Branchen zwei Drittel (66%) aller Investitionen in Forschung und Entwicklung. Die höchsten Steigerungsraten im vergangenen Jahr wiesen jedoch Software- und Internetfirmen auf. „Die Produkte und Dienstleistungen der Branchen IT und Elektronik, Pharma und Automobil sind traditionell sehr forschungsintensiv. Auch in der Softwareindustrie sind die Kosten für eine konkurrenzfähige Forschungsabteilung gestiegen. Die amerikanischen Innovationsweltmeister Apple, Google und Amazon machen jedoch vor, wie man auch ohne Spitzenbudgets im F&E-Bereich Spitzenleistungen erbringen und eine innovationsfördernde Kultur im Unternehmen und entsprechende Reputation etablieren kann“, so das Fazit von Klaus Hölbling.

Design der „Global Innovation 1000“-Studie von Strategy&
Für die Studie identifizierte Strategy& die 1.000 globalen börsennotierten Unternehmen mit den höchsten veröffentlichten F&E-Ausgaben. In einem zweiten Schritt wurden für die Studie die wichtigsten Finanz-, Umsatz-, Ertrags-, Kosten- und Profitabilitätskennzahlen der vergangenen neun Jahre analysiert und in Zusammenhang mit den historischen Ausgaben für F&E gebracht. Die Zuordnung der Unternehmen zu Regionen folgt der Angabe des Unternehmenssitzes. Die F&E-Ausgaben, die Siemens etwa in den USA tätigt, fließen somit in die Region Europa ein. Darüber hinaus ermittelt die Studie zusätzlich in einer Umfrage unter internationalen Führungskräften die innovativsten Unternehmen weltweit.


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Moritz Arnold
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